Leinfelden-Echterdingen Im Gartenhallenbad lauert die Kostenfalle

Das Innenleben des Gartenhallenbads  ist zum größten Teil mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Auch die Böden müssen  ausgetauscht  werden. Foto: N. Leven/G. Bergmann/N. Kanter
Das Innenleben des Gartenhallenbads ist zum größten Teil mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Auch die Böden müssen ausgetauscht werden. Foto: N. Leven/G. Bergmann/N. Kanter

Es geht dem Gartenhallenbad in Leinfelden an den Kragen. 53 Jahre ist es alt – und marode. Nun wird fieberhaft überlegt, was zu tun ist.

Leinfelden - Kaum hat der Gemeinderat in der Adventszeit den kommenden Haushalt beschlossen, kommt vermutlich in Kürze ein Thema ins Gremium, das viel Geld kostet: das Leinfeldener Gartenhallenbad. Es wurde vor 53 Jahren gebaut und vor 23 Jahren saniert. Schon seit einigen Jahren ist die Technik des Bades so marode, dass die SPD-Fraktion im Haushaltsplan die Verwaltung anfragte, warum im Plan nicht schon mittelfristig Geld für das Bad bereitgestellt werde. Die Verwaltung verwies darauf, dass in den Jahren von 2020 an insgesamt 20,5 Millionen Euro im Haushaltsentwurf enthalten seien. Die Stadt sei außerdem im Gespräch mit Architekten, es gebe drei Varianten zur Problemlösung, äußerte sich Oberbürgermeister Roland Klenk.

Ältere Menschen beschweren sich

„Wir drängen darauf, dass das Thema im Januar oder im Februar wieder auf die Tagesordnung im Technischen Ausschuss kommt oder Gegenstand der Beratung im Gemeinderat wird“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Erich Klauser. Immer wieder höre er vor allem von älteren Menschen, dass im Bad die Heizung ausfalle und es kein warmes Wasser gebe. „Wir haben deshalb Angst, dass die Technik lange vor dem Zeitpunkt versagt, den man befürchten muss. Wir brauchen Zeit, um für diesen Fall einen Plan B zu entwerfen“, sagt Klauser. Im Jahr 2013 hatte man die Sanierung des Gartenhallenbads noch auf 3,9 Millionen Euro geschätzt. Zur Verfünffachung der Kosten auf 20,5 Millionen Euro sagt der SPD-Stadtrat lapidar: „Wir bekommen ja nicht einmal eine Stadthalle für fünf bis zehn Millionen Euro hin, warum sollte dann ausgerechnet ein Hallenbad billiger werden?“

Auch Klauser erwähnt, dass es mehrere Varianten für die Problemlösung, darunter einen Neubau, gebe. Einer der Pläne beinhalte auch eine Saunalandschaft. „So etwas Teures brauchen wir nicht. Wir wollen ein normales Hallenbad mit einem gut funktionierenden Warmbadetag für Ältere.“ Schon Klausers Fraktionskollege Jens Zellmer hatte im Verwaltungsausschuss geäußert: „Ein Spaßbad brauchen wir nicht.“

Im Frühjahr soll dem Gemeinderat ein Vorschlag gemacht werden

Auch Oberbürgermeister Roland Klenk und Baubürgermeisterin Eva Noller treibt die Sorge vor dem frühzeitigen Versagen der Technik im Gartenhallenbad um. „Wir beraten zur Zeit noch verwaltungsintern und wollen dem Gemeinderat im Frühjahr einen Vorschlag unterbreiten“, sagt Noller. Der Standort des Bads am Stadtpark beim Schulzentrum habe einen hohen und wegen der Wirtschaftlichkeit wichtigen Nutzwert: „Es ist im Sommer und im Winter attraktiv und ersetzt wegen des Blicks in den Park ein Freibad.“ Die Schüler lernten das für die Selbstrettung und Rettung anderer unerlässliche Schwimmen, und die Gäste eines nahen Hotels hätten es auch nicht weit bis zum kühlen Nass.

Eine Untersuchung der Gebäudesubstanz vor zwei Jahren, sagt Noller, habe ergeben, dass der Rohbau nicht beschädigt sei: „Deshalb ist aus heutiger Sicht die Sanierung die bessere und wahrscheinlich günstigere Variante.“ Ein Abriss des Bads und ein Neubau an derselben Stelle käme nach dem momentanen Stand der Dinge vermutlich teurer: „Das Bad ist zweigeschossig, deshalb ist der Abriss mit hohem Aufwand verbunden.“ Wohlwollend betrachtet die Baubürgermeisterin die architektonische Qualität des Bads: „Wenn man neu bauen würde, könnte man dieselbe Qualität des Gebäudes nicht mehr erhalten. So wie es jetzt dasteht, ist es schöner als vermutlich jeder Neubau.“ Leinfelden habe kaum noch erhaltene Bausubstanz aus vergangenen Tagen: „Deshalb sollte man nicht immer alles austauschen.“

Es hieß: Keine Gefahr im Verzug

Bereits vor vier Jahren hatte ein Büro aus Bad Urach die Kosten für die zweite Sanierung des Gartenhallenbads ermittelt. Nach einer Veränderung war die Expertise jedoch vom Baudezernat nicht weiterbearbeitet worden. Kurz nach dem Wechsel des damaligen Baubürgermeisters Frank Otte nach Osnabrück tauchte sie im Juni 2013 wieder auf. Damals waren OB Roland Klenk und die Gemeinderäte erleichtert, dass keine Gefahr im Verzug sei. Dennoch war klar, dass bald etwas getan werden musste.

Laut dem Gutachten des Bad Uracher Büros entspricht die Treppenanlage nicht mehr den heutigen Anforderungen. Diese muss ebenso wie die Böden und die elektrischen Leitungen ausgetauscht werden. Auch der Brandschutz muss auf den Stand der Zeit gebracht werden, und die sanitären Anlagen und die Heizung entsprechen längst nicht mehr heutigen Standards. Unter dem Zwang, Geld zu sparen, einigte sich der Gemeinderat in einer Klausurtagung im Jahr 2014 jedoch darauf, das Bad so lange wie möglich im jetzigen Zustand zu betreiben.




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