Leinfelden-Echterdingen Wo kleine Start-ups groß rauskommen

Das Gebäude für das Gründungs- und Innovationszentrum muss noch umgebaut werden. Foto: pib

Das neue Gründungs- und Innovationszentrum soll jungen Gründern und Start-ups helfen – aber wie soll das aussehen?

Jetzt biegen sie auf die Zielgerade ein: Leinfelden-Echterdingen möchte kommendes Jahr ein Gründungs- und Innovationszentrum eröffnen. In dem Gebäude an der Friedrich-List-Straße sollen neu gegründete Unternehmen optimale Startbedingungen vorfinden. Darüber hinaus sollen die Räume auch etablierten Firmen für neue und innovative Projekte zur Verfügung stehen. Am Mittwochabend wurde das Gebäude im Rahmen des 15. Unternehmerdialogs vorgestellt.

 

Auf vier Etagen könnten auf 880 Quadratmetern Labore, Werkstätten, Büros und Gemeinschaftsräume entstehen. Neben Forschung und Entwicklung soll auch eine Kleinproduktion ermöglicht werden. Auch an Logistikflächen wird gedacht. Über das Raumprogramm sprach Geschäftsführer Moritz Meidert vom Konstanzer Unternehmen Gründerschiff, das die Stadt beim Aufbau des Gründerzentrums unterstützt, bei einer Führung durch das Gebäude.

Der Eingangsbereich im Erdgeschoss soll neu gestaltet werden, sodass der Zugang zukünftig über die Nordseite des Gebäudes erfolgt. Im Erdgeschoss sollen neben dem Empfangsbereich Besprechungsräume zu finden sein. Auch eine Multifunktionsfläche und eine Küche sind dort geplant.

Vor dem Gebäude soll es ferner eine Außenterrasse geben. Auf dem ersten und zweiten Stock sind Werkstätten oder kleine Labore möglich. Es gebe Druckluft und Starkstromanschlüsse, erklärte Meidert. Im dritten Obergeschoss sollen Büros eingerichtet werden.

Günstige Mieten sollen helfen

Die Ausschreibung für den Betrieb des Gründerzentrums wird noch erfolgen, teilte Meidert mit. Die Start-ups dürfen aber nicht länger als fünf Jahre von den Vorteilen des Gründerzentrums – etwa günstige Mieten – profitieren. Das steht schon heute fest. „Es geht ja darum, die Firmen nach draußen zu bringen“, verdeutlicht Meidert. Das neue Zentrum soll lediglich in der Anfangsphase helfen. Als Vermieter stellte sich Marcel Konrad von der Firma Weitmann und Konrad GmbH & Co. KG beim Unternehmerdialog vor.

Über die Notwendigkeit eines Gründungszentrums sprach Ralf Vögele. Der Professor an der Universität Hohenheim betonte, dass viele Studenten viele gute Ideen hätten. Allein aus der Universität Hohenheim heraus gründeten sich ein bis zwei Start-ups jedes Jahr. „Das Potenzial ist da“, meinte Vögele vor den rund hundert Gästen beim Besucherdialog. Ein Problem sei aber, dass die jungen Unternehmen in der Region Stuttgart nur schwer Flächen bekämen. „Wenn wir Start-ups nichts anbieten, dann sind sie weg“, betonte Vögele. Die Hochschulen in der Region bildeten viele Studenten aus – um dann zuzusehen, wie sie ihre Firmengründungen in anderen Teilen Deutschlands durchführten. „Wir müssen die jungen Leute mit den frischen Ideen hier halten“, meinte der Professor.

Ähnlich sah es auch Daniel Ludin, der Vorsitzende des Vorstands der Industrie- und Wirtschaftsvereinigung. Die Visionen für die Zukunft müssten vor Ort wahr werden, meinte er. Davon würden auch die bestehenden Unternehmen profitieren, ist er überzeugt – „Stillstand bedeutet Rückschritt“. Das Gründungs- und Innovationszentrum sorge für wirtschaftliche Dynamik und ziehe neue Talente an. Davon profitiere die Stadt mehrfach, nicht allein durch zukünftige Steuereinnahmen. „Eine Stadt, die Innovation fördert, wird zur Marke; hier ist die Zukunft willkommen“, meinte Daniel Ludin.

Einer, der sich ein Gründungszentrum bereits früher gewünscht hätte, ist Denis Kleist. Vor sieben Jahren habe er die encantus GmbH gegründet, berichtete er den Besuchern beim Unternehmerdialog. Er habe viele Fragen und wenig Ansprechpartner gehabt. „Die Hürde ist extrem hoch“, erinnerte er sich. Dass das Gründerzentrum diese Hürde verringert, sei enorm wichtig – nicht nur für die Stadt oder die Region. Das Land stehe an einem Kipppunkt, meinte Kleist. Neuen Ideen müssten Chancen gegeben werden, um langfristig Wohlstand zu erhalten.

Vermietung soll im kommenden Jahr starten

„Es ist einiges im Wandel. Die Wirtschaft befindet sich in der Transformation“, meinte der Oberbürgermeister Otto Ruppaner. Dafür seien auch neue Flächen notwendig, die beispielsweise in den Rötlesäckern im Osten von Leinfelden geplant seien. Darüber hinaus brauche es junge Menschen, die Lust auf Unternehmertum hätten.

Im Gründungs- und Innovationszentrum erhielten die Start-ups neben den Räumen Beratung und Begleitung. „Wir arbeiten am Netzwerkaufbau in alle Richtungen“, ergänzte Angelika Goldak, die Wirtschaftsförderin der Stadt. Sobald der Mietvertrag unterschrieben und die Nutzungsänderung genehmigt seien, könnten die Umbauarbeiten beginnen. Läuft alles nach Plan, könnte gegen Mitte des kommenden Jahres mit der Vermietung begonnen werden.

Das Gründungs- und Innovationszentrum

Standort
Das Standort ist optimal, weil er an einem bestehenden Gewerbegebiet liegt. Hinzu kommt die verkehrsgünstige Anbindung mit der Bundesstraße und der Autobahn, sowie dem Flughafen und in Zukunft einem nahen Fernbahnhof.

Vorteile
Es können Flächen in unterschiedlichem Umfang angemietet werden. Ferner kann Infrastruktur wie ein Sekretariat gemeinsam genutzt werden. Außerdem können Themen wie Beratung und Coaching bei der Planung, Aufbau der Firma sowie Unterstützung bei der Kapitalsuche gemeinsam angegangen werden. Hinzu kommt die einfachere Netzwerkarbeit. pib

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