Präsentiert sein Löffelglück: Jan Mink, der ansonsten im Schloss Solitude seine Gäste bewirtet. Foto: Kathrin Haasis
Neue Gastronomen bringen frisches Essen auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt: Ein Südtiroler lässt zum Beispiel den Käse schmelzen und ein Stuttgarter flambiert Apple Crumble.
Für Hannes Pineider ist Stuttgart eigentlich nicht der nächste Weg. „Aber es ist wirtschaftlich ein guter Weg“, sagt der Südtiroler und lacht. Vor seiner Hütte bildet sich immer wieder eine Schlange. Raclette bietet der 26-Jährige aus Meran an – mit Käse aus dem Allgäu und Speck aus seiner Heimat. Mit ihm feiern drei weitere Gastronomen Premiere auf dem Weihnachtsmarkt: Kuchen so groß wie Wagenräder, Apple Crumble und Suppe aus dem Brotlaib sind ihre Alleinstellungsmerkmale.
„Das Feedback ist sehr gut“, freut sich Hannes Pineider bereits am ersten Wochenende. Mit kleinen Probiererle versucht Jan Mink die Passanten von seinem Löffelglück zu überzeugen. Kleine Trauben bilden sich um den Stand, an dem es neben Apfelstreuseln auch Milchreis und heiße Schokolade gibt. „Das Konzept hat viel Potenzial“, ist sich der 30-Jährige sicher.
Käse aus dem Allgäu, Speck aus der Heimat Südtirol: Hannes Pineider bringt Raclette auf den Weihnachtsmarkt. Foto: Kathrin Haasis
Wegen des Wasens kam Hannes Pineider überhaupt erst auf Stuttgart: „Vom Weihnachtsmarkt wurde da unter den Schaustellern nur gut gesprochen“, erzählt er. Bio-Weidehühnchen vom Grill bietet er im Albdorf an. Mit Raclette und Kiwibeerenglühwein bewarb er sich gleich für den Winter. Sein eigentliches Geschäft sind Festivals und Formel 1-Veranstaltungen, bei denen er mit seinem Foodtrailer die Besucher bewirtet.
Von Meran und Modena bis nach Stuttgart
Aber in Meran und Modena ist er auch mit Ständen auf den Weihnachtsmärkten vertreten, das deftige Käsegericht gibt es bei ihm auch in Südtirol, im südlicher gelegenen Modena dagegen Waffeln und Pfannkuchen. „Ich brauche etwas Besonderes, das noch keiner hat“, dachte er sich und war ziemlich überrascht, dass es gleich beim ersten Mal klappte. Für Stuttgart mietete der 26-Jährige ein uriges Holzhäuschen aus Bayern, Mannis Raclette Hütte heißt sie nach einem verstorbenen Freund. Raclette Röstinchen (8 Euro) ist seine Spezialität, bei der der Käse auf Kartoffelrösti und Südtiroler Speck gegossen wird.
„In Stuttgart gibt es zu wenig Kuchen“: Magnus Stegmaier bringt Süßes in die Landeshauptstadt. Foto: Kathrin Haasis
Vom Albdorf auf dem Wasen hat es noch ein zweiter Betrieb neu auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt geschafft: der Hofladen Hermannsfeld mit seinen überdimensionierten Kuchen. In Ludwigsburg und Schwäbisch Gmünd sind sie auf den Weihnachtsmärkten längst zu haben. Der Saison wird die Landbäckerei mit Christstollen, Lebkuchen und Früchtebrot gerecht. Aber die Besucher haben hauptsächlich auf die nach Sommerurlaub klingende Tiramisu-Torte Appetit, verrät Magnus Stegmaier, der für den Aalener Betrieb die dreieinhalb Wochen auf dem Schillerplatz managt.
Mehr für die Kuchenliebhaber
Am Samstag war sie um 16 Uhr aufgegessen.„Uns wurde schon oft gesagt, dass es in Stuttgart zu wenig Kuchen und vor allem nicht so große gibt“, erzählt er. Käsekuchen ohne oder mit Früchten wie Blaubeere und Träuble gehe ebenfalls gut. Schwarzwälder Kirschtorte, Apfel-Schmand-Kuchen und einen Bienenstich hat er unter anderem im Angebot, ein Stück für vier oder fünf Euro. Von der Größe her reicht eine Portion für zwei „oder den großen Hunger“, sagt der 30-Jährige. Der „große Ansturm“ findet bei ihm zur Kaffee-und-Kuchen-Zeit statt, am Wochenende musste Kuchen aus Hermannsfeld nachgeholt werden.
„Wir haben ein richtig geiles Produkt, das wir den Stuttgartern nicht vorenthalten wollten“, ist Jan Mink überzeugt. Der Hotelfachmann ist der Geschäftsführer der Gastronomie im Schloss Solitude, die sein Vater Jörg Mink seit 2008 gepachtet hat. Vor seinen Gästen flambiert der 30-Jährige bei Löffelglück an der Ecke zwischen Marktplatz und Hirschstraße seine Crème brûlée oder den Apple Crumble mit Matcha-Baiser. „Es ist ein Hingucker“, freut er sich. Selbst gekochtes Apfelkompott mit Nelke, Sternanis und Zimt serviert er zu den Streuseln und Toppings wie Baiser oder Vanillesoße (ab sechs Euro). Das Rezept für den Milchreis stammt laut seinem Vater tatsächlich von der Oma, gekocht wird alles im Schloss.
Spezieller Vibe auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt
Das schönste Erlebnis für ihn ist, wenn die Gäste nach dem Probieren strahlen und einen Becher kaufen. Die lockere Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt und „der spezielle Vibe“ gefallen dem Stuttgarter Gastronomen, mehrmals hat er schon eine Bewerbung abgegeben. Dass seine Idee ankam, dafür ist Jan Mink dankbar. „Wir genießen die Zeit, es macht sehr viel Spaß“, sagt er, „und wir hoffen, dass wir ins Schwarze getroffen haben.“
Suppen aus dem Brotlaib: Gabriele und Lugana Reinhardt Foto: Kathrin Haasis
Für Lugana Reinhardt werden während des Weihnachtsmarktes spezielle Brötchen gebacken: Einen doppelten Boden haben die kleinen Laibe, damit sie dicht bleiben. Erst werden sie ausgehöhlt, danach mit Gulaschsuppe, Linseneintopf oder veganem Linsencurry gefüllt. Der Schwiegersohn der Schaustellerin lockt im nordrhein-westfälischen Oberhausen damit die Massen an, kürzlich expandierte er nach Berlin.
Für die gebürtige Ulmerin lag es deshalb nahe, das Gericht nach Stuttgart zu bringen. Am Schlossplatz baute sie ihre kleine Hütte auf, wegen einer Absage konnte sie kurzfristig einspringen. Mit ihrer Tochter Gabriele gibt sie die Suppen aus, neun Euro kostet eine Portion. Der Anfang sei zwar schleppend verlaufen, berichtet die 57-Jährige, der Standort nicht einfach: „Aber ich glaube an unsere Idee, ansonsten gibt es auf Weihnachtsmärkten immer nur Pommes und Würste.“