In der Ostfilderner Parksiedlung bei der Firma Julmi gibt es neuerdings einen öffentlichen Defibrillator. Warum?

Region: Andreas Pflüger (eas)

Seit 75 Jahren gibt es die Haustechnik-Firma Julmi, seit 60 Jahren hat sie ihren Sitz in der Ostfilderner Parksiedlung. Pünktlich zum Jubiläum bekommen die Kunden, Partner und Lieferanten allerdings keine Weihnachtspost mehr. Stattdessen hat der Betrieb, was allgemein auf Zustimmung stoßen dürfte, an seinem Gebäude in der Ostpreußenstraße 7 einen öffentlich zugänglichen Defibrillator installiert.

 

„Im geschäftlichen Bereich, das hören wir immer wieder, sind Weihnachtskarten aus der Mode gekommen“, sagt Peter Metzger, der das Unternehmen Julmi, das in den Bereichen Bad, Heizung, Klima unterwegs ist, gemeinsam mit Gerhard Hanekamm leitet. Letzterer verweist zudem auf die mittlerweile vielerorts geltenden Compliance-Regeln: „Viele Geschäftspartner dürfen größere Geschenke gar nicht mehr annehmen.“

DRK weist Julmi-Beschäftigten in die Benutzung ein

So kam den beiden Chefs die Idee, wie sie sagen, „lieber etwas Soziales zu machen“. Und als Mitglieder der sogenannten Blaulichtfamilie – beide haben eine Verbindung zur Feuerwehr, Hanekamm war sogar elf Jahre Stadtbrandmeister in Ostfildern – kam schnell der Gedanke auf, sich in diesem Bereich zu engagieren. Zudem habe es im privaten Umfeld der Firma in diesem Jahr gleich zwei Herzinfarkte gegeben, so dass sich der Gedanke mit dem Defibrillator förmlich aufdrängte, erklärt Hanekamm.

Rasch war der Kontakt sowohl zur Björn-Steiger-Stiftung als auch zum Deutschen Roten Kreuz (DRK) hergestellt. Erstere unterstützte das Projekt mit einer zusätzlichen Spende, während Zweiteres die 40 Julmi-Beschäftigten Anfang nächsten Jahres in die Benutzung des „Defi“ einweisen wird. Yannick Bindel, Bereitschaftsleiter des DRK-Ortvereins Ostfildern betont zwar, „dass das Gerät selbsterklärend und kinderleicht zu bedienen ist“. Es schade aber nichts, das einfach mal auszuprobieren, da einige Leute doch Respekt hätten, dieses zu bedienen.

Bis der Notarzt eintrifft, kann jede Sekunde zählen

Bindel findet es „sehr gut und sehr wichtig“, dass Julmi die Initiative ergriffen und einen Defibrillator im öffentlichen Raum installiert hat: „Bei einem Kreislaufstillstand oder auch bei Herzrhythmusstörungen muss es schnell gehen, da kann jede Sekunde zählen, bis der Notarzt vor Ort eintrifft“, betont der ausgebildete Notfallsanitäter. Wenn man da wisse, wo sich ein solches Gerät befinde und der Weg dorthin nicht weit sei, könne das lebensrettend sein.

Der grüne Pfeil weist in der Ostpreußenstraße den Weg zum „Defi“. Foto: Markus Brändli

Peter Metzger wundert sich überdies, „dass in Deutschland nicht mehr ‚Defis’ für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen“. In anderen Ländern sei das fast überall üblich, selbst in abgelegenen Gegenden. Dass die Firma Julmi am Rande des Wohngebiets Parksiedlung liegt, sieht sein Kollege Hanekamm indes nicht als Problem: „Julmi ist hier bekannt, die Leute wissen im Notfall also, wo sie hinmüssen.“ Zudem gebe es an beiden Zufahrten zur Ostpreußenstraße die grünen Schilder, die auf den Defibrillator hinwiesen, ergänzt er.

Für diesen gilt im übrigen, was auch auf den Notdienst der Firma zutrifft: Er ist an 365 oder auch mal, wie es früher auf den Geschäftsautos stand, an 366 Tagen im Jahr verfügbar.