Der Arbeitskreis Prostitution Leinfelden-Echterdingen möchte über die Realität der Sexarbeit informieren. Diese Veranstaltungen bietet er an.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Dass Prostitution nicht irgendein Job ist, darauf hat der Arbeitskreis Prostitution Leinfelden-Echterdingen im vergangenen Frühjahr mit einer Ausstellung im Leinfelder Haus aufmerksam gemacht. „Prostitution klebt an dir, du kannst es nicht abwaschen.“ Und: „Die Erinnerungen daran bleiben ein Leben lang.“ Das waren nur zwei Sätze der beeindruckenden Schau. Zehn Frauen und Männer haben den Arbeitskreis gegründet, weil es zwei große Bordelle in ihrer Stadt gibt. Sie haben sich vorgenommen, über die Realität der Sexarbeit zu informieren, zu der Menschenhandel und Zwangsprostitution gehören.

 

Das große Interesse an ihren Veranstaltungen im vergangenen Jahr hat ihnen Rückenwind gegeben. „Wir hatten ein volles Haus“, sagt Regina Golke, eine der Gründerinnen. Und: „Wir haben sehr viele Ideen.“ Die Initiative will hinter die oft schön geredeten Kulissen des Gewerbes schauen und bieten dazu im März und April nun erneut eine Veranstaltungsreihe in Leinfelden-Echterdingen an.

Laufhäuser gibt es nicht nur in der Landeshauptstadt. In den Gewerbegebieten von Leinfelden-Echterdingen findet man zwei Bordelle . Foto: Lichtgut

Im Leinfelder Jugendhaus: Sie spielen die große Liebe nur vor

„Eine Besonderheit ist, dass wir diesmal auch Jugendliche mit einer Veranstaltung ansprechen“, sagt Regina Golke. Am Mittwoch, 18. März, wird von 19 Uhr an, im Jugendhaus Areal ein Film über die Verführungskünste von Loverboys gezeigt. Loverboys schenken Mädchen zunächst viel Zuwendung. Sie spielen ihnen die große Liebe vor – mit dem Ziel, sie für die Sexarbeit zu gewinnen. Der Film ist ab 12 Jahren zugelassen.

Am 27. März läuft von 19 Uhr an im Leinfelder Haus der Film „Freier Wille“ von Leni Breymaier. Er gibt Einblicke in das System Prostitution. Breymaier hat den Verein „Sisters – für den Ausstieg aus der Prostitution“ mitgegründet. Sie steht im Anschluss für Fragen zur Verfügung.

Anna Schreiber wird am Freitag, 10. April, von 19 Uhr an, im Leinfelder Haus darüber sprechen, was in Menschen vorgeht, die in der Prostitution tätig sind oder waren. Das Wort „arbeiten“ wählt sie in diesem Zusammenhang bewusst nicht. Die Psychotherapeutin war in den 1980er-Jahren selbst zwei Jahre lang Prostituierte. Anna Schreiber ekelte sich vor den fremden Männern, denen sie Lust vorspielen musste und verlor sich dabei fast selbst. Im Mittelpunkt ihres Vortrags steht das Abspalten von Gefühlen – als Ursache, Begleiterscheinung und Folge der Prostitution sowie die Frage, wie freiwillig Prostitution tatsächlich ist.

Persönliche Geschichten von Menschen in Prostitution – „Echt.entfremdet“

Bei der Ausstellung „Echt.entfremdet“ werden zwölf digital gestaltete Bilder der Künstlerin Daniela Helfrich im Mittelpunkt stehen. Via Audio-Datei kann der Besucher sich die Geschichte zu jedem Bild anhören. Die Geschichten wurden von den Beraterinnen der Beratungsstelle Rahab des Kreisdiakonieverbandes im Landkreis Esslingen gemeinsam mit ihren Klientinnen und Klienten erarbeitet und vertont. Die Schau ist bis Sonntag, 12. April, im Leinfelder Haus zu sehen. Sie wird am Freitag, 13. März, 18 Uhr, eröffnet.

Die Veranstaltungsreihe ist in Zusammenarbeit mit Beratungsstelle Rahab, dem Verein Sisters, dem Jugendkulturzentrum Areal, der Volkshochschule Leinfelden-Echterdingen, der Leinfelder Frauengruppe und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg entstanden.