Leichenfund in Sirnau War es Mord oder ein Streit mit tragischem Ende?

Der Angeklagte berichtet detailliert, was an Ostern passiert sein soll. Foto: /Ines Rudel

Im Prozess um den Fund einer Leiche in Sirnau berichtet der Angeklagte, wie das Opfer zu Tode gekommen ist. Ein Mörder sei er nicht, beteuert der Hotelchef. Seine Version der Ereignisse klingt ganz anders als die der Staatsanwaltschaft.

Dass der Angeklagte im Prozess um den Leichenfund in Sirnau in dubiose Geschäfte verstrickt ist, wurde auch am Montag nochmals deutlich. Wieder ging es im Stuttgarter Landgericht um Einnahmen, die dem Fiskus nicht gemeldet worden waren, außerdem soll sein Schwiegervater Spielautomaten manipuliert haben. Doch ist der 47 Jahre alte Hotelchef aus Stuttgart auch ein Mörder? Dies wird ihm zumindest vorgeworfen. Er soll einen Gast getötet haben, um an dessen Vermögen zu gelangen. Die Leiche des Mannes war am Ostermontag in einem Waldstück bei Esslingen gefunden worden. Nun berichtete der angeklagte Gastwirt, was aus seiner Sicht einen Tag zuvor, am Ostersonntag, geschehen sein soll.

 

Bei den Erklärungen, die der Hotelchef vor der 19. Großen Strafkammer abgab, war seine Anspannung deutlich zu spüren. Der 47-Jährige trug ein weißes Hemd, darüber einen dunklen Strickpullover. Immer wieder unterstrich er, wie schwierig die Lage für ihn gewesen sei. „Ich habe in diesem Moment alles verloren“, betonte der Angeklagte. Er sei kein Mörder. Zu diesem Zeitpunkt war die eigentliche Tat noch gar nicht Gesprächsthema. Woher er das Geld für die Goldbarren gehabt habe, die er knapp zwei Wochen vor der Tat gekauft hatte, wollten die Juristen wissen. Anders als bei der Polizei in Esslingen sagte der Gastwirt, dass er das Edelmetall mit eigenen Mitteln bezahlt habe. Von den 400 000 Euro in Bar, die das Opfer besessen haben soll, habe er erst nach dessen Tot erfahren.

Hotelier will keinen „Basar“

Er habe es nicht leicht gehabt mit dem 59-jährigen Gast, meinte der Angeklagte. Kennengelernt hätten sich die beiden Männer Ende März, als das spätere Opfer dauerhaft in das Hotel des Beschuldigten einziehen wollte. Zähe Verhandlungen seien es gewesen. Am Ende hätten sie sich darauf geeinigt, dass der 59-Jährige das billigste Zimmer bezieht, zunächst für ein Jahr. Die 6000 Euro Miete habe er im Voraus bezahlt.

Sein Langzeitgast sei sehr impulsiv gewesen, sagte der Hotelchef. Immer wieder sei es zwischen dem 59-Jährigen und anderen zu Streitigkeiten gekommen, teils lautstark und mit wüsten Beleidigungen. Außerdem habe er ohne Erlaubnis vor Ort kartonweise alte Kleider und Schuhe verkauft, die er im Lager des Hotels aufbewahrt habe. Weil der Gastwirt aber nicht wollte, dass sein Betrieb zum „Basar“ verkommt, habe er diese Deals verboten. Doch der 59-Jährige sei dieser Aufforderung nicht gefolgt. Der Hotelchef berichtete, dass immer wieder Menschen in das Stuttgarter Hotel kamen, um die Second-Hand-Ware zu kaufen.

Streit soll ausgeartet sein

An Ostersonntag sei es dann zu dem verhängnisvollen Streit gekommen. Nachdem der Hotelier erneut Kunden seines Gastes weggeschickt hatte, kam es im Lagerraum zu einem lautstarken Wortgefecht zwischen den beiden. Als der Hotelchef seinen Kontrahenten am Arm berührte, um sich an ihm vorbeizuschieben, verpasste ihm der 59-Jährige einen Schwinger gegen das Ohr, erinnert sich der Angeklagte. Dann sei er gegen einen Stapel Reifen gefallen und von dem rund 100 Kilogramm schweren Mann mit weiteren Schlägen malträtiert worden. „Ich musste mich aus dieser Situation befreien“, sagte der 47-Jährige, der eher von kleiner Körpergröße ist. „Ich hatte Angst“. In einem Regal habe er nach einem Gegenstand gesucht und etwas Eisernes zu fassen bekommen. Damit habe er zugeschlagen. Es sei eine Kettlebell-Hantel gewesen.

Der Hotelier berichtete, wie er sich habe befreien können, dass es ihm gelang, den 59-Jährigen in den Würgegriff zu nehmen und auf ihn einzuschlagen. Irgendwann habe er dann gemerkt, dass sich sein Kontrahent nicht mehr rege. „Ich habe gesehen, dass meine Hände voller Blut waren“, sagte er. Dann habe er realisiert, dass der 59-Jährige tot war. Auf die Frage, warum er nicht die Polizei verständigt habe, sagte er: „Ich dachte, dann muss ich wieder ins Gefängnis.“ Er war Anfang der 2000er Jahre bereits zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

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