Leinfelden-Echterdingen Ist der Unterricht heute digital genug?

Von Natalie Kanter 

Videos, Beamer und Computer sind nicht mehr wegzudenken. Doch wie gut bereiten Schulen Kinder und Jugendliche darauf vor? Zu wenig, finden viele. Verbesserungen würden allerdings einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Kinder müssen an den Computer herangeführt werden. Die Frage ist, ab welchen Alter?Kinder müssen an den Computer herangeführt werden. Die Frage ist nur, ab welchen Alter?Kinder sollten an die Welt der Computer herangeführt werden. Die Frage ist: Ab welchem Alter? Foto: dpa
Kinder müssen an den Computer herangeführt werden. Die Frage ist, ab welchen Alter? Kinder müssen an den Computer herangeführt werden. Die Frage ist nur, ab welchen Alter?Kinder sollten an die Welt der Computer herangeführt werden. Die Frage ist: Ab welchem Alter? Foto: dpa

Leinfelden-Echterdingen - Einen schnellen Internetanschluss hält Wolfgang Krause, Leiter des Echterdinger Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasiums, für dringend notwendig. „Den sollten wir möglichst schnell haben“, sagt er. Die Stadt als Schulträger hat diesen für das Jahr 2019 versprochen. „Das wäre noch im Rahmen“, erklärt er.

Wünschenswert wäre, wenn alle Klassenräume mit einem Beamer, einem Notebook und einer Dokumentenkamera ausgestattet wären, erklärt der Direktor. Denn dann könnten es sich die Lehrkräfte sparen, Folien zu produzieren und die Lehrinhalte via Overhead-Projektor an die Wand zu werfen. „Ich unterrichte Geschichte“, sagt er. „Und ich empfinde das Arbeiten mit Folien als einen großen Rückschritt.“

Als Übergangslösung wertet er die Medienwagen – mit Beamer, Notebook und Kamera – die es an der Schule gibt. Sie können von den Lehrern ausgeliehen werden, seien aber sehr beliebt. An dem Gymnasium wird gerade ein multimedialer Raum für Schüler eingerichtet. Bis zu zehn Schüler können dort künftig selbstständig ein Thema erarbeiten. Krause hält es für richtig, dass Schüler ab der Klassenstufe sieben zum Lernen auch den Computer nutzen, mit Videos und Fotos arbeiten.

Auch die Leinfelder Ludwig-Uhland-Schule, eine Grund- und Werkrealschule, ist in Sachen Digitalisierung bereits auf einem guten Weg. „Durch die Nähe zur Filderhalle sind wir schon am Breitband angeschlossen“, sagt Schulleiterin Gabriele Roegers. „Wir haben zwei Computerräume, die wir künftig auch mit Grundschülern nutzen können.“ Die Grundschule ist mit W-LAN ausgestattet. Dass alle Schüler im Unterricht am Laptop sitzen – das will man an der Ludwig-Uhland-Schule aber nicht. „Da haben wir uns dagegen entschieden“, sagt sie. Auch weil dies einen enormen technischen Aufwand bedeute. Dennoch: „Wir wollen, dass es an unserer Schule so schnell, wie möglich weiter vorwärtsgeht mit der Digitalisierung.“

Tafel gegen Whiteboard getauscht

Die Schule hat nun aus eigenen Mittel zwei interaktive Beamer gekauft: einen für die Grundschule und einen für den Fachraum für Naturwissenschaften. Die normale Tafel wird gegen eine Art Whiteboard ausgetauscht. Via Computer werden die Lerninhalte und erklärende Videos auf dem Board dargestellt. Sobald die Stadt im kommenden Jahr weiteres Geld für die Digitalisierung bereitstellt, sollen weitere Geräte angeschafft werden.

184 000 Euro und damit 50 Euro pro Schüler in L.-E. sind laut Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell in dem Etat 2019 eingestellt. Dieser muss noch verabschiedet werden. Die Kommune wartet zudem auf den Geldsegen, den Land und Bund in Sachen Digitalisierung von Schulen in Aussicht gestellt hat. Mit fünf Milliarden Euro will der Bund die Digitalisierung in Schulen in Deutschland vorantreiben. Das Geld soll den Ländern zur Verfügung gestellt werden. Die Länder und Kommunen verpflichten sich im Gegenzug, die neue Technik zu warten, Lehrkräfte zu qualifizieren und pädagogische Konzepte zu erarbeiten. Der Knackpunkt: Für den Digital-Pakt muss bis Jahresende das Grundgesetz geändert werden, das bislang den Ländern die Hoheit über das Thema Bildung garantiert.

Kalbfell sagt dazu: Man müsse weiter abwarten. Es gebe noch kein klares Programm. Um aber vorbereitet zu sein, hat die Verwaltung den Kommunalpolitikern hinter verschlossenen Türen „erste Ideen“ präsentiert, welche örtlichen Schulen, in welchem Tempo digitalisiert werden sollen. Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell sieht den Schwerpunkt im Bereich der weiterführenden Schulen. Wenn aber eine Grundschule – wie beispielsweise die Leinfelder Schönbuchschule – saniert wird, dann gelte es die Digitalisierung gleich mitzudenken, also entsprechende Steckdosen, Leitungen und Lehrrohre mitzuplanen.

Wirbel über Geld und Zeit

Die Verwaltung hat den Stadträten auch eine erste, grobe Kostenschätzung zu ihrer Ideensammlung präsentiert. Dem Vernehmen nach müsste die Stadt 34 Millionen Euro investieren, um die Schulen in Schuss zu bringen und gleichzeitig in Sachen Digitalisierung voranzubringen. Diese hohe Summe hat bei Kommunalpolitikern für Verwirrung gesorgt, genauso wie die präsentierte Zeitschiene. Demnach hätte man in manchen Schulen, erst im Jahr 2034 mit der digitalen Aufrüstung begonnen. „Wenn wir erst dann starten, brauchen wir erst gar nicht anfangen“, ist zu hören. „Dann werden wir mehrfach vom technischen Fortschritt überholt.“ Aber auch: „Kinder müssen fit gemacht werden für die digitale Welt. Die Frage ist nur, ab welchem Alter?“

Die Elternvertreter hört man öfter sagen: „Im Bereich der Digitalisierung erfindet sich die Welt alle fünf Jahre neu.“ Und sie konstatieren: „Die Kinder müssen mit diesen Dingen aufwachsen.“ Das bedeutet, dass bereits Dritt- und Viertklässler sanft an den Computer herangeführt werden sollten. Der Gesamtelternbeirat von L.-E. fordert seit Jahren, dass die Stadt als Schulträger die Voraussetzung dafür schafft, dass der gültige Medienentwicklungsplan in L.-E. umgesetzt werden kann. Karsten Finger, der Vorsitzende, fragt, ob die notwendige Netzwerk-Infrastruktur und Elektroinstallation dafür überall vorhanden sind? Und genau daran mangelt es offenbar an vielen Schulen – wenn auch nicht an allen.




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