Leitungen nach Wendlingen Netzagentur stellt Stromtrasse in Frage

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Die Netzagentur hält drei der vier von Norden nach Süden geplanten Gleichstromtrassen für notwendig – die Leitung, die in Wendlingen enden soll, jedoch nicht.

Die Pläne der Übertragungsnetzbetreiber wie Tennet sorgen für Unruhe. Foto: dpa
Die Pläne der Übertragungsnetzbetreiber wie Tennet sorgen für Unruhe. Foto: dpa

Stuttgart - Jedes Jahr, so will es das Energiewirtschaftsgesetz, wird die Netzplanung für Deutschland neu überprüft – von den Betreibern der Übertragungsnetze und von der Bundesnetzagentur. Nötig ist das nicht zuletzt, weil in Energiewendezeiten immer mehr Strom vom Ort der Erzeugung, dem windreichen Norden, zum Verbrauchsschwerpunkt im industriereichen Süden gebracht werden muss.

Derzeit läuft das Verfahren für das Bedarfsjahr 2024. Nach Ansicht der vier Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW, Tennet, 50Hertz und Amprion sind 92 Netzausbaumaßnahmen notwendig, von denen die aufwendigsten vier große Gleichstromtrassen quer durch Deutschland sind: Eine von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt nach Gundremmingen in Bayern (die der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in Frage stellt), zwei in der Mitte Deutschlands von Wilster (Schleswig-Holstein) nach Grafenrheinfeld in Bayern und von Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) nach Wendlingen östlich von Stuttgart, sowie eine im Westen vom niedersächsischen Emden nach Philippsburg in Baden-Württemberg.

„Insbesondere die Nord-Süd-Gleichstromverbindungen von Emden nach Philippsburg, von Wilster nach Grafenrheinfeld und von Wolmirstedt nach Gundremmingen haben sich wiederum als notwendig erwiesen“, so der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, anlässlich der Vorlage von vorläufigen Prüfungsergebnissen der Behörde.

Leitung nach Wendlingen „nicht bestätigungsfähig“

Die vierte Leitung aber, die in Wendlingen (Landkreis Esslingen) enden soll, hält die Netzagentur derzeit für „nicht bestätigungsfähig“. Soll heißen: die Behörde schließt sich nicht der Meinung der Übertragungsnetzbetreiber an, dass die Gleichstromtrasse 2024 unbedingt gebraucht wird. Der Grund: erstmals hat die Netzagentur im aktuellen Prüfungsjahr miteinkalkuliert, dass künftig nicht mehr jede Kilowattstunde aus erneuerbaren Energien ins Netz eingespeist werden muss – anders als es heute der Fall ist. Noch sei das zwar nicht entschieden, grundsätzlich habe sich jedoch in Öffentlichkeit, Fachwelt und Politik die Auffassung durchgesetzt, dass der Ausbau des Netzes für die Aufnahme der „letzten Kilowattstunde“ aus erneuerbaren Energien wirtschaftlich nicht sinnvoll beziehungsweise vertretbar ist, heißt es in dem Bericht.

Zudem ist ein langsamerer Ausbau der Windenergiekapazitäten auf dem offenen Meer unterstellt. Die Leitung nach Wendlingen „wird somit vorbehaltlich weiterer Erkenntnisse als nicht bestätigungsfähig eingestuft“, schreibt die Behörde, die den vorläufigen Charakter ihres Berichts betont. Als nächster Schritt folgt die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Meinungsbildung über die Entwürfe. Auch der politische Streit über den Netzausbau ist noch lange nicht beendet. Ein Koalitionsgipfel hatte am Dienstag eine Lösung erneut vertagt. Kanzlerin Angela Merkel kündigte im unionsinternen Streit bis Juni eine Lösung an.

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