Elke Ade bietet in Stetten auch Teddybären der Firma Steiff an. Foto: Friedl
Nach 70 Jahren eröffnet Spiel- und Haushaltswaren Steck im Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Stetten den Schlussverkauf. Bis Ende Februar will der Einzelhändler endgültig schließen.
Viele Jahre haben die riesigen Playmobilfiguren auf dem Dach den Weg gewiesen zu dem Spiel- und Haushaltswarengeschäft Steck in Leinfelden-Echterdingen in der Stettener Hauptstraße. Nun läuten sie das Schlusskapitel ein, denn der Familiengeführte Betrieb seit 70 Jahren schließt. „Nach Drei König beginnen die Rabattaktionen“, sagt Elke Ade, die vor etwa 30 Jahren das Geschäft von ihren Eltern übernommen hat. Und möglicherweise ist bis Ende Februar alles verkauft, dann ist wieder ein wichtiges Kapitel Einzelhandel in Stetten Geschichte.
Die Gründe sind hinreichend bekannt: Corona hat das Einkaufsverhalten nachhaltig geändert in Richtung online. Einzelhändler, die sich dieser Herausforderung gestellt haben, konnten mit dem Tempo aber nicht mithalten. Und heute haben fachfremde Branchen wie Möbel- oder Baumärkte, Discounter oder Drogerie-Ketten Spielwaren als Teil ihrer großen Rabattaktionen entdeckt.
Qualitätsfragen spielen keine Rolle mehr
Elke Ade, die sonst ganz freundlich und ausgewogen informiert, wirkt bei diesem Thema etwas verbittert: „Qualitätsfragen, also wie wurde da was unter welchen Bedingungen hergestellt, was bietet man da eigentlich seinen Kindern zum Spielen an, spielen da keine Rolle mehr“. Vor allem der jüngeren Generation wirft sie da eine „Wegwerfmentalität“ vor.
Im Fall Steck kommt noch eine lokale Erschwernis hinzu: Die Sanierung der vorbeiführenden Stettener Hauptstraße, die drei Jahre lang dauerte. Mal war von der einen, mal von der anderen Seite eine Zufahrt nicht möglich oder nur unter erschwerten Bedingungen. Ade hat da gekämpft, auch für die anderen Einzelhändler in dieser Straße: „Die Stadt hätte bei uns mal auf die Gewerbesteuer verzichten können“, so einer von Ades Vorschlägen. Doch daraus ist nichts geworden.
Bestellungen werden immer noch entgegen genommen
Es gab freilich auch Lichtblicke. Etwa die Treue der Stammkunden in dieser Zeit. Denn egal, ob man hier Spielwaren, Dekosachen oder Haushaltswaren kaufen möchte: Hier wird vor allem Qualität angeboten. Das wird einem auch schon beim ersten Betreten dieses Geschäfts klar. Und dazu passt dann auch sehr gut die kompetente Beratung.
Dieses Bild ist bald Vergangenheit: Spielwaren Steck in Stetten hört auf. Foto: Friedl
Da ist dann schon gut nachvollziehbar, dass manche den etwas weiteren Weg in Kauf genommen haben zu Steck. Und nicht nur, weil es sonst schon länger kein weiteres Geschäft mit diesem Sortiment auf den Fildern mehr gibt, sondern weil hier nachhaltig eingekauft werden kann. Eine wichtige Voraussetzung ist da natürlich die gute Erreichbarkeit, die aber länger nicht gewährleistet war.
Dass diese Adresse nun wieder gut angefahren werden kann, dass auch die Parkplätze wieder zur Verfügung stehen, das ist nun ein später Trost, auch mit Blick auf die treuen Kunden. „Bestellungen werden nach wie vor noch möglich sein“, sagt Ade. Und die entsprechende Beratung gibt es dann noch obendrauf.
So lange, bis eben zum letzten Mal die Ladentüre aufgeht. „Ich hätte gerne einen Nachmieter“, so Ade, „aber jemanden mit einem solchen Sortiment gibt es nicht mehr. Meine Kinder werden nicht die Nachfolge antreten, die sind anders orientiert. Ein Café, das könnte hier vielleicht funktionieren.“