Eine unabhängige Evaluation des vielfach kritisierten Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL), die sich ausschließlich auf externe Sachverständige stützt, wird es nicht geben. Das hat Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) in der Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion mitgeteilt. Ihr Haus habe bereits „einen Analyse- und Evaluationsprozess des Qualitätskonzepts eingeleitet“ bei dem interne und externe Experten sowie der wissenschaftliche Beirat einbezogen seien. „Dem Ergebnis dieses Prozesses kann nicht vorgegriffen werden“, heißt es in dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt.
Diese Absage wird nicht nur von den Liberalen, sondern auch von mehreren Lehrerverbänden mit Unverständnis und Enttäuschung quittiert. Der Philologen-, der Realschul- und der Berufsschullehrerverband hatten dem vor drei Jahren bei einer Reform neu entstandenen Lehrerbildungsinstitut Ende Februar mangelnde Leistungsfähigkeit, überbordende Bürokratie und fehlendes Personal attestiert.
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„Angst vor unangenehmen Ergebnissen“
Dass die Forderung nach einer unabhängigen Überprüfung im Haus von Kultusministerin Theresa Schopper auf taube Ohren stößt, kritisiert nicht nur der bildungspolitische Sprecher der Landtags-Liberalen Timm Kern scharf. Ihm geht gegen den Strich, dass das Ministerium „kaum eine Frage inhaltlich umfassend beantwortet“ hat. „Am gravierendsten ist für mich, dass die von den drei Lehrerverbänden geforderte unabhängige, externe Evaluation nicht umgesetzt wird“, moniert der FDP-Bildungsexperte. Offensichtlich gebe es „an der Hausspitze Sorge vor unangenehmen Ergebnissen einer unabhängigen Untersuchung“, schließt er daraus. Er fürchtet, dass die Kultusministerin die Probleme des ZSL gar nicht anpacken wird – „zulasten der Lehrkräfte, der ZSL-Beschäftigten und der Schülerschaft“.
Thomas Speck, Vorsitzender des Berufsschullehrerverbands, erkennt an, dass es im Ministerium überhaupt die Bereitschaft zu einer Evaluation gibt. Dass der wissenschaftliche Beirat einbezogen werde, findet er nachvollziehbar. „Es fehlt aber ein wirklich externer Partner“, betont er. Von den Antworten auf die FDP-Anfrage fühlt er sich eher abgespeist als erhellt. „ Einige unserer Hinweise scheinen nicht ernst genommen oder gar ignoriert zu werden. Es stellt sich die Frage, inwieweit das Kultusministerium über die Vorgänge im ZSL informiert ist und seine Steuerungskompetenz gegenüber dem ZSL wahrnehmen kann.“
Verbände fühlen sich nicht ernst genommen
Besonders verärgert ist Speck, dass die Klagen über die Überlastung der Mitarbeiter und den Personalmangel nicht ernstgenommen worden sind. „Hierzu gibt es in der Stellungnahme keinerlei Aussage.“ Die hohe Zahl offener Stellen beim ZSL erklärt das Ministerium im wesentlichen mit der natürlichen Fluktuation, Notwendigkeiten zum Nachsteuern werden nicht eingeräumt.„Es scheint, das Kultusministerium hat nur wenig Einblick in die inneren Abläufe des ZSL und nimmt die große Belastung, oft Überlastung, der dort Beschäftigten nicht wahr“, erklärt Karin Brozat, Chefin des Realschullehrerverbands. „Den Verantwortlichen sollte klar sein, dass durch die Überkomplexität der Behörde und die von Anfang an zu geringe Ausstattung, im Schulbereich dringend benötigte Personalressourcen an das ZSL abwandern.“ Die Unzufriedenheit sei deshalb groß. Auch Philologen-Chef Ralf Scholl ist unzufrieden. „Nach nunmehr drei Jahren sollte gegebenenfalls, auch ohne das Urteil externer Expertinnen und Experten abwarten zu müssen, wenigstens eine Tendenzaussage zur Wirksamkeit der umfangreichsten Strukturreform seit Jahrzehnten getroffen werden können“, kritisiert er.