Leinfelden-Echterdingen Ruf nach einer Grundschule in Oberaichen wird lauter

Bisher gibt es keine Grundschule in Oberaichen. Bereits die ganz Kleinen müssen zur Schule pendeln. Foto: dpa
Bisher gibt es keine Grundschule in Oberaichen. Bereits die ganz Kleinen müssen zur Schule pendeln. Foto: dpa

Seit vielen Jahren fordert ein Verein eine Grundschule in Oberaichen (Leinfelden-Echterdingen). Er will insbesondere den Erst- und Zweitklässlern einen langen Schulweg ersparen. Woran hakte es bislang?

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Oberaichen - Schulkinder laufen am besten zu Fuß zur Schule. Denn das ist am ungefährlichsten. Darauf weisen Schulleitungen, Klassenlehrer und auch die Polizei derzeit wieder die frisch gebackenen ABC-Schützen und deren Eltern hin. In Stuttgart können bereits die Jüngsten Punkte sammeln, wenn sie per pedes zum Klassenzimmer gelangen. Doch in Oberaichen, einem Teilort von Leinfelden-Echterdingen, bleibt just dies den Kindern verwehrt. Eltern müssen ihre Kleinen in den Schulbus setzen oder eben mit dem Auto zur Ludwig-Uhland-Schule (LUS) nach Leinfelden oder zur Grundschule nach Musberg bringen. Denn in Oberaichen gibt es seit Jahrzehnten keine Grundschule.

Der Förderverein Grundschule Oberaichen will dies seit vielen Jahren ändern. „Unsere Kinder sind mittlerweile erwachsen“, sagt Vereinschef Herbert Klein. „Wir sind also eigentlich aus dem Thema raus.“ Dennoch lassen er und seine Mitstreiter nicht locker. Zumindest den Erst- und Zweitklässlern wollen sie einen langen Schulweg ersparen. Bei jedem Bürgermeisterwechsel stehen sie deshalb kurze Zeit später auf der Matte des Rathauses. Ein neues Flugblatt ist dieser Tage gedruckt worden. Es soll unter Oberaichener Eltern verteilt werden. Damit die Sache nicht im Sande verläuft.

Grünes Licht vom Oberschulamt

Bereits in den 1970er Jahren machte eine erste Elterninitiative mobil in Sachen Schule am Ort. Und 1974 wurde bei der Stadtgründung von Leinfelden-Echterdingen den Oberaichenern auch eine Grundschule versprochen – zumindest dann, wenn das Oberschulamt die Zustimmung erteilt. Zunächst tat sich wenig. Dennoch konnte der einstige Kulturbürgermeister Gerhard Haag im Sommer 2000 grünes Licht und eine Förderzusage vom damaligen Oberschulamt präsentieren. Die Verwaltungsspitze ließ daraufhin prüfen, ob die Schülerzahlen für eine Schule in Oberaichen auf Dauer hoch genug seien. 100 Eltern und Kinder gingen Ende 2000 für den Bau einer Grundschule in Oberaichen auf die Straße. Ohne Erfolg. Klein sagt: „Herr Haag wurde ausgebremst. Das Thema wurde zur Chefsache gemacht.“ Und dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Fischer soll dieses nicht sonderlich am Herzen gelegen haben. Nachdem der Ausbau der Ludwig-Uhland-Schule weiter vorangetrieben wurde, habe das Oberschulamt 2002 seine Zusage zurückgezogen.

Herbert Klein und Britta Brunnecke Foto: Kanter

Klein und seine Mitstreiter wollten dennoch nicht aufgeben. „Schließlich haben wir zwei Jahre gekämpft“, sagt er. Der Förderverein Grundschule Oberaichen wurde gegründet. Das Engagement ging weiter – bis heute. Eine Außenstelle der LUS in Oberaichen, das könnte sich der Verein gut vorstellen – mit zwei Klassenzimmern, für Erst- und Zweitklässler. Diese könnten auf dem Gelände des städtischen Kindergartens Sonnenbühl entstehen, wenn dieser renoviert oder neu gebaut wird.

Immer mehr Zuzug

Das Thema LUS-Außenstelle hat die CDU-Gemeinderatsfraktion im April 2016 wieder aufs Tapet gebracht. Auch der Förderverein schaltete sich damals in die Diskussion ein. Und informierte, dass innerhalb eines Jahres 33 Kinder in Oberaichen geboren wurden. Und aus Neugeborenen werden bekanntlich sechs Jahre später Schulkinder. Schulbürgermeister Carl-Gustav Kalbfell erklärte damals: Sollten entsprechende Schülerzahlen vorliegen, könne man sich über eine solche Außenstelle Gedanken machen.

„Wir haben immer mehr Zuzug“, stellt Britta Brunnecke, die Kassenwartin des Vereins, fest. Denn auch in Oberaichen verschwinden immer mehr kleine Häuser und machen Platz für Mehrfamilienhäuser. „3600 Menschen leben in Oberaichen“, sagt sie. Die Schülerzahl aus Oberaichen pendele pro Jahrgang um die 30.

Der Förderverein will auch die aktuelle politische Diskussion um den Bau der weiteren Schule in L.-E. zum Anlass nehmen, ein Schlaglicht auf die Kinder aus Oberaichen zu werfen. Eine Wiese im Manosquer Gebiet – unterhalb des Waldfriedhofes – könnte sich Klein als zentralen Standort für eine neue Grundschule vorstellen.

Die Oberaichener Kinder bei der Schulentwicklung in den Blick zu nehmen, hält auch Bürgermeister Kalbfell für sinnvoll. Eine neue Schule in Oberaichen zu schaffen aber bewertet er vor dem Hintergrund des aktuellen Lehrermangels für schwierig.




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