Dortmund? Den meisten Sportfans mag hierzu vom Wochenende als Erstes der nationale Fußballgipfel zwischen der Borussia und den Bayern einfallen. Dabei hatte die Westfalen-Metropole durchaus noch ein zweites Highlight im Angebot – eines, das bei manch einem der Beteiligten ebenfalls bleibenden Eindruck hinterlassen haben dürfte. Gleichzeitig ging es in der Leichtathletik bei den deutschen Hallenmeisterschaften um Medaillen. Das strahlende Ergebnis für die Teilnehmer aus Stuttgart und von den Fildern: einmal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze. Der herausragende Auftritt gelang dem Botnanger 800-Meter-Läufer Alexander Stepanov.
Geballte Fäuste und ein Jubelschrei – so endete das Finalrennen des Senkrechtstarters der bereits vergangenen Wettbewerbssaison in seiner Paradedisziplin. In 1:45,84 Minuten stellte Stepanov seine nächste persönliche Bestzeit auf, mit der er alle anderen Starter regelrecht deklassierte. Der Zweitplatzierte, der Leipziger Martin Rocco, hatte mehr als zwei Sekunden Rückstand, auf der doppelten Stadionrunde eine halbe Welt. „Schade, dass die Konkurrenz nicht stärker war“, bilanzierte der überlegene Sieger, „eigentlich wollte ich noch schneller sein und an den deutschen Rekord herankommen“. Jener steht als Uraltmarke bei 1:44,88 Minuten, gehalten von dem Berliner Nico Motchebon aus dem Jahr 1995.
Aber aufgeschoben muss ja nicht aufgehoben sein. Eine neue Chance auf sogar noch größerer Bühne wird sich für Stepanov in drei Wochen bieten. Die Fahrkarte zu den Weltmeisterschaften im polnischen Torun (20. bis 22. März) hat er mit seiner aktuellen Platzierung vollends in der Tasche. Von der Laufzeit her hatte der 21-Jährige im Trikot des VfL Sindelfingen die Qualifikationsnorm schon zuvor erfüllt gehabt.
Auf Stuttgarter Reisebegleitung wird Stepanov indes verzichten müssen. Ebenfalls bereits im Voraus war für die Stabhochspringerin Anjuli Knäsche (VfB Stuttgart) praktisch festgestanden, dass für sie aus dem WM-Ticket nichts werden wird. Die hierfür nötigen 4,70 Meter? Schlicht unrealistisch. Doch ändert dies nichts daran, dass auch Knäsche die voll besetzte Helmut-Körnig-Halle durchaus zufrieden verlassen konnte. Ihrer Karrierebilanz von bereits sechs deutschen Meistertiteln fügte sie diesmal Silber hinzu. Mit 4,50 Metern kam die gebürtige Schleswig-Holsteinerin bis auf fünf Zentimeter an ihre persönliche Bestmarke heran. Das Duell um Gold entschied sich knapp erst bei der nächsten Höhe. Während Knäsche, die bis dahin ohne jeden Fehlversuch geblieben war, dreimal riss, segelte ihre Rivalin Jacqueline Otchere (MTG Mannheim) im dritten Anlauf über die Latte.
Knäsches Kommentar: „Ich hätte gerne meinen siebten Titel gewonnen. Aber man muss auch sehen, dass ich voll berufstätig bin.“ Da sei es „nicht so einfach, nebenher Leistungssport zu betreiben“. Im Alltag arbeitet die 32-Jährige als Cheftrainerin bei der LG Leinfelden-Echterdingen.
Hochspringer Gräfe nutzt Gunst der Stunde
Gleichfalls als Zweiter schloss der Feuerbacher Hochspringer Marlon Gräfe seinen Wettbewerb ab. Mit seinen 2,10 Metern musste er sich lediglich dem deutschen Jahresbesten Falk Wendrich (LAZ Soest, 2,19 Meter) geschlagen geben. Was dem Youngster Gräfe und seinen Mitstreitern zugute kam: Die beiden dominierenden Akteure der vergangenen Jahre, der Münchener Titelverteidiger Tobias Potye sowie der Leverkusener Ex-Europameister Mateusz Przybylko, fehlten. Gräfe selbst, für die LG Region Karlsruhe am Start, verfehlte seinen Hausrekord lediglich um einen Zentimeter.
Stuttgart/Filder-Edelmetall Nummer vier sicherte sich schließlich der Kugelstoßer Lasse Schulz vom TV Plieningen. Mit seinem dritten Platz sorgte der 21-Jährige für eine dicke Überraschung. Obendrein toppte er mit nun 19,14 Metern seine bisherige Bestmarke. „Ich bin super happy, weil ich nach solidem Anfang im letzten Versuch noch richtig einen raushauen konnte “, sagte Schulz, für den die Hallensaison damit beendet ist. Der Sieg ging an den Münchener Georg Harpf mit 20,46 Metern.
Ebenso weiter als je zuvor stieß bei den Frauen Anna-Marie Weber vom VfB Stuttgart. Für die mit gerade mal 18 Jahren Jüngste im Feld bedeuteten ihre 15,21 Metern den sechsten Rang, gefolgt von einer besonderen Belohnung. Von der siegreichen Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye (MTG Mannheim), die sich mit überragenden 20,37 Metern auf Position zwei der Weltjahresbestenliste setzte, gab es eine herzliche Umarmung.
Deutlich mehr erhofft hatte sich dagegen Johanna Göring. Die Hochspringerin aus Mühlhausen meisterte alle aufgelegten Höhen bis 1,80 Meter souverän. Doch dann riss bei der 20-Jährigen der Faden und war vorzeitig Schluss. Am Ende landete Göring auf Platz fünf, während Jara Ellinger (VfB Stuttgart) mit 1,75 Metern Neunte wurde – beide klar hinter der Gewinnerin Imke Onnen (Cologne Athletics, 1,91 Meter).
Weitere Ergebnisse: Im Weitsprung überzeugte die eigentliche Mehrkämpferin Sandrina Sprengel (VfB Stuttgart, 6,28 Meter) als Fünfte. Außerdem verpasste Franziska Blessin (LG Filder) den Einzug ins 60-Meter-Hürdenfinale nur knapp. Mit ihren im Halbfinale erzielten 8,42 Sekunden belegte sie in der Gesamtwertung den zehnten Rang.