Leinfelden-Echterdingen Unteraicher fürchten S21-Lärm

Von Natalie Kanter 

Schneller, effizienter, nahbarer: So würden sich die Unteraicher Bürger die Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen wünschen. Die Bürgerinitiative fühlt sich von der Rathausspitze nicht abgeholt – unter anderem beim Lärmschutz am S21-Filderabschnitt.

Achim Weinmann (links)  und Ulrich Löchner machen sich für Unteraichen  stark. Foto: Kanter
Achim Weinmann (links) und Ulrich Löchner machen sich für Unteraichen stark. Foto: Kanter

Leinfelden-Echterdingen - Die Unteraicher Bürger haben deutliche Worte gewählt, um ihrem Ärger Luft zu machen. „Dies ist ein Schlag ins Gesicht, ein Affront gegenüber den Anwohnern“, informiert der Verein auf seiner Internetseite. Und: „Für Unteraichen hat die Kreativität der Planer nicht mehr ausgereicht.“ Unteraichen solle als einziger Teilort ausgespart bleiben.

Dem Verein geht es um den Schallschutz, der in Leinfelden-Echterdingen entlang der S21-Filderabschnitts geschaffen werden soll. Die Bürgerinitiative will verhindern, dass künftig eine vier Meter hohe Lärmschutzwand ihren Ort in zwei Teile teilt. Denn diese halte zwar den Lärm der Bahn von den Häusern im Gebiet Rohrer/Manosquer Straße fern, sie reflektiere aber gleichzeitig den Krach der nahen Autobahn nach Unteraichen hinein.

Dies hatte der Verein im Sommer 2017 bei einer Infoveranstaltung der Stadt moniert und gleichsam eine weitere, begrünte Wand auf der anderen Seite der Schiene eingefordert. „Dieser Vorschlag ist von den Planern nicht aufgegriffen und von der Verwaltung mit den Bürgern schon gleich gar nicht erörtert worden“, bemängelt Vereinsvorsitzender Achim Weinmann. Aber das ist bei weiten nicht das einzige Thema der Bürgerinitiative. „Das ist nur ein Puzzleteil“, sagt er.

Anwohner fordern eine Umgehungsstraße

Die Unteraichener Bürger fordern ein schnelleres Tempo bei der Verkehrsentlastung im Stadtgebiet ein. Das Mobilitätskonzept der Stadt fasse zu kurz, indem es sich zu sehr mit dem Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr befasse. Es bringe zu wenig für eine Ertüchtigung des Individualverkehrs.

Ein Beispiel sei die Ansiedelung von Daimler: Von den zusätzlich 2500 Mitarbeitern, die künftig für das Automobilunternehmen in Leinfelden arbeiten werden, werde laut den Unteraichener Bürgern der größte Teil mit dem Dienstwagen zur Arbeit kommen. „Zudem wird das Gebiet Schelmenäcker ausgebaut, die Rötlesäcker werden als gemischtes Baugebiet ausgewiesen“, führt Vereinssprecher Ulrich Löchner an.

„Der Verkehr in der Stadt wächst weiter an“, sagt Achim Weinmann. „Die Stadt braucht dringend eine Umgehungsstraße“. Die Verlängerung der Nord-Süd-Straße südlich der Autobahn sei „seit 30 Jahren Thema in der Stadt“. Passiert sei bisher allerdings nicht wirklich viel. Der Verkehrsknoten, der vom Ortsteil Leinfelden zur Autobahn führt, gehöre dringend ausgebaut, sagt der Mann, der 16 Jahre lang für die CDU-Fraktion im Gemeinderat saß. Weinmann hält zumindest eine Einfädelspur in Richtung Karlsruhe für zwingend notwendig. Die Stadtverwaltung müsse endlich das Gespräch mit anderen Kommunen suchen.

Dialog mit der Stadt gesucht

„Schneller, effizienter und nahbarer werden“, das sollte die Stadtverwaltung aus Sicht der Unteraicher Bürger, sagt Löchner. Die Bürgerinitiative fordert mehr Bürgerbeteiligung ein, welche die Verwaltung laut Weinmann des Öfteren mit der Präsentation von Ergebnissen verwechsele. Die Bewohner von L.-E. fühlen sich – ihren Aussagen nach – von der Stadtverwaltung nicht ausreichend informiert, nicht abgeholt. „Wir müssen eine Vision, einen Masterplan für die Stadt hinbekommen“, sagt Löchner. Auch deshalb hat er sich für die Liste der Freien Wähler aufstellen lassen. Er will von Ende Mai an im Gemeinderat sitzen.

„Wir wollen wieder in den Dialog mit der Stadt treten“, hat Löchner Oberbürgermeister Roland Klenk gesagt und geschrieben. „Themen gibt es genügend“, sagt Weinmann dazu. „Bei diesen wollen wir ergebnisoffen mitdiskutieren.“

Zurück zum Lärmschutz entlang des S21-Filderabschnitts: Die Stadt will hier bekanntlich das Pflichtprogramm der Bahn mit eigenen Mitteln verbessern. Das Unternehmen wird 4,1 Millionen Euro bereitstellen. Der neue Gemeinderat wird entscheiden, wie viel die Kommune oben drauf legt. Stadtplaner haben im Dezember 2018 ihre Ideen öffentlich präsentiert. Für das Gebiet Manosquer/Rohrer Straße sehen sie in Richtung der Gebäude eine einseitig begrünte Schallschutzwand, auf der anderen Seite der Felder schlagen sie einen Erdwall vor.

Die Kommunalwahlen stehen an

Den Unteraicher Bürger ist das zu wenig. „Hier sollte die Stadt deutlich mehr tun“, sagt Löchner. Oberbürgermeister Klenk sieht das offenbar ähnlich. „Ich teile in allen Dingen Ihre Sicht“, hat er ihm geantwortet. Und: „Wir stehen kurz vor der Kommunalwahl.“ Klenk forderte Löchner auf, auf die Listenvertreter zuzugehen.

Dazu sagt Vereinsvorsitzender Acgim Weinmann: „Wir suchen regelmäßig das Gespräch mit den Fraktionen.“ Und: „Wir sehen vielmehr den Oberbürgermeister in der Pflicht unsere Themen auf die Tagesordnung der Sitzungen zu nehmen.“ Denn das sei die Königsdisziplin des Rathauschefs.




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