Legoland Billund Ungleichheit im Kinderparadies

Familien auf der Zielgeraden: Der Eingangsbereich des Legoland Billund bei der Lego-Manufaktur in Dänemark. Foto: IMAGO/Marc Schüler

In einer ‚Fast Lane’ schneller zu Attraktionen – wer mehr bezahlt, muss nicht anstehen. Diese Praxis im Legoland Billund in Dänemark spaltet derzeit das Land. Das Thema wird zum Politikum.

Legoland , der Traum vieler Kinder, der Albtraum vieler einkommensschwacher Eltern, ist zu einem Politikum in Dänemark geworden.

 

Der schwerwiegende Vorwurf gegen den Vergnügungspark in Billund: Diskriminierung von Kindern. Denn dort gibt es eine Regelung, die Personen bei einem Aufpreis einen schnelleren Zugang zu den Attraktionen bietet, sie müssen sich somit nicht in die langen Warteschlangen einreihen.

Dies scheint derzeit die Nation zu teilen und Kontrahenten und Befürworter der Regelung liefere sich seit Tagen heftige Auseinandersetzung, dazu gehören auch Politiker.

„Weil wir mehr Geld haben“

„So lehrt man Kindern reicher Eltern, dass sie im Vergleich zu anderen besondere Privilegien verdienen und so untergräbt man eine der besten Gesellschaften der Welt.“ so Pelle Dragsted, der Sprecher der „Einheitsliste“, einer rotgrünen Partei in Dänemark. Laut Sofie Moesgaard, Mitglied der bürgerlichen Regierungspartei „Venstre“, ist jedoch „Ungleichheit eine Grundbedingung im Leben. Auch in Dänemark.“ Es könne nicht sein, dass jedes Kind das gleiche Erlebnis bekomme, sagte die Politikerin in einer Diskussion im öffentlich-rechtlichen „Danmarks Radio“. Mitdiskutiert hat im Rundfunk auch Ronni Lundegaard. Der 44-jährige Familienvater löste den akuten Wirbel aus.

Er erlebte im vergangenen Sommer wie eine Familie, welche die „Reserve and Ride“-Eintrittskarte gelöst hatten, die Schlange umging. Und er hörte, wie der andere Familienvater seinen Kindern diesen Umstand laut mit dem Satz „Weil wir mehr Geld haben als die anderen“ erklärte.

Lundegaard hatte nun Schwierigkeiten seinen sechs und acht Jahre alten Kindern, welche bislang 45 Minuten gewartet hatten, diese Situation zu erläutern und er sah dänische Werte verletzt.

Nachdem er in seinem Bekanntenkreis von ähnlichen Erfahrungen gehört hatte, schrieb er Kommentare in Sozialen Medien, die Geschichte ging viral, er war im Fernsehen und wurde von der Presse interviewt.

Der Schwarze Peter wird den ausländischen Gästen zugeschoben

„Wir sollten nicht akzeptieren, dass es in einem Land wie unserem einen so offensichtlichen Unterschied zwischen Kindern gibt“ meinte Lundegaard, der als Catering-Unternehmer keinesfalls im Verdacht steht, ein Linker zu sein.

Doch der Kopenhagener berührt einen Nerv in dem skandinavischen Land – das stark verankerte Bewusstsein für Kinderrechte und die Idee des Gemeinschaftsgefühls, bei dem es keine Ausgeschlossene geben darf. Zu Kindergeburtstagen etwa muss stets die ganze Klasse eingeladen werden.

Legoland, dessen Ruhm auf den bunten Plastikbausteinen und Kinderbegeisterung fußt, kann natürlich den Vorwurf, die Kleinen unglücklich zu machen oder „undänisch“ zu sein, nicht so stehen lassen. Christian Woller, Direktor des Freizeitparks in Billund, erklärte gegenüber dem Sender TV2, dass sich das Angebot mit dem Schnellzugang insbesondere an ausländische Gäste richte, welche wenig Zeit hätten.

So versuchte er, den „Fremden“ den Schwarzen Peter zuzuschanzen, eine bewährte Strategie in dem Land, das eine harte Migrationspolitik fährt. Zudem biete der Park an einem Tag den kostenlosen Zugang für Familien aus prekären Verhältnissen. Der teure Schnellzugang ist eigentlich nichts Neues, seit 2011 gibt es das Angebot, welches laut Unternehmen nur ein Prozent der Besucher nutzten, umgerechnet kann es bis zu über 100 Euro extra pro Person kosten.

Legoland-Parks gibt es weltweit. Doch das Original „Legoland Billund“, 1968 neben der Manufaktur erstellt, ist das Ziel der dänischen Familien und Wertvorstellungen.

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