Leinfelden-Echterdingen Der Einzelhandel in der Stadt wird sortiert

Von Thomas Krämer 

Lebensmittel, Schnittblumen, Medikamente und Shampoo sollten in allen Stadtteilen erhältlich sein. Dann ist die Geschäftswelt gesund. Wie viel ist diesbezüglich noch zu tun in Leinfelden-Echterdingen?

Die örtlichen Händler fordern, dass der Neue Markt in Leinfelden attraktiver gestaltet wird. Foto: Thomas Krämer
Die örtlichen Händler fordern, dass der Neue Markt in Leinfelden attraktiver gestaltet wird. Foto: Thomas Krämer

Leinfelden-Echterdingen - Der Einzelhandel in Leinfelden-Echterdingen läuft. Oder wie Stefan Holl vor Kurzem im Technischen Ausschuss sagte: „Wir leben auf einer Insel der Seligen und können in Leinfelden-Echterdingen zufrieden sein auch vor dem Hintergrund der Handelsentwicklung.“ Der Wissenschaftler von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung hatte für die Stadt das bestehende, aber wegen Widerstands aus der Wirtschaft nie wirklich umgesetzte Einzelhandelskonzept aktualisiert.

Doch das soll sich nun ändern. Nach dem vergangene Woche einstimmig gefassten Beschluss im Gremium wird vermutlich auch der Gemeinderat Ende Juli das Einzelhandelskonzept verabschieden. „Das ist für unsere Planung wichtig, um die innerörtlichen Lagen zu stärken“, sagte Eva Noller. Damit habe man nun ein bindendes Element, das in Bebauungspläne umgesetzt werde, betonte die Baubürgermeisterin der Kommune. Und möglicherweise würde der Echterdinger Norden mit den dortigen Geschäften heute anders aussehen, hätte man damals schon ein solches Konzept gehabt.

Große Fachmärkte soll es nur im Echterdinger Norden geben

Dinge für den täglichen Bedarf wie Lebensmittel oder Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Drogeriewaren, Medikamente und Schnittblumen gelten als relevant für die Nahversorgung und sollen in allen Stadtteilen gekauft werden können. Bekleidung und Schuhe, Haushalts- und Spielwaren oder die neue Digitalkamera werden in dem Konzept zu den zentrenrelevanten Produkten gezählt, die in Echterdingen und Leinfelden zu bekommen sein sollten. Ergänzungsstandorte wie die im Echterdinger Norden sollen großflächigen Fachmärkten vorbehalten sein, die nicht mit dem Angebot in den Zentren konkurrieren, also Dinge wie Heimwerkerbedarf, Autos oder Elektrogroßgeräte anbieten. Das zumindest sieht das Sortimentskonzept vor, das für Noller ein „zentrales Element“ darstellt.

„Ich bin grundsätzlich froh über das Einzelhandelskonzept“, sagt Ralf Schröder. Es gebe den Geschäftsleuten, aber auch den Bürgern Planungssicherheit, so der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Echterdinger Fachgeschäfte. Nun liege es in der Hand des Gemeinderats, die Zentren nach dem Gießkannenprinzip zu stärken oder die Stärken und Schwächen zu berücksichtigen.

Für wichtig hält er, dass der Echterdinger Ortskern attraktiver gestaltet wird, und begrüßt das Sanierungsgebiet Historische Mitte. Das Verkehrsproblem der Kommune spielt für Schröder auch beim Thema Einzelhandel eine wichtige Rolle. „Verkehr ist in Ordnung, aber was wir hier haben, das ist zu viel“, sagt der Geschäftsmann. Auch das Parksystem müsste verbessert werden.

Der Neue Markt soll besser an das Gewerbegebiet angeschlossen werden

Romy Giessler begrüßt das klare Ergebnis des Gutachtens, dass die Zentren von Leinfelden und Echterdingen finanziell und inhaltlich gleichermaßen gestärkt werden sollen. „Gefordert ist nun die Stadt, den Platz Neuer Markt attraktiver zu gestalten“, so die Vorsitzende des Verbunds Leinfelder Geschäfte (VLG). An Ideen zur Steigerung der Attraktivität mangele es nicht, vielmehr an der Umsetzung. Sie fordert einen verbindlichen Plan, der ganz genau besagt, bis wann welche Maßnahmen umgesetzt werden.

„Bürger, Geschäfte und Gastronomie brauchen sichtbare Ergebnisse und wollen konkret wissen, was noch in diesem Jahr für den Neuen Markt und dessen bessere Anbindung an das Industriegebiet getan wird. Wenn wir Unternehmer für die Umsetzung von Maßnahmen so lange bräuchten wie beispielsweise für die Verabschiedung eines Gutachtens in Papierform, würde es unsere Unternehmen heute nicht mehr geben“, kritisiert sie die lange Entstehungsgeschichte der Einzelhandelsgutachten. Man müsse heute investieren, um am Puls der Zeit zu sein und um auch morgen noch zu existieren.