Leihräder in Stuttgart Bahn will Freifahrten für Leihräder streichen

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Im Rathaus in Stuttgart wächst wieder einmal der Ärger über die Bahn: Der Konzern will zum 1. Juni die 30 Minuten Freifahrt mit den Call-a-Bike-Rädern streichen. Die Stadt fordert die Rücknahme dieses Ultimatums.

Die Leihräder sollen von der ersten Minute an Geld kosten. Foto: Achim Zweygarth
Die Leihräder sollen von der ersten Minute an Geld kosten. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Die E-Mail-Nachricht, die mehrere Tausend Stuttgarter Call-a-Bike-Kunden Ende vergangener Woche erhalten haben, ist kurz, aber brisant: Vom 1. Juni an, so teilt die Bahn lapidar mit, ­entfalle die kostenlose Benutzung der auf 65 Stationen im Stadtgebiet verteilten 420 Leihräder in der ersten halben Stunde. „Durch häufige Nutzung innerhalb der ersten 30 Minuten und gestiegene Betriebskosten war die Existenz von Call a Bike in Stuttgart gefährdet“, heißt es in der E-Mail der Bahn-Tochter DB Rent an die registrierten Nutzer. Da man das Angebot aber weiter aufrechterhalten wolle, entfalle die kostenlose Nutzung vom 1. Juni an.

Diese „kontraproduktive Mail“ hat im Stuttgarter Rathaus großes Unverständnis und viel Verärgerung ausgelöst. „Der mit Call a Bike bestehende Vertrag läuft seit 2007 und endet erst Ende des Jahres, falls er nicht verlängert werden sollte“, sagt Günter Stürmer von der Stabsstelle des Oberbürgermeisters. „Wir haben die Bahn bereits aufgefordert, ihr Kunden-Mailing sofort richtigzustellen und die kostenlosen Fahrten nicht einzustellen.“ Eine Antwort stehe allerdings noch aus.

„Druck auf Verhandlungen“

Im Rathaus ist das Unverständnis über diesen Schritt der Bahn-Tochter DB Rent sehr groß, weil die Verhandlungen über einen neuen Vertrag schon weit gediehen seien. „Beide Seiten sind sich grundsätzlich einig, die Zusammenarbeit fortzusetzen“, so Stürmer. Gegenwärtig zahlt die Stadt 130 000 Euro im Jahr dafür, dass die Räder in der ersten halben Stunde kostenlos genutzt werden dürfen. Die Bahn-Tochter verlange aber einen erheblich höheren Betrag. „Bis auf die Frage des Geldes haben wir uns weitgehend angenähert“, so Stürmer. Offen sei allerdings, ob die 30 Freiminuten erhalten blieben. Die Serien-Mail an die Call-a-Bike-Kundschaft wird bei der Stadt als „untauglicher Versuch“ interpretiert, einen starken Druck auf die Gespräche aufzubauen.

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