Leichtathletik-WM in Doha Gesa Felicitas Krause – der Lohn für die Qualen

Gold für Deutschland: Gesa Felicitas Krause Foto: dpa/Michael Kappeler
Gold für Deutschland: Gesa Felicitas Krause Foto: dpa/Michael Kappeler

Geschafft – die erste Medaille für die deutschen Leichtathleten ist da. Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause holte über die 3000 Meter bei der WM in Doha Bronze.

Sport: Marko Schumacher (schu)
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Doha - Und dann wusste Gesa Felicitas Krause, dass sich alles gelohnt hat. All die Entbehrungen, die wochenlangen Höhencamps in Afrika oder den USA, die brutalen Berg- und Intervallläufe, die täglichen Qualen im Training. Kurz vor der Ziellinie wich die Anstrengung aus ihrem Gesicht und machte Platz für ein befreites Lächeln – mit letzter Kraft riss Gesa Krause beide Arme hoch und war erlöst.

In einem mitreißenden Finale über 3000 Meter Hindernis, dem schnellsten in der WM-Geschichte, hat die 27 Jahre alte Doppeleuropameisterin am Montagabend Bronze gewonnen. Für das Team des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) war es am vierten WM-Tag die ersehnte erste Medaille bei diesen bislang in vielerlei Hinsicht missratenen Titelkämpfen – für Krause der größte Erfolg ihrer Karriere. Ihrem langjährigen Trainer Wolfgang Heinig standen auf der Tribüne die Freudentränen in den Augen.

Ein Hauch von Stimmung

Dritte war Gesa Krause auch bei der WM 2015 in Peking geworden – doch lief sie diesmal eine noch vor wenigen Monaten nicht für möglich gehaltene Zeit. In 9:03,30 Minuten verbesserte sie noch einmal um mehr als vier Sekunden ihren eigenen deutschen Rekord, den sie erst Ende August in Zürich aufgestellt hatte. Nach einem sehr durchwachsenen vergangenen Jahr war die Hessin mit einer Bestzeit von 9:11,85 Minuten in diese Saison gestartet. „Ich habe alles aus mir rausgeholt“, sagte Gesa Krause, als sie eingehüllt in eine Deutschland-Fahne von der Ehrenrunde im erstmals ansatzweise stimmungsvollen Khalifa-Stadion kam: „Ich bin überglücklich.“

Dass es ein schnelles Rennen werden würde, das hatte die Sportsoldatin schon nach ihrem Vorlauf am vergangenen Freitag geahnt – überrascht jedoch war sie, dass das Finale gleich in derart mörderischem Tempo losgehen würde. Nach dem Startschuss rannte Weltrekordlerin Beatrice Chepkoech sofort allen anderen davon und lief bis ins Ziel ein einsames Rennen. In 8:57,84 Minuten gewann die hoch favorisierte Kenianerin souverän die Goldmedaille. Die 28-Jährige läuft in einer eigenen Liga, ihr Weltrekord liegt seit vergangenem Jahr bei unglaublichen 8:44,32 Minuten.

Beatrice Chepkoech holt Gold

Dahinter zeigte Krause eine taktische Meisterleistung. Am Ende der Verfolgergruppe hielt sie sich zunächst und kassierte bei den Sprüngen über den Wassergraben dank ihrer technischen Klasse eine Konkurrentin nach der anderen. Neben Chepkoech war schließlich nur die US-amerikanische Titelverteidigerin Emma Coburn noch schneller, die in 9:02,35 Sekunden ebenfalls eine neue Bestzeit aufstellte und Silber holte. „Am Ende war es eine Willensleistung“, sagte Krause, „es macht mich sehr stolz, dass ich hier mehrere Weltklasseathleten geschlagen habe.“

Ein paar Tage der Erholung in Doha will sie sich nun gönnen und anschließend mit ihrem Freund in den Urlaub fliegen, ehe anschließend die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele beginnt. Zwei EM-Titel und zweimal WM-Bronze hat Gesa Krause seit 2011 gewonnen – eine Medaille bei Olympia fehlt noch in ihrer Sammlung. Achte wurde sie 2012 in London, Sechste vier Jahre später in Rio. In Tokio will sie nächstes Jahr auf dem Treppchen stehen und sagt: „Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Trainingslager.“

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