Leerstände in Esslingen Von der Kunst, die Innenstadt zu beleben

Die meisten Eigentümer hoffen, ihre freien Flächen schnell wieder vermieten zu können. Ihr Interesse an einer Zwischennutzung ist gering, sagt das Citymanagement. Foto: Roberto Bulgrin

Trotz Corona gibt es in Esslingen derzeit keine Leerstände, die sich für eine kreative Zwischennutzung eignen, sagen die Stadtvermarkter. Das haben sie jetzt auch dem Verwaltungsausschuss mitgeteilt.

Von Claudia Bitzer

Esslingen - Anlass für die ausführliche Vorlage von Michael Metzler, Geschäftsführer der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST)), und Citymanager Thomas Müller war der Antrag der CDU, leer stehende Ladenflächen zu günstigen Konditionen und mit kurzer Kündigungsfrist anzumieten, um sie Kleinkünstlern, Musikern, Autoren und bildenden Künstlern vorübergehend zur Verfügung zu stellen. Und verhängte und triste Schaufenster verwaister Läden mit deren Exponaten aufzuwerten. Die CDU wollte ihren Antrag als Beitrag zur Belebung der Innenstadt und des notwendigen Transformationsprozesses sowie der Kulturförderung verstanden wissen.

 

Es fehlt nicht an der Nachfrage ...

Wie bereits berichtet, sehen Stadtmarketing und Citymanagement derzeit aber kaum Leerstände, die dafür in Frage kämen. Ausführlich haben sie zusammengestellt, dass die Anzahl verwaister Geschäfte – trotz Corona – seit Anfang 2020 stetig zurückgegangen sei und sich derzeit bei rund acht Prozent der innenstadtrelevanten Flächen bewege. Die Läden darunter, die schon seit langem nicht mehr bespielt werden, seien durch besondere Schwierigkeiten wie etwa überhöhte Mietforderungen, Desinteresse der Vermieter oder Sanierungsstau gekennzeichnet. Derzeit habe das Citymanagement eher das Problem, die Nachfrage potenzieller Mieter nach Räumen in der Innenstadt nicht befriedigen zu können. Die früher oft gescholtene Kleinteiligkeit der City treffe auf ein verstärktes Interesse gerade an Räumen bis zu einer Größe von 150 Quadratmetern.

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Die Versuche der EST, dank des Unterstützungsfonds Anfang 2021 die Schaufenster von Leerständen attraktiver zu machen oder die Zwischennutzung der freien Flächen durch Kunstschaffende oder Start-Ups zu ermöglichen, haben bislang noch keine konkreten Früchte getragen. Die EST sieht einen Grund dafür in der Tatsache, dass die Nachfrage dauerhafter Mietinteressenten nach wie vor da sei und das Interesse der Immobilienbesitzer an einer Zwischennutzung mehr als bescheiden – und wohl auch rechtlich nicht ganz einfach – sei.

... aber am Angebot

In der Vorlage wurde aber auch deutlich, dass die Kunstschaffenden durchaus Interesse an solchen Möglichkeiten hätten und dass auch das Kulturamt Ideen zu Zwischennutzungen hat. Man befinde sich in regelmäßigem Austausch, heißt es dort weiter. Viel Konkreteres als der Vorsatz, auch im Jahr 2022 den öffentlichen Raum verstärkt zu bespielen, scheint dabei allerdings nicht herausgekommen zu sein.

Das ließ bei der CDU aber doch noch eine Frage offen: Warum habe die EST den heimatlos gewordenen Weihnachtsmarktbeschickern dann ein vorübergehendes Dach über dem Kopf in leer stehenden Läden angeboten, wenn man gar keine Leerstände dafür habe, fragte sich nicht nur Jörn Lingnau. Metzler zufolge habe man aus den Erfahrungen des Vorjahrs schon gewusst, dass so ein Angebot nur für ein oder zwei Händler tatsächlich attraktiv sei. Zudem habe man eigentlich vorgehabt, auf einer größeren Ladenfläche mehrere Beschicker unterbringen zu können. Das sei gescheitert – nicht am Besitzer der Immobilie, aber an der fehlenden Resonanz der potenziellen Nutzerinnen und Nutzer.

SPD fragt nach Außengastro

Der SPD-Stadtrat Andreas Koch nutzte die Gelegenheit, die Verwaltung nach der Außengastronomie zu fragen. Am Hafenmarkt und in der Bahnhofstraße sei sie nach wie vor möglich, am Marktplatz und am Rathausplatz aber offenbar nicht? Mit dem Thema Gestaltungsrichtlinien werde man sich im ersten Quartal des neuen Jahres ausführlich beschäftigen, antwortete Ordnungsbürgermeister Yalcin Bayraktar. Carmen Tittel (Grüne) erinnerte daran, dass es von zwei Fraktionen – darunter auch der ihrigen – entsprechende Haushaltsanträge gebe, den Gastronomen so weit wie möglich entgegenzukommen. „Aber das muss schneller gehen“, mahnte SPD-Stadträtin Christa Müller an. Die Wirte seien jetzt in Not. „Das Thema ist von uns erkannt“, antwortete Oberbürgermeister Matthias Klopfer, man werde prüfen, ob es nicht eine schnelle, pragmatische Lösung gebe. Warum nicht auch den Wirten auf dem Markt- und Rathausplatz grünes Licht für Tische im Freien geben? Da man den Mittelalter- und Weihnachtsmarkt habe absagen müssen, hätten sie ja jetzt auch den notwendigen Platz dafür.

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