Beim Bauprojekt „KaepseLE“ sollen die Themen Ökologie, Ökonomie und Soziales miteinander verwoben werden. Eventuell wird es sogar ein offizielles IBA-Projekt.

Echterdingen - Das Ziel ist nicht weniger als die Eier legende Wollmilchsau. In Leinfelden-Echterdingen sollen beim Projekt „KaepseLE“ im Neubaugebiet Goldäcker Wohnungen entstehen, die einerseits umweltschonend hergestellt und betrieben werden können. Andererseits sollen die Wohnungen bezahlbar bleiben. Während der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses am Dienstag unterstützten die Stadträte einstimmig das Vorantreiben des Projekts. Nun sollen Investoren gefunden werden.

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„Was wir heute als Innovation feiern, wird in zwanzig Jahren Standard sein“, ist Philipp Schwarz überzeugt. Er ist der Leiter des Planungsamtes auf dem Rathaus. Die Grundidee sei, dass sich Ökologie und Ökonomie beim Bauen nicht zwingend widersprechen. Auf vermutlich drei Baufeldern westlich der Goldäckerstraße am Siedlungsrand von Echterdingen sollen deshalb drei besondere Mehrfamilienhäuser geplant und gebaut werden. Viele Leitplanken wurden aber bisher noch nicht abgesteckt. Vermutlich werde viel mit Holz gebaut, so Schwarz. Holz als Baustoff wachse nach und binde obendrein noch CO2. Doch die Verwaltung gehe „technologieoffen“ in die weitere Konzeptvergabe. „Das Projekt wird sich an seiner Machbarkeit messen lassen müssen und darf nicht an lebensfernen Vorgaben scheitern“, betont die Verwaltung.

Noch vor dem Bau wird an den Abriss gedacht

Das Ziel ist jedoch, dass die Emissionen, die beim Bau entstehen, nach 15 Jahren kompensiert sind. Überschüssige CO2-Emissionen müssen mittels Baumpflanzungen ausgeglichen werden. Und weil auch die Lebenszeit von Gebäuden begrenzt ist, sollen die Baumaterialien recycelbar sein. Noch vor dem Bau wird also bereits wieder an einen Abriss in der Zukunft gedacht. Die Gebäude sollen ohne die Entstehung von Sondermüll wieder abgetragen werden können.

Für den weiteren Weg zur Umsetzung habe die Stadtverwaltung von den Erfahrungen im Neubaugebiet Schelmenäcker profitiert. Darauf wies der Leiter der Abteilung für Stadtentwicklung und Bauleitplanung, Benjamin Irschik, hin. Unter anderem sollen Projektentwickler und Architekten getrennt voneinander gesucht werden. Außerdem soll die Verhandlungsphase nach der Auswahl der Projekte möglichst kurz gehalten werden. „Es ist durchgetaktet, das war uns wichtig“, sagte Irschik. Pro Baufeld sollen jeweils drei Büros angeschrieben werden. Ein offener Wettbewerb ist also nicht angedacht. Die Bauträger sollen sich möglichst unterscheiden. Denkbar wären Baugruppen, Genossenschaften oder sonstige Projektentwickler.

Gute Chancen, ein IBA-Projekt zu werden

Nun ist ökologisches Bauen allein noch keine Sensation. Der Clou in Leinfelden-Echterdingen ist, dass das Wohnen in den neuen Gebäuden erschwinglich bleiben soll. Dreißig Prozent soll aus gefördertem Wohnungsbau, zwanzig Prozent aus preisgünstigem Wohnungsbau zur Miete oder preisgünstiger Wohnungsbau als Eigentum bestehen. Die restlichen fünfzig Prozent der Wohngebäude erhalten keine Bindung.

Ganz ohne die Macht des Marktes geht es dann aber doch nicht. Der Quadratmeterpreis für das Bauland wurde von der Stadt auf 910 Euro bestimmt, was günstiger als die üblichen Marktpreise in Leinfelden-Echterdingen ist, wie Irschik betonte. Den Projektpartnern soll dadurch ein größerer Spielraum für den Einsatz neuer Bautechniken und -stoffe entstehen. Die Auswahl der Projektpartner solle über die Konzeptvergabe, nicht über den Preis erfolgen. Dadurch steigt auch die Chance, IBA-Projekt zu werden, was sich wieder in weiteren Fördermöglichkeiten niederschlagen könnte.

Anfang 2024 soll Baubeginn sein

Die Vorbereitungsphase ist nun abgeschlossen. Im Februar soll die dreimonatige Bewerbungsphase beginnen. Nach der Sommerpause folgt die Auswahl der Architekten. Anfang des Jahres 2023 könnte der Auslegungsbeschluss stehen. Mit einem Baubeginn rechnet das Planungsamt aktuell Anfang des Jahres 2024. „Wir wollen schnell bleiben“, sagte der Amtsleiter Philipp Schwarz. Unvorhergesehene Verzögerungen könnten allerdings überraschende archäologische Funde bewirken. Auch das ist eine Erkenntnis aus den Schelmenäckern. Eine Erkundung in den Goldäckern ist noch in diesem Jahr geplant.

Die Verkehrsanbindung soll über eine Nord-Süd-Achse erfolgen. „Das haben wir im Blick“, versprach Schwarz. Auch ein Radweg solle in das Konzept für die Verkehrsführung mit einfließen. „Es gibt schon Überlegungen.“

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