Das Ritter-Areal im Leinfelden-Echterdinger Teilort Musberg ist bei vielen Anwohnern beliebt. Doch was soll damit in Zukunft geschehen?

Im Leinfelden-Echterdinger Teilort Musberg soll sich in den kommenden Jahren baulich viel verändern. Sowohl das Ritter-Areal als auch das alte Rathaus samt benachbartem alten Schulhaus sollen wiederbelebt werden. Am vergangenen Mittwochabend wurden die Einwohner nach ihren Meinungen gefragt. „Wir wollen Ihre Ideen mitnehmen“, sagte der Oberbürgermeister Otto Ruppaner zur Begrüßung.

 

Das Interesse war groß, rund 120 Besucher kamen und beteiligten sich. Besonders wichtig scheint vielen Menschen der Erhalt des Ritter-Areals zu sein. Die alten Gebäude waren über viele Jahre wichtig für das gesellschaftliche Leben in Musberg. Viele Vereine hatten in den Räumen eine Heimat.

Immer wieder entbrannte Applaus im Saal, als sich Redner am Mikrophon für den Erhalt des Ritter-Geländes aussprachen. „Der Ritter ist eines der charaktervollsten Gebäude, die wir hier stehen haben“, sagte etwa der Architekt Nikolai Ziegler, der bereits in die Sanierung des Pfarrhauses gegenüber dem Ritter involviert war. Das Gebäude stehe schon seit Jahrhunderten an seiner Stelle. „Man darf es auf keinen Fall abreißen, man muss es in die Zukunft tragen“, meinte Ziegler. Dass eine Sanierung des Hauses möglich ist, davon ist der Architekt überzeugt. Er habe schon Häuser in schlechterem Zustand wieder hinbekommen.

Dass die Stadt die Sanierung übernimmt, das ist derzeit aber unwahrscheinlich. „Wir werden es auf absehbare Zeit nicht stemmen können“, sagte Bürgermeister Benjamin Dihm mit Blick auf den Haushalt. Vielleicht sei ein Teilerhalt mit Investoren möglich. Die Gebäude auf dem Ritter-Areal sind eng miteinander verwoben. Hinzu kommt ein jahrelanger Sanierungsstau sowie ein Brand- und Wasserschaden. Was eine Sanierung kosten würden, ist zwar noch nicht genau berechnet worden. Es kann aber bereits jetzt davon ausgegangen werden, dass die bauliche Ertüchtigung mehrere Millionen Euro kosten würde.

Altes Rathaus und Schulhaus in Musberg – Wünsche geäußert

An mehreren Pinnwänden konnten die Gäste im Bürgersaal ihre Ideen für die beiden Gebiete in Musberg anbringen. Beim Ritter wurde vor allem eines deutlich: Er soll erhalten bleiben und weiter von Vereinen und weiteren Gruppen genutzt werden. Auch ein Café oder eine Kneipe könnten sich einige Besucher dort vorstellen. Hinzu kommt für viele Musberger die historische und ortsbildprägende Bedeutung der Gebäude.

Das Ritter-Areal hat für viele Menschen am Ort eine identitätsstiftende Bedeutung. Foto: pib

Weit weniger als am Ritter hängen die Musberger offenbar an dem alten Rathaus und dem alten Schulhaus. Dort hätten gemäß der Rückmeldungen bei der Bürgerversammlung nur wenige Menschen ein Problem mit einem Abriss und einer Neubebauung. Einzig der Uhrenturm könnte aus Sicht mancher erhaltenswert sein. Das bereits von der Stadtverwaltung angedachte Mehrgenerationenhaus, vielleicht mit einer Tagespflege fand Anklang unter den Besuchern – und auch die grundsätzliche Schaffung von neuem Wohnraum. Eine Frage war jedoch, ob man den dortigen viergruppigen Kindergarten in der Zukunft weiterhin brauche.

Wie geht es mit dem Ritter-Areal in Musberg weiter?

Was sich bereits in der Vergangenheit abgezeichnet hat, hat sich nun bei der Bürgerversammlung bestätigt. Es scheint einfacher und damit auch schneller zu sein, das alte Rathaus und Schulhaus zu überplanen als das Ritter-Areal. Erst vor wenigen Wochen hatte der Gemeinderat entschieden, die beiden Vorhaben planerisch voneinander zu trennen. Zuvor schien es lange Zeit nicht richtig voranzugehen. Andere Vorhaben hatten eine höhere Priorität. „Alle freuen sich, dass es weitergeht“, fasste der Leiter des Stadtplanungsamts, Philipp Schwarz, die Stimmung innerhalb der Verwaltung zusammen.

Wie es nach der Bürgerversammlung weitergeht, erklärte Christine Tritschler vom Stuttgarter Architektenbüro OR Plan. Die Ergebnisse der Bürgerversammlung würden nun aufgearbeitet. Sie sollen den Planern im weiteren Prozess mitgegeben werden, damit sie die Ideen aus der Einwohnerschaft kennen und auch aufgreifen können.