InterviewLeinfelden-Echterdingen „Eine Baustelle ist kein Ort fürs Krautfest“

Von Natalie Kanter 

Die Gewerbetreibenden von Leinfelden-Echterdingen setzen bei Projekten stark auf eine Unterstützung durch die Stadt. Wolfgang Faßbender und Ralf Schröder vom örtlichen Bund der Selbstständigen erklären, warum. Zudem sagen sie im Interview, was sich die Gewerbetreibenden dringend wünschen.

Wolfgang Faßbender (links) und Ralf Schröder setzen sich für Gewerbetreibenden in Leinfelden-Echterdingen ein. Foto: Natalie Kanter
Wolfgang Faßbender (links) und Ralf Schröder setzen sich für Gewerbetreibenden in Leinfelden-Echterdingen ein. Foto: Natalie Kanter

Leinfelden-Echterdingen - Die Neuausrichtung des Stadtmarketings in Leinfelden-Echterdingen hat Wellen geschlagen. Eine vom Marketingchef Klaus Peter Wagner präsentierte Liste haben Stadträte stark kritisiert, denn die Projekte würden dem Einzelhandel zu wenig bringen. Ein Stellenzuwachs wurde nicht genehmigt. Im Interview erklären der örtliche BdS-Chef Wolfgang Faßbender und Ralf Schröder, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Echterdinger Fachgeschäfte, nun, was sich die Gewerbetreibenden wirklich wünschen.

Handel, Handwerk, Gewerbe, Gastronomie und Industrie: Die Mitglieder des BdS kommen aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Was ist deren gemeinsames Interesse?

Faßbender: Sie wollen eine lebenswerte Stadt, in der auch die Wirtschaft floriert. Wenn man eine funktionierende Innenstadt und einen funktionierenden Einzelhandel hat, dann profitieren davon auch andere Gewerke.

Schröder: Als Einzelhändler habe ich den Wunsch, dass die Wege zur Innenstadt und die Parkplätze besser ausgeschildert sind. Handwerker müssen irgendwo parken können, wenn sie etwas anliefern. Es geht aber auch um Fahrradwege oder um die Echterdinger Hauptstraße, die wir als BdS gerne verkehrsberuhigt hätten. Letzteres ist natürlich ein Wunsch, der sich in meinem Leben nicht mehr erfüllen wird.

Was hat sich der BdS für dieses Jahr vorgenommen?

Schröder: Die Sanierungskonzepte in den Stadtteilen müssen jetzt auch umgesetzt werden. Für Echterdingen ist das die neue historische Ortsmitte. Hier ist es wichtig, zu wissen, wann und wie die Baumaßnahmen kommen. Denn das Krautfest oder das Bürgerfest können nicht auf einer Baustelle stattfinden. Ich setze auch stark auf die Umsetzung des Einzelhandelskonzeptes, das im Sommer verabschiedet wurde. Es gilt, die Innenstadt attraktiv zu halten. Wir brauchen eine attraktive Ausschilderung der Fußgängerwege von der S-Bahn zur Stadtmitte. Es muss erkennbar sein, wie man mit dem Fahrrad ins Zentrum gelangen kann. Ladestationen für E-Bikes wären beispielsweise am Echterdinger Kirchplatz denkbar. Ein Parkleitsystem für den Autoverkehr würde unsere Situation verbessern.

Was ist seit der Verabschiedung des Konzeptes passiert?

Faßbender: Leider noch nicht allzu viel. Allerdings ist uns bewusst, dass die Umsetzung in Bebauungspläne und ähnliches ihre Zeit braucht.

Schröder: Ich erwarte auch nicht, dass innerhalb eines halben Jahres ein Parkleitsystem entwickelt und Schilder für Fußgänger und Radler aufstellt sind. Lob möchte ich der Stadt für das neue Parkkonzept aussprechen. Ich stelle fest, dass es vor unseren Geschäften wieder freie Parkplätze gibt. Unsere Kunden können mit Parkscheibe und ohne Gebühr kurzfristig etwas erledigen.

Sie setzen stark auf die Stadt. Man könnte nun fragen: Wo bleibt Ihre Initiative?

Schröder: Wir setzen die Impulse, sind die Ideengeber. Beim Krautfest hat der BdS den Bus-Shuttle initiiert. Die Aktion Kunst bewegt L.-E. ist von der Werbegemeinschaft, als Teil des BdS, auf den Weg gebracht worden und wird immer noch von Gewerbetreibenden betrieben – mit großer Unterstützung der Stadt.

Faßbender: Wir haben die Onlineplattform myle.de aufgebaut, um dem Internethandel Paroli zu bieten. Das Stadtmarketing unterstützt uns dabei. Dieses Angebot würden wir gerne fortführen und erweitern. Da wäre es wichtig, dass man einen einheitlichen und kompetenten Ansprechpartner bei der Stadt hat.

Open-Air-Kino am Neuen Markt, Wochenmärkte am Abend und mit Musik – wären diese Dinge nicht auch in Eigenregie möglich?

Schröder: Wir denken daran, den Weihnachtsmarkt für unseren Stadtteil zu erweitern. Ein Sommerkino – auch in Echterdingen – wäre eine tolle Aktion. Dennoch kommen wir auch an unsere Grenzen. Krautfest, Adventszauber, Lampionumzug: Das muss alles organisiert werden. Damit sind wir stark beschäftigt und brauchen die Unterstützung durch die Stadt. Die Aufgabenbereiche von Herrn Wagner haben sich vergrößert. Der Stadtmarketingchef soll Oberbürgermeister Roland Klenk mehr zur Seite stehen. Deshalb denke ich, dass das Stadtmarketing-Team Unterstützung braucht.

Faßbender: In Leinfelden geht es um die Entwicklung des Neuen Marktes. Den Wochenmarkt dort abzuhalten, ist eine Idee des Verbunds Leinfelder Geschäfte, einer BdS-Untergruppe. Eine Stadt, die auch nach Ladenschluss Programm bietet, davon profitieren alle. Auf der vom Gemeinderat kritisierten Liste stand auch die LE-Card, eine Art Kreditkarte, die man nur vor Ort als Zahlungsmittel einsetzen kann. Davon würde der Einzelhandel durchaus profitieren. Hier braucht es jemand, der sich in das Projekt hineinknien kann.

Was muss jetzt also passieren?

Schröder: Ich wünsche mir, dass eine Stellenerweiterung für das Stadtmarketing kommt und der Gemeinderat dem Team die Freiheit und das Vertrauen gibt, eine Stadtentwicklung umzusetzen.

Faßbender: Wenn die Stellenerweiterung nicht kommt, sehen wir große Probleme, was neue Projekte angeht. Der jetzige Stillstand ist jedenfalls keine Lösung.




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