Freiwillige des Bikesportvereins Leinfelden, Forstmitarbeiter sowie Mitarbeiter der Firma Tracks and Trails aus Trier haben die geplanten Strecken von Ästen befreit. Foto: /Philipp Braitinger
Die Arbeiten zum Bau zweier legaler Mountainbiketrails durch den Stadtwald von Leinfelden-Echterdingen hinunter ins Siebenmühlental haben begonnen. Die künftigen Trails sollen „SpätzLE“ und „FlädLE“ heißen.
Philipp Braitinger
04.06.2024 - 15:53 Uhr
Spätzle oder Flädle? Diese Frage können sich Mountainbiker in einigen Monaten im Wald westlich von Stetten stellen. Zu essen gibt es dort allerdings nichts. Vielmehr heißen die beiden ersten offiziellen Mountainbiketrails in Leinfelden-Echterdingen „SpätzLE-Trail“ und „FlädLE-Trail“. Am Dienstag begannen Freiwillige des Bikesportvereins Leinfelden, Forstmitarbeiter sowie Mitarbeiter der trierer Firma Tracks and Trails mit dem Bau.
„Es ist viel Handarbeit“, sagt Stefan Schüfer vom Bikesportverein. Schwere Maschinen sollen im dichten Wald nicht zum Einsatz kommen. Stattdessen ist Muskelkraft gefragt. Mit Schaufeln, Sägen und Rechen machten sich die Arbeiter auf den Weg durch das Gestrüpp. Zunächst müssen die Routen von herumliegenden Ästen und Laub befreit werden. Anschließend wird an einigen Stellen Erde zum Formen der Strecke dienen. Einbauten mit herbei geschafftem Material sollen nicht benützt werden. Die neuen Trails werden naturnah angelegt.
Foto: dpa/Philipp von Ditfurth
Wann die Strecken fertig sind, ist noch ungewiss. „So schnell wie möglich“, sagt Schüfer. Allerdings wird ein großer Teil der Arbeiten von Freiwilligen erledigt. Ein fixer Termin für die Fertigstellung gibt es daher nicht. Die ehrenamtliche Arbeit schont die Kosten, die sich auf wenige tausend Euro beschränken, und erhöht die Akzeptanz der Strecken. Die Nutzer bauen ihren Trail selbst, sodass sie ihn später auch gerne befahren.
Bis zum Baubeginn mussten viele, sprichwörtlich dicke Bretter gebohrt werden. Daran erinnerte die Leiterin des Amts für Immobilien, Anja Schubert. Vier Jahre habe es gedauert. „Jetzt geht es endlich los“, freute sie sich während des Auftakts zu den Bauarbeiten. Wichtig ist der Stadt, dass die offiziellen Trails gut angenommen und von allen Nutzern im Wald akzeptiert werden. In einer Arbeitsgemeinschaft fanden sich Mountainbiker, Naturschützer, Jäger, Forstarbeiter, der Schwäbische Albverein und Mitarbeiter der Stadtverwaltung zusammen. Sie haben gemeinsam nach Lösungen gesucht. Begleitet werden sie von Friederike Gaß von der Firma Tourkonzept aus Schonach im Schwarzwald.
In der Vergangenheit gab es einige Konflikte
Dass der Prozess mehrere Jahre gedauert hat, sei nicht ungewöhnlich, erklärt Gaß. „Alle mussten einen Schritt aufeinander zugehen“, berichtet sie. Mit der Zeit sei das gegenseitige Verständnis gewachsen. Das Zwischenmenschliche war aber nicht das einzige, das Zeit benötigte. Darüber hinaus sei das Verfahren kompliziert. „Es gibt wenige Flächen, wo es geht“, sagt Gaß. So muss der Wald in kommunaler Hand sein. Auf manchen Flächen sind Trails nicht erlaubt, weil dort der Umweltschutz wichtiger ist.
Andere Flächen dienen vielleicht eher der Jagd. Und wieder andere, vorhandene Singletrails sind Wanderwege, auf denen es kaum Platz für Begegnungen zwischen Fußgängern und Radfahrern gibt. Die inoffiziellen Strecken im Wald bei Stetten, von denen es etwa zehn gibt, sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Konflikte zwischen den unterschiedlichen Nutzern. „Es gab Probleme im Wald“, bringt es Gaß auf den Punkt. Mit den offiziellen Trails wird nun das Ziel verfolgt, die nicht offiziellen Strecken und damit auch die Konflikte zu verringern. Mit dem Bau des SpätzLE- und FlädLE-Trails werden vorhandene, aber nicht offizielle Strecken zurückgebaut.
„Das ist ein super Ergebnis, das wir hier haben“, betont Gaß. Ob die Idee aufgeht, wird mithilfe versteckter magnetischer Zählvorrichtungen überprüft. Die Zähler sind bereits im Wald angebracht und zeigen, wie die vorhandenen Strecken derzeit genutzt werden. Mit der Fertigstellung der offiziellen Trails wird dann nachvollzogen, wie sich die Bewegungen im Wald verändern. Dass mit dem Angebot offizieller Strecken die Nutzung von nicht offiziellen Wegen weniger wird, das sei in der Vergangenheit an anderen Orten zu beobachten gewesen, betont Friederike Gaß.
„Wir wollen natur- und sozialverträglich agieren“, ergänzt Schüfer. Wichtig ist beiden, dass die Arbeitsgemeinschaft bestehen bleibt. Regelmäßig sollen die Erfahrungen nach der Eröffnung der Trails ausgetauscht werden. Sollte das Projekt erfolgreich sein, also die Nutzung der nicht offiziellen Trails weniger werden, könnten womöglich weitere offizielle Strecken angelegt werden.
Mitten durch den Stadtwald
Rechtliches Normalerweise ist das Fahrradfahren im Wald nur auf Wegen erlaubt, die breiter als zwei Meter sind. Für die Trails mussten Ausnahmegenehmigungen erteilt werden. Die Genehmigung ist auf fünf Jahre befristet. Die Strecken führen durch Stadtwald. Für die Kontrolle und Instandhaltung der Strecke ist der Bikesportverein Leinfelden mit seinen Trailpaten verantwortlich.
Schilder Die beiden Trails verlaufen über jeweils rund einen Kilometer durch den Wald westlich von Stetten hinab ins Siebenmühlen-Tal. Fußgänger werden mit Schildern darauf hingewiesen, dass sie die Trails nicht nutzen sollten. Wer die Schilder ignoriert, riskiert eine Kollision. Auf Kreuzungen mit anderen Wegen sind die Fahrradfahrer angehalten, vorsichtig zu fahren.