Leinfelden-Echterdingen Nabu sieht Goldwiesen bedroht

Unter anderem der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling fühlt sich in den Goldwiesen wohl. Foto: Sandra /Hintermayr
Unter anderem der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling fühlt sich in den Goldwiesen wohl. Foto: Sandra /Hintermayr

Die geplante Nord-Süd-Straße würde das Naherholungsgebiet zwischen Leinfelden und Echterdingen zerschneiden. Der Nabu ist aber auch noch aus anderen Gründen gegen das Straßenbauprojekt.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Leinfelden-Echterdingen - Aus Sicht der Nabu-Gruppe Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen sind die Goldwiesen Gold wert. Sie sind ein beliebtes Naherholungsgebiet und Lebensraum für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten, darunter im Land vom Aussterben bedrohten Rebhühner und eine geschützte Schmetterlingsart namens Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling.

Diese Idylle könnte bald der Vergangenheit angehören, befürchtet der Nabu. Denn aktuell wird in Leinfelden-Echterdingen wieder über den Bau der Osttangente diskutiert. Diese soll das Gewerbegebiet im Osten Leinfeldens sowie das Neubaugebiet Schelmenäcker mit dem bestehenden Straßennetz verbinden. Sie wird im Norden von Leinfelden an der Maybachstraße beginnen und 1,3 Kilometer weit in Richtung Süden bis zur Echterdinger Straße verlaufen. Und sie könnte der erste Teil der sogenannten Nord-Süd-Straße sein, die seit Jahrzehnten im Gespräch ist. Gemeint ist damit eine Verlängerung der Osttangente bis zur L 1208 in Richtung Steinenbronn.

Nabu befürchtet neuen Schleichverkehr durch die Ortschaften

Diese Nord-Süd-Straße würde dann auch die Goldwiesen „zerschneiden und versiegeln“, schreibt der Nabu in einer Stellungnahme zu dem Bauprojekt. Begründet werde diese Naturzerstörung mit dem „längst überholten Märchen von Entlastungsstraßen“. Der Nabu argumentiert: „Neue Straßen ziehen zwangsläufig und wie längst nachgewiesen neuen Verkehr an. Dies gilt gerade auch hier bei uns, da sich der Verkehr von den bereits bestehenden Entlastungsstraßen zurückverlagern wird.“ Die Osttangente wäre aus Sicht des Nabu eine Einladung für die Autofahrer, bei Stau auf der Autobahn und der B 27 sich einen Weg durch die Ortschaften zu suchen. „Wir entlasten die bestehenden Entlastungsstraßen auf Kosten unserer Stadt und legen eine neue Erschließungsstraße in unser bislang unzerschnittenes Naherholungsgebiet“, schreibt der Nabu und ergänzt: „Nach jedem Straßenbau durch Freiflächen folgen mit größter Sicherheit weitere Erschließungen der angeknabberten Restflächen zwischen Straße und jetzigen Siedlungsrändern.“

Der Nabu verweist auch auf die jüngsten Starkregenereignisse, unter anderem in Stetten und Filderstadt. „ Dies ist nicht außer Betracht zu lassen! Wenn es immer mehr versiegelte Flächen statt ausgedehnter Wiesen und auch weniger natürliche Bachläufe gibt, kann auch das Niederschlagswasser umso weniger zurückgehalten werden und mit Verzögerung natürlich abfließen.“ Das Goldwiesen-Gebiet mit seinem frischfeuchten Grünland und renaturierten Bachläufen leiste hierzu bislang einen wichtigen Beitrag. Wegen der Klimaveränderung würden aus wissenschaftlicher Sicht Wetterextreme zunehmen. „Für unser lokales Klima werden solche Freiflächen mit ihren Ausgleichsfunktionen immer wertvoller“, so der Nabu.

Das Straßenbauprojekt kostet Millionen

Der Bau der neuen Straße ist teuer. Allein der als Osttangente bezeichnete Abschnitt würde mit 17 Millionen Euro plus 1,24 Millionen Euro für den Grunderwerb zu Buche schlagen. Allerdings gibt es Hoffnung auf einen Zuschuss vom Land. Dennoch gibt es Kritik, auch unter den Mitgliedern des Gemeinderats in Leinfelden-Echterdingen. Die Grünen bezweifeln nicht nur, dass die aktuelle Kostenberechnung das Ende der Fahnenstange ist. Sie haben auch Sorge, dass mit dem Straßenneubau nicht mehr genug Geld für die Verlängerung der U5 zur Verfügung stehen könnte und dieses dann noch länger aus sich warten ließ. Auch der Nabu will „das viele Geld“ lieber in den Ausbau von Bus- und Bahnverbindungen investieren und so den Individualverkehr „wirksam reduzieren“. Das wäre „vernünftiger und besser“, heißt es in der Stellungnahme.




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