Die 28-Jährige Lara Moltenbrey will die CDU-Fraktion in Leinfelden-Echterdingen verlassen. Stadträtin will sie dennoch bleiben.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Lara Moltenbrey gehört zu den wenig jungen Frauen, die seit Juni 2024 in der Kommunalpolitik von Leinfelden-Echterdingen mitwirken. „Eine Aufgabe, die ich mit viel Freude und großem Respekt vor dem Mandat ausübe“, sagt die 28-Jährige. Und: „Meine Überzeugung ist es, dass Meinungsvielfalt und politischer Diskurs die besten Entscheidungen hervorbringen.“ Die Ärztin und Mutter eines mittlerweile 16 Monate alten Sohnes erhielt über die Liste der CDU ihr Mandat und war seitdem Teil der CDU-Fraktion. Sie hatte sich unter anderem gemeinsam mit anderen jungen Leuten aus dem Gremium dafür eingesetzt, dass das politische Ehrenamt besser mit Beruf und Familie vereinbar ist.

 

Nun aber hat die überzeugte Christdemokratin erklärt, die CDU-Fraktion verlassen zu wollen – mittlerweile auch gegenüber dem Oberbürgermeister Otto Ruppaner und dem städtischen Hauptamt in schriftlicher Form. Die junge Stadträtin hat sich diesen Schritt nicht leicht gemacht, wie sie sagt. Sie habe aber keine andere Option für sich gesehen. Denn: „Zuletzt war es nicht mehr möglich, unterschiedliche Auffassungen ergebnisoffen zu diskutieren“, begründete sie ihre Entscheidung am Rande der jüngsten Gemeinderatssitzung. Dort hat sie auch gesagt: „Abweichendes Abstimmungsverhalten in einzelnen Fragen wurde leider nicht als Teil einer lebendigen Demokratie verstanden.“

CDU-Stadrätin Lara Moltenbrey gibt Beispiele

Als Beispiele dafür nennt sie gegenüber unserer Zeitung die Diskussion um die Zukunft des Spielkartenmuseums und die Haushaltsdebatte Anfang dieses Jahres. Zuletzt sei sie aus der fraktionsinternen Kommunikation ausgeschlossen worden. Sie habe keine Nachrichten mehr erhalten, auf ihre wurde nicht reagiert. Sie sei faktisch schon kein Teil dieser Gruppe mehr gewesen. Unter diesen Umständen sei eine „vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit“ nicht mehr möglich, betont sie.

Der CDU als Partei will sie aber treu bleiben, „ich stehe fest zu ihren Werten“, sagt sie. Lara Moltenbrey will auch Stadträtin bleiben. Ihren Wählerauftrag wolle sie „weiter engagiert und zuverlässig im Sinne unserer Stadt erfüllen“.

Lara Moltenbrey ist seit Sommer 2024 Stadträtin von Leinfelden-Echterdingen. Foto: Natalie Kanter

Sie macht ihren Sitz im Gremium also nicht frei, damit kann auch niemand von der CDU-Liste nachrücken. Ob sie künftig Einzelstadträtin sein wird – oder aber bei einer anderen Fraktion Unterschlupf finden wird – das ist noch offen. Das wolle sie auf sich zukommen lassen. Das müsse sie auch erst noch klären. „Ein Schritt nach dem anderen“, sagt sie.

Fraktionsvorsitzende Ilona Koch reagiert auf den Austritt

Die Fragen stellen sich laut der Fraktionsvorsitzenden Ilona Koch nun aber auch die Mitglieder der Fraktion und des CDU-Stadtverbandes. Ilona Koch wünscht sich dazu und auch insgesamt ein klärendes Gespräch. Denn sie bedauert die Entscheidung von Lara Moltenbrey. „Sie hat mit ihrer abweichenden Meinung die fraktionsinterne Diskussion oftmals bereichert. Und damit dafür gesorgt, dass am Ende ein abgewogenes und gesichertes Ergebnis entstanden ist.“ Unterschiedliche Meinungen zu hören und auszudiskutieren sei gerade in der Kommunalpolitik wichtig und gut. Sie könne nachvollziehen, dass es der jungen Stadträtin schwer gefallen ist, Mehrheitsmeinungen zu akzeptieren. Demokratisch gefasste Beschlüsse zu akzeptieren – das müsse man erst lernen. Diese Erfahrung habe sie einst auch gemacht, betont Ilona Koch.

Seitens der Stadtverwaltung heißt es am Freitag: „Lara Moltenbrey bleibt weiterhin Mitglied im Gemeinderat und im Sozialausschuss.“ Sie werde auf der städtischen Webseite als „ohne Fraktion“ geführt.