Leinfelden-Echterdingen Warum bald ein Mammut in Leinfelden steht

Von Natalie Kanter 

In den Schelmenäcker ist ein besonderer Spielplatz geplant. Das gefällt nicht jedem.

Nachbildungen von Mammuts  gibt es zum Beispiel im Museum am Löwentor in Stuttgart zu sehen. Foto: Archiv/Löwentormuseum
Nachbildungen von Mammuts gibt es zum Beispiel im Museum am Löwentor in Stuttgart zu sehen. Foto: Archiv/Löwentormuseum

Leinfelden - Ein Mammut aus robusten Holzstämmen soll künftig in den Schelmenäckern stehen. Kinder dürfen auf dem Rücken des Giganten dann nach Herzenslust herumklettern und sich dabei austoben. Das Rüsseltier ist als Teil eines besonderen Spielplatzes geplant, den die Stadt in dem Leinfelder Neubaugebiet anlegen will. Das Spielgerüst soll insbesondere jenen Familien, die dort einmal leben werden, Freude bringen. Es richtet sich aber laut Bürgermeisterin Eva Noller auch an alle anderen Kinder der Stadt.

So weit, so gut. Dieses Mammut hat allerdings bereits jetzt für Aufregung gesorgt. Dazu muss man wissen, dass man nur wenige Meter vom künftigen Spielplatz entfernt einst Tonscherben aus der Jungsteinzeit gefunden hat. Diese Scherben, teilweise zu Gefäßen zusammengesetzt, sind im Echterdinger Stadtmuseum ausgestellt. Der Spielplatz soll Bezug nehmen auf diese jungsteinzeitlichen Funde. Kinder sollen dort Geschichte spielerisch entdecken können.

Mammuts wurden von Menschen der Steinzeit gejagt, die riesigen Tiere lebten aber nicht in der Jungsteinzeit. So sieht das auch Wolfgang Haug, der Leiter des Stadtmuseums: „Da war die Zeit der Mammuts längst vorbei“, sagt er. „Den Kindern werden so Halbwahrheiten präsentiert.“ Auch die Pfahlbauten, die an diesem Ort ebenfalls nachempfunden werden sollen, gab es in Leinfelden-Echterdingen nicht. Vielmehr habe man hier Reste von Langhäusern gefunden. Der Mann, der auch Stadtrat ist, würde sich deshalb wünschen, dass man über diese Pläne noch einmal nachdenkt.

Als sich die Menschen weg vom Jäger und Sammler entwickelten

Unter der Jungsteinzeit versteht man jene Zeit, in der sich die Menschen weg vom reinen Jäger und Sammler zum Hirten und Bauern entwickelt haben, ist im Internet zu lesen. Hierfür wird für Mitteleuropa die Zeitspanne zwischen 5500 vor Christus und 1800 vor Christus angegeben. Vor 40 000 Jahren haben laut Tübinger Forschern derweil Menschen in den Höhlen der Schwäbischen Alb aus Tierknochen oder Mammutelfenbein Figuren und Musikinstrumente geschnitzt.

Mammuts hat es allerdings schon viel früher und eine sehr lange Zeitspanne gegeben. Die ältesten Fossilreste der Tiere sind etwa 5,7 Millionen Jahre alt und stammen aus Äthiopien. Das Wollhaarmammut soll in Europa dann vor etwa 12 000 Jahren ausgestorben sein. Es gab aber auch Funde in Russland: Demnach verschwanden die letzten Vertreter dieser Art um 9250 vor Christus aus Nordosteuropa. Ob sie je in Leinfelden vorbeigekommen sind? „Eher nicht“, sagt Wolfgang Haug.

Dass das Mammut und das Jungsteinzeitalter nicht ganz zusammenpassen, weiß auch die Bauverwaltung. „Den Kindern soll auf diesem Spielplatz ein Zeitstrahl dargestellt werden“, erklärt Baubürgermeisterin Noller auf Nachfrage. Neben dem Mammut sind auch Hinweise zu den jungsteinzeitlichen Fundstellen geplant. Die Kinder werden Dinge aus der Erde graben können.




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