Leichtathletik beim VfL Sindelfingen Irritationen nach Vereinswechsel von Luisa Herrfurth

Wirbel um Wechsel: Luisa Herrfurth will weiterhin in Sindelfingen trainieren. Foto: Eibner/Memmler

In der Leichtathletik-Abteilung des VfL Sindelfingen rumort es. Die Läuferin Luisa Herrfurth möchte trotz ihres Wechsel zum FC Astoria Walldorf weiterhin in Sindelfingen trainieren. Das Vorgehen stößt trotz ihrer Mitgliedschaft beim VfL auf Unverständnis – was wiederum den neuen Verein irritiert.

Was passiert, wenn man für einen anderen Verein aufläuft, aber weiterhin bei seinem ehemaligen Klub trainieren möchte, bei dem man noch Mitglied ist? Diese Frage beschäftigt derzeit die Leichtathletik-Abteilung des VfL Sindelfingen. Im Fokus steht der Wechsel von Luisa Herrfurth zum FC Astoria Walldorf. „Wir sind mit einer Anspruchshaltung konfrontiert worden, die wir so nicht gewöhnt sind“, berichtet VfL-Abteilungsleiter Jürgen Kohler.

 

Die 21-Jährige war im Zuge ihres Studiums von ihrem Heimatverein Walldorf vor zwei Jahren zum VfL Sindelfingen gewechselt. In dieser Zeit entwickelte sich das Talent weiter und gewann im September mit der 4x400-Meter-Staffel den deutschen Meistertitel. Doch seit diesem Jahr geht Herrfurth wieder für ihren alten Klub an den Start. Nun kommt jedoch der Haken: Sie will weiter die guten Trainingsbedingungen in Sindelfingen nutzen, um auf einem hohen Niveau trainieren zu können.

Doch genau um dieses Vorhaben ist nun ein heftiger Streit entbrannt. „Das ist ein einmaliger Vorgang“, schildert Kohler. „Die Athletin versucht, sich ein bisschen die Rosinen herauszupicken. Das funktioniert auf Dauer nicht.“ Dem langjährigen Chef der Sindelfinger Leichtathletik-Abteilung ist im Gespräch anzumerken, dass ihm dieser Vorgang zu schaffen macht. Schließlich kennt er es aus der Vergangenheit, dass bei einem Vereinswechsel der Sportler komplett zu seinem neuen Team geht und dort auch trainiert. „Wenn man wechselt, sollte man das auch konsequent machen.“

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Herrfurth weiterhin Vereinsmitglied beim VfL ist. „Sie leitet daraus ab, dass sie weiterhin Anrecht auf das volle Angebot hat“, erklärt Kohler. Das könne der Verein aber nicht leisten. „Wir werden unterstützt von Sponsoren. Diese erwarten, dass die Erfolge dann auch dem Verein zugerechnet werden.“

Doch es gibt auch einen anderen Blick auf die Dinge. Eine Person mit Kenntnis der Situation schildert, dass der Abteilungsvorstand ziemlich drastisch gegen die Athletin vorgegangen sei. So soll Herrfurth und ihrem Trainer Ende vergangenen Jahres exklusiv eine Satzungsänderung vorgelegt worden sein, dass nur Athleten mit einem aktiven Startrecht für den VfL Sindelfingen dessen Trainingsstätte nutzen dürfen. Zudem dürften ausschließlich diese Sportler das wettkampforientierte Training wahrnehmen. „Es gibt aber einige Mitglieder, die für einen anderen Verein starten oder kein Startrecht besitzen und in Sindelfingen trainieren“, erklärt der Informant.

Brisant: Diese Satzungsänderung wurde erst an alle Sportler versandt, nachdem sie Herrfurth und ihrem Trainer vorgelegt worden war. Zudem ist sie mit einem entscheidenden Passus versehen. „Ausnahmen von den zuvor genannten Regelungen können nur durch Beschluss des Abteilungsvorstands genehmigt werden“, heißt es unter Punkt vier. Bei allen Sportlern, die nicht für den VfL Sindelfingen starten, aber dennoch dort trainieren, wurde diese Ausnahme erteilt, außer eben bei Herrfurth. „Als Grund wurde genannt, dass sie noch zum VfL wechseln könnten“, schildert der Informant.

Doch damit nicht genug. Ein Klubverantwortlicher, der für das Athletenmanagement zuständig ist, habe Herrfurth bereits bei der Ankündigung ihres Wechsels gedroht, er würde dafür sorgen, dass sie nicht mehr beim VfL trainieren darf. Auch Kohler soll ihr sowohl in einem persönlichen Gespräch als auch während verschiedener Besuche bei den Übungseinheiten gesagt haben, dass sie nicht mehr in der Mercedesstadt trainieren darf. „Ihr wurden keine sachlichen Gründe genannt“, berichtet die anonyme Quelle.

Der VfL soll sogar noch einen Schritt weitergegangen sein. Demnach sei der Trainer der Trainingsgruppe von Herrfurth vor die Wahl gestellt worden, dass er entweder den Verein verlassen solle oder die 21-Jährige nicht mehr trainieren dürfe. Als er sich entschied, den Verein zu verlassen, sorgte das bei den anderen Sportlern und auch den Eltern der jüngeren Athleten für einen Sturm der Entrüstung. Sie suchten daher auch das Gespräch mit der Abteilungsleitung.

Bei dem neuen Verein von Herrfurth stößt das Vorgehen auf Unverständnis. „Sowas habe ich noch nie erlebt“, meint Dieter Heinzmann, Sportwart beim FC Astoria Walldorf. Laut seinen Ausführungen sei es durchaus üblich, dass Sportler bei einem Vereinswechsel weiter bei ihrem ehemaligen Klub trainieren, wenn sie dort Mitglied sind. „Wenn der Trainer sagt, dass es für ihn funktioniert, dann geht das auch.“

Warum sich der VfL diesbezüglich querstellt, kann er nicht nachvollziehen. „Es gibt genug Athleten, die in Sindelfingen trainieren und die nicht für den Verein starten. Das gibt es auch bei uns“, behauptet er. Als Beispiel nennt er Jessica-Bianca Wessolly, die zwar für den VfL Sindelfingen startet, aber hauptsächlich in Mannheim trainiert. Darüber hinaus gebe es genug Sportler, die für ihr Studium umziehen, aber weiterhin für ihren Heimatverein antreten.

Deswegen kann Heinzmann die Haltung der Verantwortlichen auch nicht nachvollziehen und habe auch den Respekt gegenüber dem Klub etwas verloren, obwohl der VfL Sindelfingen sehr gute Arbeit leisten würde. „Es ist ein bisschen rätselhaft, dass man so etwas machen muss“, moniert der Sportwart weiter. „Viele Athletinnen stehen auf ihrer Seite.“ Der KRZ-Informant berichtet zudem, dass sich fast alle Sindelfinger Trainer in einer Sitzung für Herrfurth eingesetzt hätten.

Immerhin konnten sich die Abteilungsleitung und Luisa Herrfurth nun auf einen Kompromiss einigen, nachdem Eltern und Sportler der Trainingsgruppe eine Lösung des Problems verlangt hatten. So wird die Sprinterin einmal in der Woche Kindertraining beim VfL Sindelfingen geben und darf dafür die Trainingsstätten des Vereins nutzen – in dieser Saison. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss.

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