Leinfelden-Echterdingen Flüchtlinge müssen zum Duschen in den Container

Von Natalie Kanter 

Vor etwa zwei Jahren hat ein Wasserschaden mehrere Badezimmer im Musberger Flüchtlingsheim unbrauchbar gemacht. Bis dato ist unklar, wer für den Schaden aufkommen muss.

Im Frühjahr 2017 rollten die Bagger vom Gelände der Musberger Flüchtlingsunterkunft. Wenige Zeit spät trat schon der Wasserschaden auf. Foto: Archiv Natalie
Im Frühjahr 2017 rollten die Bagger vom Gelände der Musberger Flüchtlingsunterkunft. Wenige Zeit spät trat schon der Wasserschaden auf. Foto: Archiv Natalie

Leinfelden-Echterdingen - Eine Dusche in der Wohnung oder zumindest auf dem Flur zu haben, das ist sicherlich kein Luxus, sondern sollte Standard sein. Für einige Bewohner der städtischen Flüchtlingsunterkunft an der Musberger Ulrichstraße sieht die Situation dennoch anders aus. Sie müssen zum Duschen raus aus dem Haus und zu einem Container laufen, für den sie nach Angaben der Stadt einen Schlüssel haben. Einer Flüchtlingshelferin nach handelt es sich dabei um drei Duschzellen mit Vorhang. Sieben bis acht Frauen aus beiden Gebäuden würden dort duschen und seien auch für die Reinigung der Kabinen verantwortlich. „Sauber ist es nicht“, sagt sie. Große Pfützen wären vielmehr auf dem Boden zu finden.

Der Grund für diese Situation: Ein Wasserschaden hat die Duschen mehrerer Wohnungen des Heimes unbrauchbar gemacht, und zwar bereits wenige Monate, nachdem das Gebäude im Frühjahr 2017 in Betrieb gegangen war. Bis dato ist nicht geklärt, wer den Schaden verursacht hat. Damit ist auch unklar, wer für den Schaden aufkommen muss.

Stadt streitet mit einem Generalunternehmen

„Wir befinden uns im Streitfall mit einem Generalunternehmen“, sagt Johann Schmidt, der Vizeleiter des zuständigen städtischen Amtes. Das Unternehmen war einst mit dem Bau der Unterkunft beauftragt, hat aber Teile der Arbeiten an andere Firmen vergeben. „Wir versuchen, uns gütlich zu einigen“, sagt Schmidt. Und: „Das dauert länger, als wir gedacht haben.“ Aber die Situation solle keine Dauerlösung werden.

Nach Angaben der Flüchtlingshelferin wurden in einer der Wohnungen, in der offenbar zwei Familien leben, die Fliesen zwischen der stillgelegten Dusche und der Toilette entfernt. An dieser Stelle steige übel riechendes Wasser aus dem Boden auf. Die Familien, die froh waren, kurzfristig eine Unterkunft zu bekommen, teilen sich eine Küche und die Toilette mit einem Waschbecken.

Der Stadt ist die Situation durchaus bekannt. „Wenn wir die Möglichkeit haben, die Leute anderswo unterzubringen, machen wir das“, sagt Peter Löwy, der Leiter des Amtes für soziale Dienste. Aber: Der Druck, Flüchtlinge aufzunehmen, sei nach wie vor sehr hoch. Die Stadt kann also nicht alle vom Wasserschaden betroffenen Wohnungen leer stehen lassen. Immer wieder müssen dort Flüchtlinge mit Bleiberecht untergebracht werden.

Städtische Unterkünfte sind seit 2017 voll

Die Flüchtlingszahlen sind nach den Worten von Löwy zwar deutlich zurückgegangen. Zum Vergleich: 2019 muss die Stadt L.-E. für 53 Menschen, für die zuvor der Landkreis zuständig war, eine Bleibe finden. Im Jahr 2017 waren es 243. Zur Erinnerung: Der Kreis ist für Menschen zuständig, die Asyl beantragt haben, die Stadt für jene mit Bleiberecht. Die Situation habe sich zwar entspannt, doch der Großteil der Geflüchteten bleibe in Leinfelden-Echterdingen wohnen. „Viele Menschen sind hier mittlerweile gut integriert“, sagt Löwy, „auch dank der zahlreichen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer, die es in der Stadt gibt“.

Derzeit leben insgesamt 450 bis 500 Flüchtlinge in L.-E., sagt Löwy. Sie kommen aus Syrien, aus Afghanistan, dem Irak oder aus Schwarzafrika. Die Kommune unterhält zehn Unterkünfte. Manche Flüchtlinge wohnen mittlerweile auch in privaten Unterkünften. Weil der Wohnungsmarkt auf den Fildern überspannt ist, finden nur wenige eine Bleibe. „Es ziehen nicht so viele Menschen aus unseren Unterkünften aus“, erklärt Löwy. Will heißen: „Unsere Unterkünfte sind seit dem Jahr 2017 voll.“

Hinzu kommt: Flüchtlinge, die zunächst allein nach Deutschland gekommen sind, holen ihre Familie nach. Dabei könne es sich um die Ehefrau eines Mannes handeln oder auch um eine fünfköpfige Familie. Der sogenannte Familiennachzug sei für die Stadt nur schwer kalkulierbar. „Wir erfahren davon meist recht kurzfristig“, erklärt der Amtsleiter. Deshalb sucht die Stadt auch nach wie vor private Unterkünfte für Flüchtlinge mit Bleiberecht – über das Projekt L.-E. mietet.