Leinfelden-Echterdingen Ein Traumhaus, das das Klima schützt

Alexandra und Joachim Schadow vor ihrem prämierten Klimahaus in Leinfelden Foto: Horst Rudel

Bei der Gestaltung ihres Eigenheims haben Alexandra und Joachim Schadow großen Wert auf Energieeffizienz gelegt. Ihr 170 Quadratmeter großer Neubau in Leinfelden ist vom Landkreis Esslingen mit dem Gütesiegel „Klimahaus“ bedacht worden.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Sie habe immer schon im eigenen Haus leben wollen, erzählt Alexandra Schadow. „Das war mein Traum seit Kindertagen.“ Inzwischen hat er sich erfüllt: Seit November 2021 lebt sie zusammen mit ihrem Mann Joachim in ihrem Traumhaus – auf dem alten Sportplatz in Leinfelden. Auf dem Gelände am Jakobsbrunnen hat ein Projektentwickler vor wenigen Jahren Wohnungen und Häuser für insgesamt 68 Eigentümer errichtet. Das Eckgrundstück direkt am Waldrand indes konnte das aus dem Ort stammende Ehepaar erwerben. „Da stand ein altes Haus, Baujahr 1957, drauf“, blicken beide zurück.

 

Dass sie neu bauen wollen, stand für die Betriebswirtin und den Ingenieur schnell fest. Nur wie? So fing 2018 alles an: Um erste Ideen für die Grundriss-, Küchen-, Bad- und Gartenplanung zu sammeln, besuchten Alexandra und Joachim Schadow die Musterhausausstellung im nahe gelegenen Fellbach. Anfangs hätten sie Bedenken gegen ein schlüsselfertiges „Haus von der Stange“ gehabt, räumen sie offen ein: „Wir hatten hohe Ansprüche. Wir wollten ein nachhaltig gebautes Eigenheim, das möglichst energieautark ist.“

Die Vorurteile aber warfen sie nach intensiver Recherche über Bord. Denn Fertighäuser in Holzbauweise erreichen inzwischen mühelos hohe KfW-Standards, sind in der Regel ressourcenschonend und klimafreundlich konzipiert. Im schwäbischen Familienunternehmen Weberhaus fanden sie rasch einen Baupartner. „Unsere Wünsche passten sehr gut zum Baureihenkonzept der Firma. Das Anpassen der Grundrisse nach unseren Vorstellungen war auch kein Problem“, erzählen die Eigentümer.

Ein weiteres wichtiges Argument für die Bauherren: die kurze Bauzeit eines Fertighauses. Als im März 2021 die Lastwagen mit den in der Fabrik vorgefertigten Wand- und Deckenelementen anrollten, hatten sich die beiden extra Urlaub genommen. „Es war superspannend mitzuerleben, wie aus den einzelnen Teilen in kurzer Zeit ein Haus entsteht“, denkt Joachim Schadow gern an diese Zeit zurück. Die Innen- und Außenwände des Hauses standen in nur zwei Tagen, am dritten Tag war das Dach dicht. Von Abriss des Altbaus über den Kellerbau bis zum Einzug in die eigenen vier Wände brauchte es nur knapp ein Jahr.

Energiekonzept von Anfang an wichtig

Entstanden ist ein rund 170 Quadratmeter großes Einfamilienhaus mit drei Zimmern sowie einem großzügig geschnittenen Koch-, Ess- und Wohnbereich. Im gesamten Haus haben sich Alexandra und Joachim Schadow für einen Holzboden entschieden. Große, nach Süden ausgerichtete Fenster – dreifach verglast und verspiegelt – machen die Räume hell. In der Decke eingelassene Lichtspots schaffen Atmosphäre.

Von Anfang an war dem Ehepaar das Energiekonzept ihres Traumhauses wichtig. Da ein Großteil der Energie über die Außenwände entweicht, kommt es auf eine gute Dämmung an. Der Neubau der Schadows hat eine Wandstärke von 39,5 Zentimetern. Sie schützt sowohl vor Hitze als auch vor Kälte. Da auch Lüftung und Heiztechnik für eine hohe Energieeffizienz und ein angenehmes Wohnklima entscheidend sind, wählten die Bauherren eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Diese entzieht der Außenluft Wärme, die anschließend in den Heiz- und Warmwasserkreislauf eingespeist wird. Ein sogenannter Kreuzgegenstromwärmetauscher im Technikraum wärmt die gefilterte Frischluft vor und gibt sie in die Räume ab. Die verbrauchte Luft wiederum wird nach außen abgeführt. Den benötigten Strom erzeugt eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von knapp 11,5 Kilowattpeak. 31 Solarmodule haben auf dem Dach Platz gefunden. „Wir wollten das Maximum bei der Energieversorgung herausholen“, sagt Alexandra Schadow. Der Batteriespeicher sei so ausgelegt, dass der gesamte Strombedarf des Hauses vom Abend bis zum Morgen gedeckt ist, ergänzt ihr Mann. In den Sommermonaten wird sogar mehr Energie produziert, als benötigt wird, weshalb die Überschüsse ins Netz eingespeist werden. „Das ist etwa von März bis Oktober der Fall“, sagt Joachim Schadow und schaut auf ein Tablet: Wie viel Sonnenschein gerade eingefangen wird, wie hoch der Stromverbrauch im Haus ist und welche Energiemenge abgegeben wird, lässt sich darauf in Echtzeit nachverfolgen. Auch Innen- und Außenbeleuchtung, schaltbare Steckdosen, Haushaltsgeräte und Jalousien können zentral gesteuert werden. Vorsorglich wurde zudem eine Wallbox in der Garage installiert – für ein künftiges Elektroauto.

Für das Ehepaar Schadow ist es „das absolute Traumhaus“. Für den Kreis Esslingen ist ihr Eigenheim ein Vorbild für den Klimaschutz. Der schlicht gehaltene Neubau, der den KfW-Effizienzhausstandard 40 Plus erfüllt, wurde jüngst mit dem Gütesiegel „Klimahaus Baden-Württemberg“ bedacht.

Energieeffizienz wird belohnt

Effizienzhaus
Das Effizienzhaus ist ein Energiestandard für Wohngebäude, den die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Deutschland eingeführt hat und mit Fördergeldern unterstützt. Effizienzhäuser zeichnen sich durch eine besondere Bauweise und Gebäudetechnik aus, mit der sie eine höhere Energieeffizienz erreichen als vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Es gibt die Effizienzhausstufen 40, 55, 70 und 85. Dabei gilt: Je niedriger die Zahl, desto höher ist die Energieeffizienz der Immobilie im Vergleich mit einem Referenzgebäude.

Klimahaus
Der Landkreis Esslingen hat den Wettbewerb erstmals 2022 ausgelobt. In diesem Jahr wurden acht besonders energieeffiziente Wohngebäude als „Klimahaus Baden-Württemberg“ ausgezeichnet. In Summe tragen nun 24 Gebäude im Kreis das Gütesiegel. Auch in diesem Jahr sind Gebäudeeigentümer, Architekten und Energieberater zur Teilnahme am Wettbewerb aufgerufen. Das Teilnahmeformular und weitere Infos sind in der Kreis-Stabstelle Klimaschutz erhältlich, Mail an klimaschutz@LRA-ES.de oder Telefonnummer 07 11 / 3 90 24 39 62.

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