Leinfelden-Echterdingen Im Ringerstreit ist kein Frieden in Sicht

Von Natalie Kanter 

Ende vergangenen Jahres gab es einen Hoffnungsschimmer für eine Lösung im Musberger Ringerstreit. Doch der ist inzwischen wieder erloschen. Wir erklären, was gerade Stand der Dinge ist in dem Konflikt, der den Ort in Atem hält.

Der Ringerweltmeister Frank Stäbler hat einen Kompromissvorschlag gemacht, doch der TSV-Vorsitzende hat diesen abgelehnt. Warum? Foto: Archiv Thomas Krämer
Der Ringerweltmeister Frank Stäbler hat einen Kompromissvorschlag gemacht, doch der TSV-Vorsitzende hat diesen abgelehnt. Warum? Foto: Archiv Thomas Krämer

Musberg - Seit wenigen Tagen hat es die Stadt Leinfelden-Echterdingen Schwarz auf Weiß: Der TSV Musberg und der Kraftsportverein (KSV) Musberg stehen sich weiter unversöhnlich gegenüber. Der Funken Hoffnung auf eine Annäherung im seit Jahren andauernden Ringerstreit, den es vor Weihnachten noch gegeben hat, ist wieder erloschen. TSV-Chef Joachim Beckmann hat Nein gesagt, zu dem Vorschlag, den der Ringerweltmeister Frank Stäbler ins Spiel gebracht hat. Dies hat Beckmann nun auch Sportbürgermeister Carl-Gustav Kalbfell schriftlich mitgeteilt, der das Ganze nicht kommentieren will.

Der TSV Musberg hat den als Ringerraum bekannten Musberger Gymnastikraum nun auch wieder mit unterschiedlichen Kursen belegt. Was zur Folge hat, dass der Ringerweltmeister diesen für seine Vorbereitung auf die Olympischen Spiele nicht mehr so wie zuvor nutzen kann. Obwohl die Stadt dazu im Frühjahr des vergangenen Jahres eine klare Regelung aufgestellt hat. Auch die Ringerjugend und der Ringerkindergarten, die seit Juni nicht mehr in den Raum dürfen, haben weiterhin keinen festen Trainingsort.

Das Friedensangebot des Weltmeisters

Aber der Reihe nach: Frank Stäbler hatte Oberbürgermeister Roland Klenk sowie Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell vor wenigen Wochen einen Vorschlag unterbreitet, den sein Trainer und KSV-Vorsitzender Andreas Stäbler gegenüber unserer Zeitung als ein Friedensangebot bezeichnet. Der Spitzensportler hatte angeboten, auf seine Trainingszeiten in dem Gymnastikraum zu verzichten, wenn dann die Ringerjugend und der Ringerkindergarten just zu diesen Zeiten den Raum nutzen dürften.

Zur Erinnerung: Der Raum gehört der Stadt. Der TSV Musberg, von dem sich der Kraftsportverein losgesagt hat, hat allerdings die Schlüsselgewalt. Frank Stäbler durfte die Trainingsstätte dennoch bisher am Montag- und Donnerstagabend sowie an vier Vormittagen in der Woche für sich und seine Trainingspartner nutzen. Diese Regelung hat die Stadt am 22. März vergangenen Jahres mittels eines Briefes festgelegt. Sie gilt bis zu Stäblers Teilnahme bei den Olympischen Spielen im Sommer dieses Jahres.

Der Weltmeister selbst trainiert seit Kurzem in einem ehemaligen Hühnerstall auf dem Hof seines Vaters. Diesen Stall hat der KSV in den vergangenen drei Monaten zu einer Trainingsstätte mit Matte und Heizung umgebaut, wie KSV-Vorsitzender Andreas Stäbler sagt. Allerdings fehlen dort die Kraftgeräte, die es in dem Gymnastikraum gibt und die dem TSV Musberg gehören. Zum Krafttraining muss der Dreifachweltmeister bisher also noch ab und an in den städtischen Raum.

Zurück zu dem Friedensangebot: Frank Stäbler sei zuversichtlich aus dem Gespräch mit der Verwaltungsspitze herausgegangen, sagt Andreas Stäbler. Auch Oberbürgermeister Roland Klenk konnte dem Vorschlag viel Positives abgewinnen. Unserer Zeitung sagte der Rathauschef in einem Interview dazu: „Beide Vereine haben einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der hohe Schnittmengen aufweist und sich nur in einem Punkt unterscheidet, der bei guten Willen nicht grundlegend sein wird.“ Er wertete dies als einen Lichtschimmer in dem kräftezehrenden Streit. Wenn sich die beiden Parteien dennoch nicht einigen sollten, gelte weiterhin die alte Regelung.

Der Vorschlag sei kein Kompromiss

Auch TSV-Chef Joachim Beckmann wäre für ein Entgegenkommen bereit gewesen. Von Frank Stäblers Vorschlag hält er allerdings wenig. „Das ist kein Kompromiss“, sagt er unserer Zeitung auf Nachfrage. „Denn von einem Kompromiss haben beide Seiten etwas.“ Frank Stäblers Vorschlag würde aber bedeuten, dass die Ringerjugend und auch der Ringerkindergarten, den der KSV dem TSV laut Beckmann weggenommen hat, weiter unter der Trägerschaft des KSV bleibe und eben nicht, wie gewünscht, zum TSV Musberg zurückkehre. „Die Kinder und Jugendlichen werden von verschiedenen Ehrenamtlichen trainiert“, sagt dazu KSV-Vorsitzender Stäbler. Doch auch diese Trainer wollten mittlerweile nicht mehr dem TSV Musberg angehören.

Immerhin: Der Musberger Trainingsraum steht nicht mehr leer. TSV-Chef Beckmann hat den Belegungsplan zum neuen Jahr frisch aufgestellt. Hobbysportler werden sich dort fortan zum Tanzen, zur Gymnastik oder auch zum Yoga treffen. Zwei Abende sind für Frank Stäbler reserviert. Den Montagabend kann Beckmann dem Weltmeister nicht mehr anbieten. „Das ist für uns ein Problem“, sagt er.

KSV-Chef Stäbler sagt dazu: „Mit diesen Zeiten kann Frank Stäbler nur wenig anfangen.“ Außerdem gehe der Weltmeister davon aus, dass weiterhin die Regelung gilt, welche die Stadt im März für den Ringerraum getroffen habe. Heißt: Es kann nun also passieren, dass Montagabend ein Spitzensportler sowie Mitglieder des TSV Musberg gleichzeitig in den Raum wollen.