Leinfelden-Echterdingen Mit Grips durch den Stau

Von Thomas Krämer 

Wunschdenken oder doch Hilfe gegen den Verkehrsinfarkt? Ein hochgradig digitales Verkehrsmanagementsystem soll die Effizienz auf den Straßen steigern. Die Große Kreisstadt könnte sich ab 2024 an der Mobilitätsplattform beteiligen.

Der Ausbau der B27 ist eine Zukunftsvision, der alltägliche Stau aber leider nicht. Welche intelligenten Lösungen möglich wären, soll ein Projekt zeigen. Foto: Thomas Krämer
Der Ausbau der B27 ist eine Zukunftsvision, der alltägliche Stau aber leider nicht. Welche intelligenten Lösungen möglich wären, soll ein Projekt zeigen. Foto: Thomas Krämer

Leinfelden-Echterdingen - Bei den Einen bringt Stau das Blut zum Kochen. Bei Anderen regt es die Fantasie an. So zum Beispiel: Der Verkehr stockt. Wieder einmal. Klar, es ist mitten im morgendlichen Berufsverkehr und der Ausbau der Schnellstraße auf sechs Spuren hat gerade erst begonnen. Die Ursache ist ein Unfall, wie auf Vario-Schildern zu lesen ist. Vor zwei Jahren war dieses intelligente Verkehrsleitsystem in Betrieb genommen worden, das flexibel auf die Verkehrsströme reagiert und schnellere Alternativen aufzeigt.

Und jetzt kommt der Clou: Elektronische Schilder, die von einer Zentrale gesteuert werden, leiten den Autofahrer an der nächsten Ausfahrt auf eine Umleitung. Auch hier reiht sich bereits Auto an Auto. Aber die Grünphase der Ampeln auf der Strecke ist deutlich verlängert worden. Beim letzten Stau war den Autofahrern sogar empfohlen worden, beim nächsten P+R-Parkhaus in die S-Bahn umzusteigen. Die Anlage hatte dafür einen Zeitvorteil von einer Viertelstunde angegeben.

Leinfelden-Echterdingen ist vorerst nicht dabei

Dieses Szenario ist fiktiv. Ob es jemals Wirklichkeit werden wird, kann momentan nicht gesagt werden. Doch die Planungen für eine „Regionale Mobilitätsplattform“ sind real und wurden kürzlich im Technischen Ausschuss in Leinfelden-Echterdingen vorgestellt. Alle Beteiligten – darunter Regierungspräsidium, Landkreise sowie einige Städte und Gemeinden, analysieren in dieser ersten Phase die Verkehrsströme und überlegen sich mögliche Maßnahmen, die in der zweiten Phase umgesetzt werden sollen.

Grundgedanke ist, dass in der Region enger zusammengearbeitet und ein regional abgestimmtes, gebietsübergreifendes dynamisches Straßenverkehrsmanagement aufgebaut wird. So soll der Verkehr auf den Straßen besser fließen, die Effizienz gesteigert werden. Bis 2020 soll die technische Vernetzung der Systeme realisiert und fünf Teilnetze modellhaft umgesetzt werden.

Doch das geschieht zumindest vorerst ohne Beteiligung von Leinfelden-Echterdingen. „Wir sind aus der Projektphase eins schon draußen“, sagte Baubürgermeisterin Eva Noller über das nach ihren Worten aufwendige Projekt, „das ging alles hopplahopp.“ Man könne jedoch in der nächsten Phase dabei sein. Wenn man will. Denn die Skepsis im Gremium ist groß, es fielen Aussagen wie „wunderbares Wunschdenken“ oder „wachsweiche Planung“. Nicht zuletzt auch deswegen, weil die angedachte Zusammenarbeit mit anderen Kommunen immer ein bisschen schwierig gewesen sei, wie es heißt.

Die Umsetzung könnte teuer werden

Doch gerade das ist für Andreas Waibel der Knackpunkt. „Es ist klar, dass die Verkehrsprobleme nicht in einer einzelnen Kommune gelöst werden können“, so der Leiter der Tiefbauabteilung der Stadt. Bei entsprechendem Beschluss durch die Gremien könnte die Kommune möglicherweise ab 2024 auf den Zug aufspringen und dann die bereits in anderen Kommunen mit der Mobilitätsplattform gemachten Erfahrungen nutzen.

Die Umsetzung könnte – auch wenn Fördermittel in Aussicht stehen – allerdings teuer werden, die geschätzten Kosten würden in dieser Projektphase gerade von den beteiligten Ingenieurbüros ermitteln. „Unsere Signalanlagen sind nicht vernetzt“, so Waibel. Das jedoch könne über Modems erfolgen. Auch Zählschleifen würden benötigt, um den zentralen Verkehrsrechner mit Daten zu füttern. Genutzt werden könnten auch Daten aus den vernetzten Fahrzeugen, die zukünftig in immer größerer Zahl auf den Straßen unterwegs sein werden.

Im Gegensatz zu einigen ihrer Ratskollegen blickt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ingrid Grischtschenko eher hoffnungsvoll auf die Mobilitätsplattform. Sie bezeichnet all die kleinen Maßnahmen als „Prophylaxe für den Infarkt“.




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