Schulleiter und Eltern übten Kritik an Kompass 4
Nach den ersten Auswertungen hatten viele Schulleiter und Eltern massive Kritik geübt. Vor allem Lehrkräfte hatten Kompass 4 kritisiert, wie eine Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ergab. Über 80 Prozent von 1131 befragten Lehrer hielten „Kompass 4“ für keine hilfreiche Unterstützung. Das Kultusministerium musste reagieren und will den Leistungstest zwar beibehalten, nun aber nachbessern. Etwas stimme nicht, wenn die pädagogische Gesamtwürdigung der Lehrkräfte und der „Kompass 4“-Test so stark auseinanderfielen, räumte Kultusministerin Theresa Schopper ein.
Schulrat mahnt zu Besonnenheit
Alexander Windt vom Staatlichen Schulamt Backnang, der dort als Schulrat für den Fachbereich Grundschule zuständig ist, kann die Aufregung dagegen nur bedingt verstehen und mahnt zu Besonnenheit: „Wir müssen uns natürlich das Instrument, also den Test, anschauen und gegebenenfalls nachbessern. Aber wir müssen uns auch fragen, ob wir ein generelles Matheproblem haben und warum es denn anscheinend nichts anderes Seligmachendes gibt, als aufs Gymnasium zu kommen.“ Es sei zu kurz gedacht sei, für die Misere nur das Prüfinstrument verantwortlich zu machen.
„Ich denke, da steckt auch ein gesellschaftliches Problem dahinter, dass da so ein fataler Druck bezüglich der weiterführenden Schulen aufgebaut wird. Nicht jedes Kind kann und muss die Leistung fürs Gymnasium bringen, da müssen wir unbedingt mehr Gelassenheit reinbringen“, sagt Windt. Die Zeit für den Test sei eventuell zwar zu knapp bemessen gewesen, aber dass die Leistungsanforderung und das sprachliche Verständnis zu hoch angesetzt gewesen seien, kann der Pädagoge nicht bestätigen. „Auf dem Gymnasium muss hohe Leistung erbracht werden, da ist die Sprache eben ein Zugang. Ohne diese Kompetenz werden die Kinder auf dem Gymnasium auch nicht glücklich.“
Durch das neue Verfahren gilt für die Grundschulempfehlung die Regelung ‚zwei aus drei’
Zur Erklärung: Durch das neue Aufnahmeverfahren für die weiterführende Schulen gilt die Regelung „zwei aus drei“. Der Elternwunsch plus entweder die pädagogische Gesamtwürdigung der Klassenkonferenz oder eben das Ergebnis aus „Kompass 4“ sind entscheidend. Heißt, wenn Kompass 4 in die Hose ging, aber Eltern und Lehrer der Meinung sind, dass das Kind aufs Gymnasium kann, ist die Sache geritzt und die Kompass-Ergebnisse tun nichts zur Sache. Wenn hingegen Kompass 4 nicht geklappt hat und auch die Lehrer nicht der Meinung sind, dass es aufs Gymnasium reicht, gibt es nur die Möglichkeit, an einem zentralen Gymnasium einen Potenzialtest zu machen und so noch den Zugang zu erhalten. „Ich weiß zwar nicht, wie der aussehen wird, aber eins ist sicher: Er wird schwierig sein und nur auf dem erweiterten Niveau abfragen“, sagt Windt.
Beatrix Kant vom Kreisvorstand der GEW hat eine klare Meinung dazu: „Wir fordern die Streichung von Kompass 4. Die Klassenlehrer kennen ihre Kinder am allerbesten und können die Eltern kompetent beraten. Durch einen zehnseitigen Test werden die Kinder unnötig belastet.“ Auch Markus Rapp von der GEW Rems-Murr sieht es mehr als skeptisch: „Er ist überflüssig und die Wiedereinführung einer verpflichtenden Grundschulempfehlung nicht zielführend. Anstatt den Zustrom zum Gymnasium durch unangemessene Überprüfungen zu reglementieren, wäre eine Schärfung der Profile, Stärken der Schularten und die Hervorhebung ihrer Vorzüge besser.“ Noch deutlicher wurde GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Ihr Appell an Kultusministerin Schopper: „Hören Sie auf tausende pädagogische Profis in Ihren Grundschulen, vertrauen Sie deren Kompetenz.“
Rektorin sieht Lehrkräfte in der Pflicht
Ganz anders positioniert sich eine Rektorin aus dem Rems-Murr-Kreis. „Kompass 4 ist nur ein Baustein. Wir Lehrer sind die Experten, aber er kann wichtige Hinweise geben. Wir müssen jetzt daraus lernen, die Ergebnisse und Schwierigkeiten in den Unterricht aufnehmen und Mathe als großes Themenfeld weiterentwickeln und verbessern, aber das Testinstrument an sich ist gut.“ Solche Dinge bräuchten Geduld und Zeit, sagt die Grundschulleiterin und sieht nun die Pädagogen in der Pflicht, Veränderungen im Unterricht vorzunehmen: „Wichtig ist es jetzt, ruhig zu bleiben und an den entsprechenden Stellschrauben zu drehen, denn Mathe fällt immer wieder negativ auf.“
Auch Dagmar Feuerstein von der Anne-Frank-Schule Fellbach hatte sich viel von Kompass 4 versprochen und findet das Format nach wie vor nicht grundsätzlich schlecht. „Das Instrument ist vom Grundgedanken her positiv“, sagt die Rektorin, „aber es war von zu vielen Emotionen begleitet und es wäre wünschenswert, den Prüfungszeitraum zu entzerren. Zudem müssen die Eltern künftig besser begleitet und informiert werden.“
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