Lehrermangel im Südwesten Eltern warnen vor massiven Unterrichtsausfällen

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Eltern- und Lehrervertreter befürchten, dass es im neuen Schuljahr zu Unterrichtsaufällen „in großem Umfang“ kommt. Allein an den Berufschulen im Land fehlten Hunderte Stellen. Unterstützung gibt es von Seiten der Wirtschaft.

Grundschulen könnten besonders vom Unterrichtsausfall betroffen sein. Foto: dpa
Grundschulen könnten besonders vom Unterrichtsausfall betroffen sein. Foto: dpa

Stuttgart - Der Landeselternbeirat (LEB) und der Berufsschullehrerverband (BLV) befürchten im kommenden Schuljahr massive Unterrichtsausfälle. Carsten Rees, der Vorsitzende des LEB, befürchtet „Ausfälle im Pflichtbereich im großen Umfang“, und erwartet besonders große Defizite bei den Grundschulen. Rees rief Eltern aller Schularten dazu auf, bei Unterrichtsausfällen Protestschreiben an die Schulverwaltung und das Kultusministerium zu richten. Der Landesregierung warf Rees bei der Lehrerausbildung „desaströse Fehlplanungen bei der Studienplatzentwicklung vor“, das sei seit mehr als zehn Jahren ein Problem.

Der BLV-Vorsitzende Herbert Huber fordert 1480 neue Stellen an den Beruflichen Schulen des Landes. Damit könnten unter anderem der Berufsschulunterricht ausgeweitet, Flüchtlinge besser betreut und das Unterrichtsdefizit beseitigt werden. Auch für die Eingangsklassen der beruflichen Gymnasien sieht Huber zusätzlichen Lehrerbedarf. Die Schülerschaft werde immer heterogener und brauche mehr Förderung.

In diesem Schuljahr treten laut Huber 920 neue Lehrkräfte ihren Dienst an den 300 beruflichen Schulen an, 227 Stellen, die in der Bedarfsplanung des Kultusministeriums enthalten waren, blieben unbesetzt. Zudem seien 210 Stellen gestrichen worden. Die Schulen gingen mit einem Defizit von 437 Stellen in das neue Schuljahr. Eine schlechtere Unterrichtsversorgung an beruflichen Schulen hat Huber zufolge „fatale Auswirkungen“ auf die Fachkräfteversorgung und die Integration der Zugewanderten. Huber warnte, „der Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ist in Gefahr“.

Wirtschaftsvertreter kritisieren Ausbildungsqualität

Die Wirtschaft unterstützt die Forderungen der Berufsschullehrer. Schon jetzt sei das Unterrichtsdefizit viel zu hoch, klagt Andreas Richter, der Hauptgeschäftsführer beim Industrie- und Handelskammertag (BWIHK). Der Landkreistag erwartet, dass das Land bei den Beratungen des Doppelhaushalt 2018/19 ein besonderes Augenmerk auf die Versorgung der beruflichen Schulen legt. Der Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold sagte, „die Ausbildungsqualität leidet unter den zögerlichen Lehrereinstellungen der Vergangenheit“. Er trat für eine nachhaltige Strategie zur Lehrergewinnung ein. An den beruflichen Voll- und Teilzeitschulen werden in diesem Schuljahr wieder wie ein Jahr zuvor rund 300 000 Schüler erwartet.

„Mit großer Sorge“ sehen die Eltern die Entwicklung des gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht behinderten Kindern. „Die Umsetzung der Inklusion droht zu scheitern“, sagte Friedrich Behrens vom LEB. Er befürchtet, das könnte politisch gewollt sein um den Wunsch nach Inklusion zu dämpfen. Die Gemeinschaftsschulen sehen die Eltern stiefmütterlich behandelt. Sie wünschen sich, dass Gemeinschaftsschüler nach der mittleren Reife auch auf allgemein bildende Gymnasien wechseln können.

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