Leinfelden-Echterdingen Selbst Bücherstapel sind ratzfatz eingescannt

Von Natalie Kanter 

In den Stadtbüchereien von L.-E. können Bürger nun die Medien selbst ausleihen. In Filderstadt geht das schon lange.

Selbst ist der Kunde: Das gilt nun  auch in den Stadtbüchereien von L.-E.. Foto: Natalie Kanter
Selbst ist der Kunde: Das gilt nun auch in den Stadtbüchereien von L.-E.. Foto: Natalie Kanter

Leinfelden-Echterdingen - Was in Stuttgart und Filderstadt längst gang und gäbe ist, gibt es seit Dienstag nun auch in Leinfelden-Echterdingen: Wer in den städtischen Büchereien in der Echterdinger Zehntscheuer oder am Neuen Markt in Leinfelden Bücher und CDs ausleihen will, braucht nicht mehr am Schalter Schlange stehen. Vielmehr können Bürger die Medien ihrer Wahl nun an einer von vier computergesteuerten Stationen selbst auf ihren Ausweis buchen und dann auch schon nach Hause tragen.

Wie funktioniert die Selbstausleihe?

„Das ist im Grunde ganz easy“, sagt Wolfram Haferkamp. Der Leiter der Leinfelder Zweigstelle eilt Kunden zur Hilfe, die sich nur zögerlich an die neue Technik wagen. „Ausweis einscannen. Bücherstapel auflegen, fertig“, sagt er. Herbert Fessler steht an diesem Morgen vor einem der Geräte und lässt sich gerne helfen. Er macht schon viel am Computer, der Umstieg auf die Selbstausleihe macht ihm nichts aus. Der Mann ist aber gespannt, ob sich dadurch tatsächlich die Wartezeiten verkürzen. „Es können mehrere Medien gleichzeitig verbucht werden“, sagt Haferkamp dazu. „Deshalb geht es deutlich schneller.“

„Das geht wirklich flott“, sagt eine Frau. Sie kommt seit Jahren in die Leinfelder Zweigstelle und hat gerade zum ersten Mal eine Vielzahl an Romanen selbst verbucht. Dennoch würde sie ihren Lesestoff gerne weiter an der Service-Theke ausleihen. Denn mit der neuen Technik, befürchtet sie, falle der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern der Bücherei weg.

Die Ausleihstationen stehen bereits seit Mitte November in den Büchereien und sind seit Dienstagnachmittag im Betrieb. Kurz vor Weihnachten gab es in Leinfelden einen ersten Probelauf, berichtet Haferkampf. Bereits damals wurden die Geräte von den Kunden gut angenommen. Am ersten offiziellen Tag der Selbstausleihe haben 90 Prozent der Nutzer ihre Bücher dort ausgeliehen.

Welche Technik steckt dahinter?

Möglich ist die Selbstausleihe dank einer Technik, die sich RFID nennt. Die Abkürzung steht für Radio Frequency Identification und bedeutet Funkerkennung. Das Büchereiteam hat 2018 63 000 Medien mit Funketiketten ausgestattet. „Das Konvertieren war einer der größten Bausteine“, sagt Dorothea Veit, die Leiterin der Stadtbüchereien. Die Daten auf den Etiketten werden nun mittels Radiowellen an das Lesegerät der Stationen übertragen. Sicherungsgates am Ausgang kontrollieren, ob die Medien verbucht wurden. Die Kommunalpolitik hatte Ende 2017 grünes Licht für die neue Technik gegeben. Die Stadt hat 120 000 Euro investiert.

Die Rückgabe erfolgt weiter an der Service-Theke. Aber auch das soll laut neuer Technik schneller gehen. „Ziel der Umstellung ist es auch, die Einrichtungen künftig länger zu öffnen“, sagt Veit. Im Frühjahr werden die Öffnungszeiten erweitert. Jede Bücherei hat dann pro Woche sechs Stunden mehr geöffnet.

Wie läuft es in anderen Städten?

In Filderstadt gibt es die Selbstverbuchung bereits seit 2012. Petra Rösner, Leiterin der städtischen Bibliothek, sagt: „Das ist eine tolle Technik“. Kunden könnten so Zeit sparen. Das Personal werde entlastet. Insbesondere das jüngere Publikum nutze die Automaten. „Kinder lieben es, ihre Bücher selbst auszuleihen.“ Dank moderner Ausweise sei auch ein Blick auf das Konto möglich. Der Kunde könne vor Ort sehen, „was muss ich abgeben, was kann ich verlängern“. Ältere Bürger bevorzugen weiter den Gang zum Personal. „Sie suchen das Gespräch mit dem Team, fragen nach Buchempfehlungen“, sagt die Bücherei-Leiterin.

In den Waldenbucher Büchereien gibt es derweil die neue Technik nicht. „Wir wollen weiter mit persönlicher Beratung punkten“, sagt Susanne Dosch, die dort die Leitung inne hat. Die Selbstverbuchung sei für große Büchereien wichtig und richtig, dafür aber sei das Waldenbucher Angebot mit rund 20 000 Medien zu klein.