Leinfelden-Echterdingen Angst vor dem nächsten Rettungseinsatz

Von Natalie Kanter 

Vor 16 Jahren hat sich eine Adresse in Echterdingen geändert: Aus dem Haus an der Hauptstraße 119 wurde das Gebäude Lehmgrubenweg 10. Das Geoportal des Landes kennt diese nicht mehr neue Adresse dennoch nicht.

Eine Testfahrt  zeigt: Wer nur das Navi und nicht den Kopf einschaltet, findet den Lehmgrubenweg 10 nicht. Foto: Natalie Kanter
Eine Testfahrt zeigt: Wer nur das Navi und nicht den Kopf einschaltet, findet den Lehmgrubenweg 10 nicht. Foto: Natalie Kanter

Echterdingen - Eine Irrfahrt durch Echterdingen. Der Fahrer hat zuvor die Adresse Lehmgrubenweg 10 in sein Navi eingetippt. Mehrmals rauscht sein Fahrzeug an der Zufahrt zur Straße vorbei. Das Auto wird über die Lammkreuzung geleitet, es soll durch die schmale Gasse „Im Gäßle“ rollen, um dann erneut auf die Echterdinger Hauptstraße zu gelangen. Nach einer Kehrtwende an einer Tankstelle sagt das Gerät: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Das Auto aber steht nicht im Lehmgrubenweg, sondern auf der Bucht einer Bushaltestelle.

Das gesuchte Haus liegt zwar tatsächlich direkt neben diesem Busstopp. Allerdings müsste der Fahrer mit seinem Fahrzeug über einen hohen Bordstein rumpeln, um dann vor dem Gebäude, auf einem Rad- und Fußweg, zum Stehen zu kommen. Rettungskräfte – und um diese geht es dem Mann hinterm Steuer – müssten über einen Zaun steigen, die Rettungsliege darüber hieven, um zum Einsatzort zu gelangen.

Bei der Fahrt handelt es sich um eine Testfahrt. Hinter dem Steuer sitzt Friedrich Hainlin. Er wohnt am Lehmgrubenweg 10. Die Fahrt soll zeigen, dass sich in Sachen der Auffindbarkeit des Echterdinger Lehmgrubenweges etwas getan hat – aber nicht zur Zufriedenheit von Hainlin. Denn während die Häuser 2, 4, 6 und 8 seit Ende August einwandfrei auch über ein Navigationsgerät zu finden sind, ist das Problem für das Gebäude des Lehmgrubenwegs 10 weiter nicht gelöst. Friedrich Hainlin will das nicht akzeptieren. „Es ist lebensgefährlich, hier zu leben“, sagt er.

Seine Befürchtungen sind nicht ganz von der Hand zu weisen. In der Vergangenheit hatten gerufene Rettungsdienste seine Adresse zunächst nicht gefunden. Seit einem Jahr setzt sich der Senior dafür ein, dass der Lehmgrubenweg 10 via Navi gleich zu finden ist. Zuletzt hat er sich mit einem offenen Brief an den Gemeinderat und auch andere politische Mandatsträger gewandt. Gerd Maier, Leiter des städtischen Ordnungsamtes, hat den Mann deshalb besucht. Unserer Zeitung sagt Maier: „Das Haus wird immer nur zu Fuß erreichbar sein.“ Und: „Trotz Navi sollte der Kopf eingeschaltet bleiben.“

Senior schreibt offenen Brief

Das grundsätzliche Problem: Das Wohngebiet ist 2001 entstanden. Damals wurde aus dem Haus Hauptstraße 119 das Gebäude Lehmgrubenweg 10. Die Katasterdaten wurden über viele Jahre hinweg nicht aktualisiert. Dies hat die Stadt 2016 – als der Fall das erste Mal für Wirbel gesorgt hat– festgestellt.

Verwaltungsmitarbeiter haben damals Krankenhäuser und Rettungsdienste informiert. Sie haben Kontakt zum Staatlichen Vermessungsamt aufgenommen und um eine Korrektur gebeten. Von dort hatte die Stadt dann laut Maier die Rückmeldung bekommen, dass die Adresse geändert wurde. Dennoch: Auf einer Hintergrundkarte im Geoportal des Landesamts für Geoinformation (LGL) wird der Lehmgrubenweg 10 noch immer als Hauptstraße 119 geführt.

Die Vermessungsbehörde des Landkreises pflegt die Geodaten

Die Stadt will nun wissen, wie oft auf dieser Plattform die Daten aktualisiert werden. Aus dem Team des Portals heißt es dazu: „Wir selbst haben keine Daten und aktualisieren diese deshalb auch nicht.“ Vielmehr greift ein Server auf sogenannte Bestandsdaten zu. Zudem können unterschiedliche Dienste und Karten zugeschaltet werden. Einige der Daten werden von der Vermessungsbehörde des Landkreises gepflegt. In deren Datenbestand wird seit Juli 2017 der Lehmgrubenweg 10 unter seiner richtigen Adresse geführt. „Einmal im Jahr melden wir einen aktuellen Datensatz auch an die Rettungsleitstelle“, sagt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage unserer Zeitung. Den Einsatzkräften müsste die richtige Adresse also mittlerweile bekannt sein. Auch sie will sich an das LGL wenden, um zu melden, dass dieses noch auf alte Daten zugreift.

Doch auch dies scheint nicht des Rätsels Lösung zu sein. Bei der Landesbehörde bestreitet man, dass die Auffindbarkeit des Lehmgrubenweges 10 mit der besagten Karte in ihrem Portal zu tun hat. Dort heißt es: „Betreiber von Navigationsgeräten greifen auf ein buntes Portfolio an Daten“ zu und eben nicht nur auf das Geoportal.

Zurück zu L.-E.: „Die Stadt hat schon mehr unternommen, als sie müsste“, sagt Maier. Sie hat ein Schild an der Leinfelder Straße aufgestellt, um verirrte Rettungskräfte über einen Fußweg zum Lehmgrubenweg zu leiten. Nun soll eine weitere Tafel an der Zufahrt zum Lehmgrubenweg angebracht werden, damit auch Autofahrer, die vom Echterdinger Ortszentrum kommen, diese nicht übersehen können.