Damit die Erde lebenswert bleibt, stellen immer mehr Kommunen Klimaschutzexperten ein. Erreichen Städte so ihre Klimaziele wirklich schneller? In Leinfelden-Echterdingen wird daran aus verschiedenen Gründen Zweifel laut.

Beim Klimaschutz drängt die Zeit. Immer mehr Kommunen haben dies erkannt und leisten sich eigene Klimaschutzmanager. Robin Hecker leitet seit einem Jahr die neu eingerichtete Stabsstelle für Klimaschutz in Leinfelden-Echterdingen. Die Erwartungshaltung war groß, als nun ein Bericht des Stabstellenleiters zur Klimaschutz-Agenda im Gemeinderat angekündigt war. Am Ende des Vortrages aber schlug Robin Hecker viel Kritik entgegen.

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Die Kommunalpolitiker hatten sich konkrete Maßnahmen erhofft und eine aktivere Rolle der Stabsstelle in die Bürgerschaft hinein. „Wir haben nicht mehr viel Zeit, wenn wir den nächsten Generationen keine Erde überlassen wollen, die nicht mehr lebenswert ist“, schimpfte Martin Klein (Grüne). „Wir können unsere Ziele nur erreichen, wenn wir die privaten Bürger mitnehmen“, machte Friederike Huber (Freie Wähler/FDP) deutlich. „Wir müssen schneller werden“, forderte Sabine Onayli (L. E. Bürger). Erich Klauser (SPD) sprach von einer Fleißarbeit – für die Robin Hecker viel Zeit gebraucht habe. Allein Ilona Koch von der CDU-Fraktion stimmte versöhnlichere Töne an. Und der Oberbürgermeister Roland Klenk versuchte zu vermitteln: „Ich habe Verständnis dafür, dass heute viele konkrete Dinge erwartet haben.“ Robin Hecker sei aber ein Einzelkämpfer, und Klimaschutz müsse gemeinsam angegangen werden.

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Robin Hecker hatte sich in seinem Bericht weitgehend darauf beschränkt, darzustellen, was die Stadt in Sachen Klimaschutz bereits getan hat. Er erinnerte daran, dass die Kommune 2010 ein Klimaschutzkonzept erstellen ließ, von dessen 33 Maßnahmen nur acht umgesetzt wurden, weil die meisten zu unkonkret formuliert waren und keine klaren Zuständigkeiten hinterlegt wurden. Er stellte fest, dass das Mobilitätskonzept und das Parkraumkonzept schon gute Grundlagen für ein neues Klimaschutzkonzept seien, und er erklärte wie sich das geplante innovative Baugebiet Kaepsele in das Thema einfügt.

Weg vom Gas, hin zur Solarenergie

Dabei hat der Stabsstellenleiter durchaus konkrete Ideen parat, wie es der Stadt Leinfelden-Echterdingen gelingen kann, bis 2040 klimaneutral zu werden. „Klar ist, dass wir weg vom Gas müssen, hin zu regenerativen Energielösungen“, sagt er unserer Zeitung. Der größte Impuls hierzu sei die kommunale Wärmeplanung. Die Stadtwerke haben vor, ein lokales Wärmenetz quartiersweise aufzubauen. Hierzu wolle er Gespräche mit den Verantwortlichen führen. Möglichst viele Haushalte sollten von der fossilen Energiewärmeversorgung zur regenerativen Nahversorgung wechseln können.

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„Die Sonne ist auf den Fildern der wichtigste Energieträger“, sagt Hecker. Windkraft falle wegen des Flughafens weg, Wasser sei zu wenig vorhanden. Es gelte also, den Ausbau von Fotovoltaik voranzutreiben. Aktuell müssten dazu die Gebäudedächer ausgenutzt werden. Der Gemeinderat habe schon beschlossen, dass sich die Stadtwerke am Ausbau solcher Anlagen auf städtischen Liegenschaften beteiligt. „Man muss aber noch weiter in die Fläche gehen“, sagt er.

Fotovoltaik entlang der Autobahn

Es werde untersucht, ob sich für Solaranlagen auch größere Flächen im Stadtgebiet eignen und ob die Stadt entlang der Autobahn A8 und der Schnellstraße B27 größere PV-Anlagen aufstellen kann. Angedacht ist auch, Informationsveranstaltungen und Workshops für Bürger anzubieten.

Robin Hecker nimmt die Kritik übrigens sportlich. „Weil die Stelle neu geschaffen wurde, galt es aus meiner Sicht, zunächst abzuklopfen, was schon gemacht wurde, um auf dieser Basis ein ganzheitliches Maßnahmenpaket aufzubauen“, sagt er unserer Zeitung. Eine Gruppe wird nun gebildet, in der jede kommunalpolitische Fraktion vertreten ist. Gemeinsam soll ein tragfähiges Klimakonzept für die Stadt Leinfelden-Echterdingen erstellt werden. Schließlich habe der Gemeinderat am Ende auch das Heft des Handels in der Hand.

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