Leinfelden-Echterdingen Polizei muss noch überm Wirtshaus bleiben
Die Beamten sind schon längst nach Echterdingen gezogen. Der Leinfelder Posten steht leer, dennoch beginnt sein Umbau erst Ende 2022. Dafür gibt es gute Gründe.
Die Beamten sind schon längst nach Echterdingen gezogen. Der Leinfelder Posten steht leer, dennoch beginnt sein Umbau erst Ende 2022. Dafür gibt es gute Gründe.
Leinfelden-Echterdingen - Wer den Leinfeldener Polizeiposten sucht, findet ihn seit knapp eineinhalb Jahren in Echterdingen an der Burgstraße 6. Am Anfang hat dies für Verwirrung im Flecken gesorgt. „Manch einer ist erst mal zur Wache nach Filderstadt gefahren“, sagt Revierleiter Steffen Schmidt unserer Zeitung. Mittlerweile gibt es diese Probleme nicht mehr. „Heute weiß eigentlich jeder, wo der Posten ist.“ Die Wache liegt über dem Wirtshaus Paulaner, im Obergeschoss der alten Schule des ehemals eigenständigen Ortes. Die Räume sind eine Interimsunterkunft – solange der alte Posten in Leinfelden umgebaut wird. Doch mit diesen Arbeiten wurde noch nicht einmal begonnen.
Die Verzögerung liegt zum einem daran, dass die geplante Maßnahme mitten in die Hochphase der Pandemie gefallen sei, wie Thomas Schulz, Leiter der technischen Abteilung beim Amt für Vermögen und Bau des Landes Baden-Württemberg, sagt. Aber auch daran, dass es sich bei dem Haus am Kornblumenweg 4 um ein relativ altes Gebäude handelt. Denn: „In den 1960er Jahre wurden beim Häuserbau Dinge verarbeitet, die heutzutage als Schadstoffe gelten.“
Aber der Reihe nach: Der Leinfelder Polizeiposten ist eigentlich in einem ehemaligen Zweifamilienhaus zu Hause, es stammt aus dem Jahr 1964. Das Gebäude weist bauliche Mängel auf, entspricht nicht den Vorgaben für heutige Polizeigebäude. Bereits vor einigen Jahren fiel deshalb die Entscheidung, das Gebäude komplett zu sanieren, energetisch zu erneuern und in Sachen Sicherheit, Organisation und Polizeitechnik auf den neuesten Stand zu bringen.
Im Frühjahr 2020 haben die Leinfelder Beamten dann ihre Kisten gepackt. Seit mehr als einem Jahr gehen sie nun in Echterdingen ihrer Arbeit nach. Das Gebäude dort gehört der Stadt.
Die angemieteten Büros in der Interimsunterkunft sind geräumiger als jene in Leinfelden, liegen alle auf einem Stock, was laut Steffen Schmidt durchaus Charme habe. Allerdings gibt es keinen barrierefreien Zugang. Die Polizei ist über eine Treppe erreichbar, ein Aufzug fehlt. „Wenn jemand im Rollstuhl zu uns will, kommen wir zu ihm runter“, erklärt der Revierleiter.
Auch wenn sich alle zehn Kollegen schon darauf freuen, wieder zurück nach Leinfelden zu ziehen, werden sie wohl noch mehr als zwei Jahre lang von Echterdingen aus zu Unfällen fahren und auf Verbrecherjagd gehen müssen. Denn für den Umbau des Hauses am Kornblumenweg, das seit Mai 2020 leer steht, gibt es mittlerweile zwar eine Entwurfsplanung, wie Schulz sagt. Bis Ende des Jahres will das Amt das Baugesuch bei der Stadt einreichen. Mit dem Beginn der eigentlichen Arbeiten aber rechnet der Abteilungsleiter erst Ende 2022. Ende 2023 könnte dann – wenn alles nach Plan läuft – der Leinfelder Posten fertig saniert sein.
Um vor Überraschungen sicher zu sein und eine hohe Kosten- und Planungssicherheit zu erhalten, habe man sich entschieden, sich das Gebäude sehr genau anzuschauen. „Und das braucht Zeit“, sagt der Abteilungsleiter. Es wurde eine umfangreiche Schadstoffanalyse vorgenommen. Dabei hat man Asbestfasern und alte künstliche Mineralfasern an verschiedenen Stellen im Gebäude gefunden. Beides kann gefährlich werden, wenn die Fasern in die Luft gelangen und dann eingeatmet werden können. Weil es sich hier aber um festgebundene Fasern handele, habe für die Beamten, die in den Räumen über Jahre hinweg gearbeitet haben, zu keinem Zeitpunkt eine gesundheitliche Gefahr bestanden, erklärt Thomas Schulz.
Die Baumaßnahme, deren Kosten aktuell auf knapp unter zwei Millionen Euro geschätzt werden, dauere wegen dieser Funde nicht noch länger, werde aber aufwendiger und teurer. „Beim Ausbau der Stoffe müssen besondere Vorkehrungen getroffen werden“, sagt Schulz. Die Arbeiter müssen Maske tragen und den Müll sofort in reißfeste Plastiktüten verpacken.