Leistungsvergleich der Höhenretter der Berufsfeuerwehr Vom Fernsehturm aus in die Tiefe

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In schwindelerregender Höhe hängen die Höhenretter wortwörtlich in den Seilen: Teams aus ganz Deutschland seilen sich beim Leistungsvergleich am Stuttgarter Fernsehturm ab.

Nichts für schwache Nerven: Abseilen am Stuttgarter Fernsehturm. Foto: 7aktuell.de/Gerlach 28 Bilder
Nichts für schwache Nerven: Abseilen am Stuttgarter Fernsehturm. Foto: 7aktuell.de/Gerlach

Stuttgart - In über 150 Metern Höhe steigt der Mann über das Geländer. Mit dem Rücken zum Abgrund lässt er sich langsam nach hinten fallen, bis er mit seinem vollen Gewicht am Seil hängt. Für die Höhenretter der Berufsfeuerwehr ist das Abseilen Routine. Wenn auch nicht gerade vom ältesten Fernsehturm Deutschlands. Genau dort fand am Samstag der Leistungsvergleich für die Höhenretter der Berufsfeuerwehr statt. „Das ist schon eine besondere Location“, sagte Oliver Beck, der Leiter der Stuttgarter Höhenretter.

13 Teams aus ganz Deutschland traten beim Leistungsvergleich gegeneinander an. Drei Stationen galt es zu bewältigen. Bei der ersten mussten die Feuerwehrleute die Stufen im Fernsehturm bis ganz nach oben erklimmen. Die schnellsten schafften das in unter neun Minuten. Oben angekommen, ging es an die Fassade des Turms. Mit Gurtzeug und Seil gesichert, mussten sich die Höhenretter einige Meter am Korb des Fernsehturms abseilen, bis sie im Technikgeschoss wieder festen Boden unter den Füßen hatten. An einer zweiten Station wurde die Schachtrettung simuliert. „Dabei gilt es, einen Verunfallten durch einen nur schulterbreiten Schacht zu retten“, erläuterte Andreas Leffler, Ausbilder bei den Stuttgarter Höhenrettern. Das Erklimmen der sogenannten Jakobsleiter bildete die dritte Station. Zehn Holzsprossen, die im Abstand von 1,30 Metern hängen, mussten dabei bewältigt werden.

Im Einsatz, wenn der Technik Grenzen gesetzt sind

Für die Höhenretter der Berufsfeuerwehr kommt es bei diesen Übungen ebenso wie im Berufsalltag vor allem auf eines an: Teamarbeit. „Wir sind darauf angewiesen, dass unsere Kameraden uns sichern“, sagte Beck. In Stuttgart sind 36 Mitglieder der Berufsfeuerwehr für die Höhenrettung ausgebildet. Seit 1998 retten sie Mensch und Tier aus Situationen, in denen der Technik Grenzen gesetzt sind. Neben großen Höhen kann das Einsatzgebiet beispielsweise auch ein schmaler Hinterhof sein, in den die Fahrzeuge der Feuerwehr nicht vordringen können. Bei der Rettung adipöser Personen aus Gebäuden oder bei schweren Unwettern kommen die Höhenretter zum Einsatz. „Und manchmal auch, um eine Katze vom Baum zu holen“, sagte Beck. Jede Woche üben die Höhenretter an verschiedenen Trainingsobjekten, etwa an Türmen, Kränen und Schächten, in Gebäuden ebenso wie außen. „Es ist ein kleines Spezialgebiet, aber ein sehr trainingsintensives“, sagte Beck.

Anlässlich des 125. Jubiläums der Berufsfeuerwehr Stuttgart fand der Leistungsvergleich erstmals in der Landeshauptstadt statt. Als Ausrichter der Wettkämpfe nahmen die Stuttgarter Höhenretter nicht am Leistungsvergleich teil. Dafür aber einige Mitglieder der Stuttgarter Jugendfeuerwehr. Sie spielten die Verunfallten, die von den Höhenrettern bei den verschiedenen Stationen gerettet werden mussten.

Seit 25 Jahren gilt in ganz Europa die Notrufnummer 112

In diesem Jahr gibt es noch ein weiteres Jubiläum: seit 25 Jahren gibt es den europaweiten Notruf 112. Das blau-gelbe Logo schmückt seit vier Jahren die Feuerwehrfahrzeuge. „Die Stuttgarter waren die ersten, die mit dem Logo auf die europaweite Gültigkeit der Notrufnummer 112 aufmerksam machten“, sagte Nils Bunjes vom Stuttgarter Europahaus. Auch der Fernsehturm wies am Samstag mit einem Banner darauf hin. Keine speziellen Nummern, keine Vorwahlen, für die Menschen in Europa ist die einheitliche 112 ein echter Mehrwert. „Egal, wo in Europa man sich befindet, die 112 ist immer die Nummer des Notrufs“, so Bunjes.

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