Leinfelden-Echterdingen Schwimmer erhalten ihr Geld zurück

Bis Weihnachten öffnen sich die Pforten des Gartenhallenbades immer wieder – allerdings nicht fürs Schwimmen. Foto: Natalie Kanter
Bis Weihnachten öffnen sich die Pforten des Gartenhallenbades immer wieder – allerdings nicht fürs Schwimmen. Foto: Natalie Kanter

Zuerst wollte die Stadt Leinfelden-Echterdingen nicht, und verwies auf eine alte Badeordnung. Nun tauscht die Kommune ihre Wertkarten für das geschlossene Leinfelder Gartenhallenbad doch gegen Bares. Was ist passiert?

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Leinfelden-Echterdingen - Gute Nachrichten für die Stammgäste des Gartenhallenbades: Auf Druck der Kommunalpolitik können alle, die noch eine Geldwertkarte für das Leinfelder Schwimmbad besitzen, diese nun doch zurückgeben. Das Guthaben, das noch auf der Karte ist, wird am Automaten bar ausbezahlt. Das Bad wird allein zu diesen Zweck von Montag, 7. Dezember, bis Freitag, 18. Dezember, zu bestimmten Zeiten öffnen. Es gelten feste Regeln: Abstand einhalten, Mund-Nasenschutz tragen. Der Einlass erfolgt über die Tür der ehemaligen Gaststätte, der Ausgang über die Eingangstüre des Bades. Es darf jeweils nur eine Person hinein, alle anderen müssen zunächst draußen warten. Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell geht zwar nicht davon aus, dass sich lange Schlangen bilden. Angesicht der aktuellen Corona-Lage appelliert er dennoch an die Kartenbesitzer, nicht alle gleich am ersten Aktionstag zum Bad zu rennen. Aktuell sind 3122 Geldwertkarten im Umlauf. Die Kommune hat ausgerechnet, dass wenn nur jede zweite Geldwertkarte mit einem durchschnittlichen Restwert von 30 Euro zurückerstattet wird, mindestens 46 830 Euro auszuzahlen sind.

Stadt hatte Rückerstattung zunächst abgelehnt

Die Stadtverwaltung hat sich auf Drängen der SPD-Fraktion nun doch zu dieser Aktion entschlossen. Die Sozialdemokraten hatten Ende Oktober einen entsprechenden Antrag gestellt, dem sich dann die Freien Wähler/FDP sowie die Linken angeschlossen haben. Bis dato hatte die Verwaltung nämlich eine Rückerstattung der Karten mit Hinweis auf die geltende Badeordnung aus dem Jahr 1997 abgelehnt. Das war bei der SPD „auf großes Unverständnis gestoßen“, wie es in dem Antrag heißt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sagte Barbara Sinner-Bartels (SPD): „Ich kenne viele Leute, die jetzt in Corona-Zeiten jeden Cent brauchen“. Die Grünen und die Freien Wähler bewerteten die Aktion gerade vor Weihnachten als richtigen Schritt. Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, eine Ausnahme von der Regel zu machen. Auch Bürgermeister Kalbfell spricht sich mittlerweile für die Rückerstattungsaktion aus, „weil wir keine Leistung anbieten können“, wie er sagt; „Treue Badegäste“ zuvor aber in Vorleistung gegangen sind.

Das Gartenhallenbad ist seit dem Frühjahr 2020 aufgrund des Corona-Virus geschlossen. Gänge, Duschen und Toiletten sind zu schmal, um dort Mindestabstände einhalten zu können. Die Lüftungsanlage ist nicht pandemietauglich. Das Badepersonal, vier Bademeister und zwei Badefrauen, sind in Kurzarbeit. Ab und an sind sie dennoch im Bad, um Wasserproben zu nehmen und die Leitungen zu spülen. Sie werden aber auch für andere Aufgaben eingesetzt. Die Schwimmmeister sensibilisieren Bürger im Stadtgebiet dafür, die Corona-Regeln einzuhalten. Die Reinigungskräfte seien teils in Schulen im Einsatz. Das Bad ist schon sehr lange ein Sanierungsfall, der Gemeinderat hat beschlossen, es neu zu bauen. Daran wollen die Stadträte auch festhalten, wie mehrere in der Gemeinderatssitzung deutlich gemacht haben, während Oberbürgermeister Roland Klenk die Investition kürzlich in Frage gestellt hatte. Doch der Rathauschef ruderte nun zurück: „Ich bin der Meinung, dass eine Stadt unserer Größenordnung ein Hallenbad braucht“, sagte er. Er habe im Vorfeld der Haushaltsberatungen daran erinnern wollen, dass es „eine Latte an wichtigen Investitionen“ gibt.

Bad soll weiterhin neu gebaut werden

Mitte Dezember ist eine erste Preisrichterbesprechung zu dem Thema geplant, dann soll ein Wettbewerb ausgelobt werden. Im Juli 2021 werden die Preisrichter entscheiden, welcher Entwurf vom neuen Hallenbad umgesetzt werden soll. „Schneller geht es nicht“, sagt Kalbfell. „Das Vergaberecht setzt klare Fristen.“ Vor diesem Hintergrund und der Hoffnung, dass es demnächst einen Corona-Impfstoff auf dem Markt gibt, hält der Bürgermeister es noch immer für nicht ausgeschlossen, dass das alte Hallenbad noch mal öffnet, bevor es neu gebaut wird.




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