Leistungskurse an Gymnasien Schmiedel trauert dem alten System nach

Von SIR/dpa 

Seit gut zehn Jahren sind die Leistungskurse an Gymnasien in Baden-Württemberg abgeschafft - zum Leidwesen von Claus Schmiedel. Der SPD-Fraktionschef liebäugelt damit, das alte System wiederzubeleben. Allerdings muss er den Koalitionspartner noch überzeugen.

Claus Schmiedel wünscht sich das alte System mit Leistungs- und Grundkursen an den Gymnasien zurück. Foto: dpa
Claus Schmiedel wünscht sich das alte System mit Leistungs- und Grundkursen an den Gymnasien zurück. Foto: dpa

Seit gut zehn Jahren sind die Leistungskursen an Gymnasien in Baden-Württemberg abgeschafft - zum Leidwesen von Claus Schmiedel. Der SPD-Fraktionschef liebäugelt damit, das alte System wiederzubeleben. Allerdings muss er den Koalitionspartner noch überzeugen.

Stuttgart - SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel will mit den Grünen über die mögliche Wiedereinführung von Leistungskursen an baden-württembergischen Gymnasien sprechen. Er halte die Abschaffung für einen Fehler, sagte Schmiedel in Stuttgart. Zum Schuljahr 2001/2002 wurde die Unterscheidung zwischen Leistungs- und Grundkursen im Südwesten aufgehoben, die in anderen Bundesländern nach wie vor existiert. Dafür müssen alle baden-württembergischen Abiturienten verbindlich bestimmte Fächer belegen - dazu zählen etwa Deutsch, Mathe und eine Fremdsprache.

Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser sagte, ihre Fraktion sei gesprächsbereit. Es solle geprüft werden, wie die Schüler sich auf ihre Stärken konzentrieren könnten, um sich auch konkreter auf ihr Studium vorzubereiten. Es sei aber zu kurz gegriffen, dies allein an der Oberstufe festzumachen. Man müsse über die Verbesserung des achtjährigen Gymnasiums (G8) insgesamt reden, sagte sie. Das SPD-geführte Kultusministerium wollte sich zunächst nicht äußern.

Talente voll entwickeln

„Wir müssen darüber diskutieren, ob das achtjährige Gymnasium in Verbindung mit der Abschaffung der Leistungskurse wirklich die starken Abiturienten hervorbringt, mit denen Universitäten und Hochschulen hinterher gerne weiterarbeiten“, sagte Schmiedel. Es gehe darum, Talente, die bereits in der Schule sichtbar seien, voll zu entwickeln.

Gymnasiallehrer hätten sich darüber beklagt, bei allen Schülern das gleiche Niveau erreichen zu müssen. Letztlich führe dies zu einer Nivellierung nach unten - Spitzenniveaus seien damit nicht zu erreichen. Er wolle nach der Sommerpause mit den Grünen darüber sprechen, wie man den Leistungspotenzialen und unterschiedlichen Motivationen der Schüler besser gerecht werden könne.

Die Hochschulen und Universitäten klagten darüber, dass gut qualifizierte Studenten vor allem in den MINT-Fächern - Naturwissenschaften, Mathematik, Technik und Informatik - immer rarer würden. Schmiedel erinnerte daran, dass die Leistungskurse unter Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) abgeschafft worden waren. „Der „Schavanismus“, hinter dem die CDU mit voller Wucht stand, hat uns nicht nur das G8 beschert, sondern hat auch das Ende der Leistungskurse bedeutet, weil Frau Schavan der Meinung war, man könne ohne Deutsch und Mathe kein deutsches Abitur ablegen.“