Der Schönbuchlauf feierte am Sonntag seine 50. Auflage. Von den mehr als 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern schafften es einige bei ihrer Premiere in Hildrizhausen gleich aufs Siegerpodest.
Startschuss: So früh wie noch nie schickte Hildrizhausens Bürgermeister Matthias Schöck diesmal einen Teil der Läufer los. Um 7.45 Uhr wünschte er den 75 Startern des 50-Kilometer-Jubiläums-Ultra alles Gute. „Ein Klassiker durch und durch“, weiß er um die Strahlkraft einer solchen Traditionsveranstaltung für seine Gemeinde. Er zollte allen, die in irgendeiner Form in all den Jahrzehnten vor und hinter den Kulissen mithalfen, allergrößten Respekt. Selbst hat er beim Schönbuchlauf jedoch nie die Laufschuhe geschnürt. „Vor der 30. Auflage habe ich gesagt, ich mache mit“, gab er offen zu. „Wie später bei der 40., und auch diesmal wurde es leider wieder nichts.“
Verdammt schnelle Ehninger: „Es macht voll Spaß, im Wald und nicht auf Asphalt zu laufen“, sagte die Ehningerin Lisa-Marie Oesterle nach ihrem Sieg, der ihr in der Gesamtwertung des Schönbuch-Cups den dritten Platz bescherte. Unwesentlich langsamer war unter anderem Lokalmatadorin Sophie Kirkman (TSV Hildrizhausen). Über 25 Kilometer bei den Männern sicherte sich der Ehninger Mathias Schmidt den Siegerpott: „Einfach klasse, dass man diesen fantastischen Schönbuch vor der Haustüre hat.“
Eine lange Nase gedreht: Einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg landete der Böblinger Nikolai Kronenwett, der diesmal im Trikot des Grünen-Kreisverbands Böblingen früh der Konkurrenz enteilte. Am Ende hatte er viel Vorsprung, auch vor dem Dritten Sören Becker (GSV Maichingen). „Eine richtig tolle Strecke“, sagte der 36-Jährige nach seiner Premiere beim Lauf.
Dickes Ausrufezeichen gesetzt: „Das hätte ich nicht gedacht, das lief richtig gut“, war der 37-jährige Florian Kohler von sich selbst überrascht. In überlegener Manier setzte er sich beim Ultra-Lauf die Krone auf. „Den Fokus habe ich dieses Jahr aufs Laufen gelegt“, ergänzte Kohler, der normalerweise auf der Langdistanz im Triathlon zu Hause ist. Bei den Damen landete Saskia Solimeno (LT VfL Herrenberg) auf dem vierten Rang.
Der weite Weg lohnt sich: Von 1995 bis 1998 war Ben Leitzel in der Region bei der US-Luftwaffe stationiert. Damals schloss er sich der TSV-Laufgruppe an. „Ich bin extra zum 50. Geburtstag herübergeflogen und laufe mit“, ist der 65-jährige längst wieder in South Carolina zuhause. „Der Kontakt ist nie abgerissen.“ Er entschied sich für die 25 Kilometer, die er dann auch in gut zwei Stunden absolvierte. „An diesem Mittwoch geht es leider schon wieder zurück“, so Leitzel etwas wehmütig, der sich von „guten, alten Freunden“ wieder verabschieden muss.
Ganze Geschichtsbücher: Walter Raisch (70), Traugott Konath (64) und Klaus Wanner (62) sind TSV-Urgesteine. „1975 bin ich zum ersten Mal mitgelaufen“, so Raisch, dem spontan das Jahr 2002 einfällt. „Damals wurde der Teilnehmerrekord aufgestellt.“ Exakt 1362 Sportler passierten seinerzeit die Ziellinie. Er denkt auch an den 21. Oktober 2007. „Da gab es Schneefall und winterliche Bedingungen.“ Ebenfalls wie seine Westentasche kennt Traugott Konath den Schönbuch. „Einmal war ich bester Hausemer“, sagt der Vize-Vorstand, der auch schon eine halbe Ewigkeit im Orgateam ist. „Vieles ist Routine.“ An Lauferlebnissen der besonderen Art nahm Klaus Wanner teil, der in guten Jahren schon mal um die 5000 Kilometer runterspulte. 2005 absolvierte er den 1204 Kilometer langen Deutschland-Lauf über 17 Etappen in nicht einmal 129 Stunden. „Da ging noch mehr“, meinte er verschmitzt, als er mit funkelnden Augen vom Europalauf vor 16 Jahren erzählte. Da ging es von Sizilien bis hinauf ans Nordkap. „In 64 Etappen aufgeteilt waren es insgesamt 4487 Kilometer“, ist TSV-Urgestein Wanner nach wie vor mächtig stolz sein auf diese Wahnsinnsleistung.
Ohne sie läuft nichts: „Da helfen alle zusammen“, sagt Marcus Binder, Trainer des Fußball-A-Ligisten TV Altdorf, der zu den vielen Ehrenamtlichen zählt, die dafür sorgen, dass eine solche Veranstaltung überhaupt über die Bühne gehen kann. „Ich habe mich vom Parkplatzeinweiser bis zur Verpflegungsstation hochgearbeitet“, blüht bei Binder einmal mehr der Flachs. „Wir haben immer eine Riesengaudi, eine klasse Stimmung“, so der Fußballtrainer. Vor gut 15 Jahren war er selbst aktiver und begeisterter Läufer. Einmal landete er beim Schönbuchlauf sogar in den Top 20. Nach dem Lauf ist vor dem Lauf. „Mit der Nachsitzung in den kommenden Tagen, bei der besprochen wird, was besser gemacht werden kann, beginnt bereits die Planung für 2026“, freut sich Gerald Ruschenpöhler aber zunächst über die Tatsache, „dass wir beim 50. so viele Teilnehmer hatten wie seit 16 Jahren nicht mehr.“ Waren es im Jahr 2024 gerade einmal noch 312 Finisher, waren es diesmal über zweieinhalb Mal so viele. Exakt 804. „Da war echt was los“, stellte er fest. Und er sagt auch: „Die Läufe der Kinder und Jugendlichen haben Zukunft.“ Was ihn ebenfalls positiv überraschte, „war die Resonanz auf die 50 Kilometer“.
Reife Leistung: Mit 74 Jahren war Werner Nüssle aus Ostfildern-Ruit einer der ältesten Läufer im 25-Kilometer-Feld. „1985 war ich zum ersten Mal hier“, so Nüssle. Den Lauf hat er längst in sein Herz geschlossen. „Ein Dutzend Mal bin ich schon gestartet.“ Die Zeit, die er für den Lauf braucht, interessiert ihn und seinen Kumpel Helmut Molner nicht. „Wir sind Genussläufer, für uns zählt das gesunde Ankommen“, sagt Molner, der den Flair des Schönbuchlaufs bis zu dieser Auflage nur vom Hörensagen her kannte.
Quereinsteiger: Ex-Fußballer Martin Oßwald (SV Böblingen/FC Gärtringen) geht zusammen mit seiner Frau Lara Löffler regelmäßig joggen. „Es geht einem besser, wenn man wieder was macht“, stellte der 54-Jährige fest. Gemeinsam nimmt das Paar auch an Läufen teil. Zuletzt war es beim Drei-Länder-Lauf am Bodensee. Es freute ihn, dass er die eigene Vorgabe, „bei den 10 Kilometern unter einer Stunde zu bleiben“, deutlich unterbot. Diese Bestmarke wollen die beiden in 2026 weiter nach unten schrauben.