Lehrerversorgung im Kreis Göppingen Langer Zügel statt des Maulkorbs

Eine sechse Klasse des Göppinger Freihofgymnasiums wird mit dem Whiteboard unterrichtet. Mit moderner Technik sind die Schulen im Kreis längst ganz ordentlich ausgestattet, doch bei der Lehrerversorgung hapert es mitunter. Foto: dpa
Eine sechse Klasse des Göppinger Freihofgymnasiums wird mit dem Whiteboard unterrichtet. Mit moderner Technik sind die Schulen im Kreis längst ganz ordentlich ausgestattet, doch bei der Lehrerversorgung hapert es mitunter. Foto: dpa

Der Streit um einen angeblichen Maulkorb für die Rektoren im Kreis beendet. Ministerium und Schulamt geben den Schulleitern jetzt freie Hand bei Auskünften.

Region: Corinna Meinke (com)
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Göppingen - Wende im Streit über eine angebliche Maulkorbverordnung: „Schulleitern ist es selbstverständlich jederzeit möglich, Landtagsabgeordneten oder der Presse Auskünfte zu erteilen“, sagt Christoph Schüly, der Sprecher des Kultusministeriums. Die grün-rote Landesregierung setze auf eine Kultur der Transparenz und des Dialogs. Mit dieser Stellungnahme reagiert das Ministerium auf einen Streit über die Weigerung von Schulrektoren, Auskünfte über die Lehrer- und Unterrichtsversorgung zu geben. Sie beriefen sich auf eine Anordnung des Ministeriums. Auch Hans-Jörg Polzer, der Leiter des Staatlichen Schulamtes in Göppingen, rudert zurück.

Birk geht auf die Barrikaden

Ausgelöst hatte den Streit Dietrich Birk. Der Göppinger CDU-Landtagsabgeordneten hatte die Schulen zu Beginn des Schuljahres um die fraglichen Auskünfte gebeten, weil mehrere Klassen noch in der zweiten Schulwoche keine Klassenlehrer und sich Wut und Enttäuschung von Eltern und Kindern bis zu Birk herumgesprochen hatten. Viele Schulleiter lieferten dem Abgeordneten zwar die gewünschten Informationen, gleichzeitig wurde Birk aber auch eine Mail zugespielt, in der der stellvertretende Schulamtsleiter Rainer Kollmer die Rektoren aufforderte, „die Anfrage nicht individuell zu beantworten. Eine detaillierte Beantwortung von Ihrer Seite ist nicht möglich“. Die Rektoren sollten Birk an das Kultusministerium verweisen. Birk sprach daraufhin von einem skandalösen Vorgehen der Landesregierung und einem vom Regierungspräsidium Stuttgart verfügten Maulkorb.

„In der Wirtschaft wäre so etwas undenkbar“, kommentiert Klaus Bühler, der Geschäftsführende Göppinger Schulleiter, den holprigen Start in das neue Schuljahr und damit den Anlass des Streits. Besonders geärgert hat ihn, dass die Lehrerverteilung diesmal noch schleppender verlaufen sei als bisher und die Entscheidungsträger in Regierungspräsidium und Ministe-rium Mitte August nicht erreichbar gewesen seien. Weil Bühler nicht wusste, welche neuen Lehrer mit welchen Profilen an seine Schule kommen würden, blieb sein Kollegium lange im Unklaren über den Stundenplan. Normalerweise bereiten sich die Lehrer in den letzten Ferienwochen auf das Schuljahr vor und stimmen sich ab.

„Klagen der Rektoren sind unprofessionell“

Im Gegensatz zu einem anderen Kollegen, der nach der Mail der Schulamts auch keine Presseauskünfte mehr geben wollte, nimmt Bühler kein Blatt vor den Mund. „Ich vertrete meine Schule nach außen“, sagt er selbstbewusst. Das stehe dem Rektor nach dem Schulgesetz auch zu, sagt Hans-Jörg Polzer. Mit der Stellungnahme des Ministerium ist für ihn die Sache erledigt, die Rektoren draußen wüssten schon Bescheid. Die Klage der Schulleiter über die Lehrerversorgung bezeichnet Polzer übrigens als unprofessionell. Die Kollegen wüssten um die Prozesse und zeitlichen Abläufe des Einstellungsverfahrens.

Ob die ganze Aufregung überhaupt den Titel Maulkorb verdient, stellt Peter Hofelich in Frage. Für den SPD-Landtagsabgeordneten aus dem Kreis ist die Formulierung zu hoch gehängt, der Begriff stamme wohl doch eher aus der Zeit der Vorgängerregierung, behauptet er.




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