Leitzentrale in Untertürkheim Das Gehirn der Neckarschleusen

Von Mathias Kuhn 

Von der neuen Leitzentrale der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung aus werden künftig die Schleusen von Deizisau bis Hofen per Fernbedienung gesteuert. Noch muss die Technik installiert werden.

Das Gebäude der Leitzentrale für die  Neckarschifffahrt an der Untertürkheimer Schleuse steht. Jetzt erfolgt der Innenausbau. Foto: Kuhn
Das Gebäude der Leitzentrale für die Neckarschifffahrt an der Untertürkheimer Schleuse steht. Jetzt erfolgt der Innenausbau. Foto: Kuhn

Stuttgart-Untertürkheim - Sie liegt etwas versteckt oberhalb der Untertürkheimer Schleuse, fällt als glänzender Kubus am Neckarufer auf und harmoniert zudem mit den Brückenköpfen an den Wehren: die neue Leitzentrale der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Stuttgart. Noch werden die Außenanlagen angelegt und es wird zudem noch einige Monate dauern, bis die Technik und Ausstattung in die Leitzentrale Einzug gehalten haben. „Mitte 2019 sollen alle Schleusen von Deizisau bis Hofen von Untertürkheim aus per Fernsteuerung bedient werden“, sagt Walter Braun, der Leiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Stuttgart. Einen wichtigen Meilenstein für die Neckarschifffahrt hatte Norbert Barthle, der damalige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, das Projekt bei der Grundsteinlegung des Gebäudes vor neun Monaten genannt. „Sie ermöglicht einen effizienten und flexiblen Betrieb der Anlagen. Damit ist auch in Zukunft ein kundenorientierter und wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen gewährleistet“, schwärmte Barthle vom neuen Gehirn der Neckarschleusen.

Von der Untertürkheimer Leitzentrale aus werden künftig alle Schleusen und Wehre der sieben Staustufen im Großraum Stuttgart per Fernbedienung gesteuert. Mit nur wenigen Handgriffen können die Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung dann von ihrem „Cockpit“ im Untertürkheimer Gebäude aus die Tore der Schleusen von Deizisau bis Hofen öffnen und schließen, die Manöver der Schiffe in den Schleusenkammern beobachten sowie den Wasserstand – etwa bei Hochwasser – über die Wehrfelder regulieren.

Die offizielle Einweihung erfolgt wohl etwa Mitte 2019

Das Gebäude selbst ist nahezu fertiggestellt. „Eine anspruchsvolle Aufgabe. Klein, aber fein mit einer hochwertigen Fassade“, zieht Projektleiter Karlheinz Hauser von der zuständigen Baufirma ein positives Fazit. Mitarbeiter eines Gartengestaltungsunternehmens setzen noch Steine und legen die Grünanlagen an und auch am Gebäude selbst werden noch kleinere kosmetische Arbeiten erledigt.

Als nächster Schritt folge ab Herbst die Inneneinrichtung der Leitzentrale, sagt Braun. Eine diffizile Aufgabe. Die technischen Voraussetzungen müssen geschaffen sowie zeitgemäße und standardisierte Technologien eingebaut werden. Bis Mitte 2019 könne dies vermutlich andauern. Erst danach könne die Fernbedienungszentrale in Betrieb gehe. Der Untertürkheimer Standort wird dann schrittweise die bisherige „Kommandozentrale“ an der Hedelfinger Brücke ersetzen. Sie wird aufgegeben, die Mitarbeiter dann in Untertürkheim ihren Dienst versehen.

Die offizielle Einweihung erfolge etwa Mitte 2019. Vielleicht ist dann nochmals Landesverkehrsminister Winfried Hermann anwesend. Er betont immer wieder die Bedeutung der Neckarschifffahrt. Das wegweisende Projekt sichere die Zukunft des Neckars als ökologischen und wirtschaftlichen Verkehrsweg und sichere Arbeitsplätze in der Region. Schließlich prognostizieren Verkehrsexperten ein Anwachsen des Güterverkehrs bis 2030 um fast 40 Prozent in der Region. „Und die Bundeswasserstraße Neckar ist der einzige Transportweg, dessen Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist und der den zusätzlichen Verkehr aufnehmen kann, ohne dass wir etwas dazu bauen müssen“, betonte Verkehrsminister Winfried Hermann bei der Grundsteinlegung. Deswegen drängt das Land darauf, dass die Schleusenkammern bald von momentan 105 auf 135 Meter verlängert werden. Als eine der ersten soll eine der beiden Untertürkheimer Kammern – direkt an der neuen Leitzentrale – „gestreckt“ werden.

Sonderthemen