Die Sporthalle am Leinfelder Immanuel-Kant-Schulzentrum kann nicht mehr genutzt werden. Schulsport findet nur in der Theorie statt. Hat die Kommune mit der Sanierung zu lange gewartet?

Die provisorische Abdeckung des rund 50 Jahre alten Daches ist porös geworden. Es habe einen Wassereintritt gegeben, teilte der Bürgermeister Benjamin Dihm am Dienstag im Technischen Ausschuss mit. Mit Beginn der Woche sei die Sporthalle gesperrt worden. Nun soll so schnell wie möglich eine neue Folie für 46 000 Euro auf das Dach, um eine weitere Beschädigung des Gebäudes zu verhindern. Spurlos ist der Regen der vergangenen Tage nicht an dem Gebäude vorüber gegangen. „Das Wasser ist in der Dämmung“, berichtete Dihm.

 

Schüler und Vereine müssen sich erst einmal andere Sportstätten suchen. Der Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums, Christian Bahner, hofft, dass die Halle nach den Weihnachtsferien wieder für den Unterricht nutzbar ist. „Wir können nirgendwo anders hin“, sagt er. Seit der Hallensperrung müsse der Sportunterricht als Theorie im Klassenzimmer stattfinden. Im Einzelfall müssten wohl auch Stunden ausfallen.

Ausfall von Unterricht soll vermieden werden

Ähnlich fällt das Statement des Schulleiters Jan Stark der benachbarten Immanuel-Kant-Realschule aus. Er hofft ebenfalls, dass der Sportunterricht in der Turnhalle nach den Weihnachtsferien wieder stattfinden kann. Bis dahin werde in die Realschulturnhalle ausgewichen. Unterrichtsausfall solle vermieden werden.

Bekannt sind die Probleme mit dem Dach bereits seit mehreren Jahren. Das Wasser tropfte von der Decke und wurde zeitweise aufwendig in Eimern und anderen Auffangbehältern gesammelt. Immer wieder wurden neue Stellen entdeckt, an denen es tropfte. Die Auffangbehälter behinderten Sportler, Schüler, Lehrer und Trainer. Vor dem Sportunterricht und Training musste der Hallenboden nach Pfützen abgesucht werden, damit kein Sportler ausrutscht und sich verletzt.

Begonnene Sanierung wurde nach Asbestfund abgebrochen

Die Sanierung stand auf der Agenda der Stadt. Eine bereits begonnene Sanierung des Daches wurde aber nach einem Asbestfund im Jahr 2022 abgebrochen. Wann die Dachsanierung fortgesetzt werden sollte, war lange ungewiss. Die Stadt wollte aus finanziellen Gründen auf eine neue Gefahrstoffverordnung warten. Bürgermeister Dihm schätzte, dass eine Sanierung nach der alten Gefahrstoffverordnung zwischen 300 000 und 400 000 Euro mehr gekostet hätte. Mit der neuen Gefahrstoffverordnung sollte eine günstigere Dachsanierung möglich werden. Außerdem war das Hallendach provisorisch erst einmal durch das Aufbringen einer Abdichtungsmasse geschützt.

Inzwischen trat die neue Gefahrstoffverordnung in Kraft. Angesichts vieler anderer Themen und einer klammen Stadtkasse rückte die Sporthallendachsanierung jedoch in den Hintergrund. Unglücklicherweise hat das Provisorium nun nicht so lange gehalten wie erhofft. Der Zahn der Zeit hat schneller genagt als vermutet. Wie hoch die nun durch den Wassereintritt und die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen verursachten Kosten insgesamt sind, lässt sich momentan kaum genau beziffern. „Wir hätten früher an das Dach ranmüssen“, sagte Benjamin Dihm am Dienstag.

Im Frühjahr sollen die Arbeiten beginnen. „Das können wir im Winter nicht machen, wir brauchen zuverlässig entsprechende Temperaturen“, erklärt der Bürgermeister. Bei niedrigen Temperaturen und feuchter Witterung lässt sich das Dach nicht erneuern. Rund 300 000 Euro stehen im Haushalt. Es muss allerdings noch mit dem Landratsamt geklärt werden, wie mit dem weiterhin vorhandenen Asbest umgegangen wird. Unklar ist, ob der verbaute Asbest weiter im Dach verbleiben kann oder ob er in einem aufwendigen Verfahren entfernt werden muss. A

uch wenn den einen oder anderen Hallennutzer zuletzt vielleicht ein mulmiges Gefühl beschlichen hat, betont die Stadt, dass lediglich sehr geringe Mengen des gesundheitsschädlichen Baustoffs in einem der verbauten Kleber auf dem Dach enthalten sei. Der Asbest sei im Kleber gebunden und werde nicht freigesetzt.