Besser, aber immer noch mit Lücken – so beschreibt der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Gerhard Brand die Lehrerversorgung in Baden-Württemberg im laufenden Schuljahr. Er stützt sich dabei auf eine Umfrage Ende September, an der sich mehr als tausend Schulleiter aus Grund-, Förder- und weiterführenden Schulen (außer Gymnasien) beteiligt haben.
Dabei konstatierten dreißig Prozent der Befragten eine Vollversorgung mit Lehrkräften. Allerdings habe dennoch jede vierte Schule Personallücken von mehr als zehn Prozent. Das belegt in den Augen von VBE-Chef Brand, wie dünn die Personaldecke insgesamt immer noch ist. Trotzdem geht er, wie auch Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) beim Schuljahresauftakt Anfang September, von einer besseren Unterrichtsversorgung als in den Vorjahren aus. Die Umfrage sei nicht repräsentativ, erklärt Brand. Er nehme an, dass eher Schulen mit Personalproblemen sich daran beteiligt hätten, während die große Mehrheit der Schulen ohne Lehrermangel keine Rückmeldung abgegeben habe.
Die Misere wird seit Jahren immer größer
Die im Schnitt bessere Unterrichtsversorgung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ärgste Personalnot an den Förderschulen im Land sich noch einmal verschärft hat. Nur drei Prozent der befragten Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (so der offizielle Name der Förderschulen), gaben bei der Umfrage eine Vollversorgung mit Lehrkräften an. Bei den Grundschulen waren es vierzig Prozent.
Die Misere spitzt sich seit Jahren zu. Auch Ministerin Schopper räumte zum Schulstart ein, dass an den Förderschulen nur die Betreuungsangebote aufrecht erhalten würden, dass es wegen des Mangels an Sonderpädagogen jedoch zu Unterrichtsausfällen kommen werde.
Zerrissen im Spagat zwischen Inklusion und Förderschule
Jetzt erklärten laut der VBE-Umfrage fast die Hälfte der befragten Schulen (47 Prozent), dass ihnen 20 bis 40 Prozent des Lehrpersonals fehlten. Das ist laut Gerhard Brand noch einmal eine zehnprozentige Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr. Dabei setze etwa jeder zehnte befragte SBBZ-Rektor wegen des Fachkräftemangels schon mehr als vierzig Prozent Unterrichtende ohne originäre Lehrerausbildung ein, damit die Lücken nicht noch größer ausfallen. Das erhöht laut Brand die Arbeitsbelastung der Kollegien ebenso wie die wachsende Zahl von Abordnungen von Lehrern an Regelschulen. In diesem Spagat zerrissen sich die Förderschulen geradezu zwischen dem eigenen Betrieb und dem Bedienen der Inklusion. In Baden-Württemberg gibt es 64 000 Schüler mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung. 9000 werden an einer Regelschule inklusiv unterrichtet; 55 000 Schüler besuchen eine Förderschule. Laut Brand ist „Inklusion politisch das gewünschte Kind. Dort ist die Ausstattung besser“.