Stadtkind Stuttgart

Lena-Louise Zimmermann aus Stuttgart Prima statt Ballerina

Von Tanja Simoncev 

Lena-Louise Zimmermann ist Teil einer Künstlerfamilie wie sie im Buche steht. Mama Melinda Witham ist Solistin am Stuttgarter Ballett, Daddy Dieter Zimmermann ein erfolgreicher Filmemacher. Und auch die 31-Jährige hat ihren Platz in der Kreativbranche gefunden - doch ganz anders als ihre Eltern.

Lena-Louise Zimmermann vor dem Staatstheater Stuttgart - ihrem zweiten Zuhause. Foto: Tanja Simoncev 9 Bilder
Lena-Louise Zimmermann vor dem Staatstheater Stuttgart - ihrem zweiten Zuhause. Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Ein Blondschof, vielseitig, aktiv: Lena-Louise Zimmermann ist eine junge, ambitionierte Frau, die im Stuttgarter Osten lebt und ihr Zuhause in der Kreativbranche gefunden hat. Schon eine ganze Weile mischt sie nicht nur beim Magazin "Lust auf Gut", das immer wieder kostenlos ausliegt, mit, sondern liebt es auch, am Staatstheater Stuttgart in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Zur Zeit etwa kann man die toughe Blondine in der Oper "Chowanschtschina" bewundern, wo es ganz schön zur Sache geht und die Stuttgarterin als Prostituierte schlagfertig austeilt. "Das ist ein Mini-Auftritt, der es aber in sich hat", berichtet Lena lachend. Und noch mehr steht auf ihrer To-Do-Liste, sie betont: "Keine Ahnung, was in den nächsten zehn Jahren passiert, ich weiß nur, ich will noch was reißen." 

Tanz und Tränen

Für die 31-Jährige mit der Prinz-Eisenherz-Gedächtnisfrisur war die Kreativbranche jedoch anfangs ein Rätsel. "Ich bin ja in einer richtigen Künstlerfamilie aufgewachsen", so Lena. Ihre Mutter eine Solistin am Stuttgarter Ballett, der Vater Dieter Zimmermann ein erfolgreicher Filmemacher und sie selbst ratlos. "Da war immer die Erwartung da, dass auch ich in die Richtung gehe, zumindest was den Filmbereich anging. Aber ich bin in meiner Familie, glaube ich, die Unkreativste." Die Leidenschaft auf einer Bühne zu stehen, hat die gelernte Grafikerin aber offensichtlich doch vererbt bekommen - auch wenn sich diese eher im Hintergrund abspielt. "Das liegt wohl daran, dass ich von klein auf immer im Theater dabei war, jeden Gang kenne und das auch immer geliebt habe. Die ganzen Menschen, die dort ein und aus gehen, total international und super spannend", berichtet die 31-Jährige weiter.

Lena werde oft gefragt, warum sie dann nicht selbst angefangen habe zu tanzen - so wie ihre Mutter, Melinda Witham, die gefeierte Solistin am Stuttgarter Ballett - und die letzte Ballerina, die von John Cranko ausgewählt wurde. Kurz darauf war der britische Tanzregisseur und Choreograph, der das Stuttgarter Ballett als Intendant weltberühmt gemacht hatte, gestorben. Ein besonderes Ereignis, das Melindas und auch Lenas Leben prägte. "Ich habe halt auch immer die Schattenseiten mitbekommen, habe meine Mom abends weinen sehen - wegen blutigen Füßen und weil sie wenig essen durfte. Das ist glaub ich der krasseste und disziplinierteste Job, den ich kenne. Und ich bin da einfach genau das Gegenteil davon." Außerdem sei das Tanzen eine Entscheidung für’s Leben. "Man wird nicht einfach mal so Ballett-Tänzer. Es verändert alles und bedeutet leben in Extremen."

Kurt sei Dank

Und das war Lena wiederum zu extrem. Deshalb freundete sie sich - zumindest am Theater - schnell mit den kleinen Rollen an. "Seit 13 Jahren bin ich nun schon Statistin am Staatstheater und habe so viel miterleben dürfen, ohne mich dafür quälen zu müssen", freut sich die lebensfrohe Lady, die seit ihrer Teenagerzeit viel ausprobierte, zig Praktika absolvierte und auch ein paar Jahre vom Modeln lebte. Es folgte ein Aufenthalt in den USA und ein halbes Jahr Hollywood - eine besondere Erfahrung, wie sie selbst sagt. Zurück in Stuttgart absolvierte Lena eine Grafikerausbildung, die mit einer Tätigkeit bei Grafik-Design-Gott Kurt Weidemann getoppt wurde. "Ich bin so stolz, dass ich ihn noch kennenlernen durfte. Es war wie Family für mich und wir waren gute Freunde. Bei Kurt habe ich viel gelernt – auch für’s Leben. Er war ein wahrer Lebenskünstler." Dort habe sie dann aber auch gemerkt, dass sie noch etwas Neues ausprobieren wolle und entdeckte die kaufmännische Seite für sich. Es folgte eine Marketing-Ausbildung in einer kleinen Agentur im Stuttgarter Westen. "Das war eine krasse Zeit." Aber sie sei sehr happy über ihr beiden Ausbildungen. "Das Tolle ist, man hat nicht nur ein geschultes Auge für Design, sondern auch noch das Management-Denken on Top."

Nach mehreren Zwischenstopps in anderen Werbeagenturen ist Lena seit zwei Jahren beim Christian Weisser Design Studio tätig und damit unter anderem verantwortlich für die Stuttgarter Ausgabe des Magazins "Lust auf Gut", einem Non-Profit-Projekt, das das Gute, Besondere, qualitativ Hochwertige im Städtle weiterempfiehlt. Da könne man sich nicht einfach einkaufen, sondern würde von Fürsprechern empfohlen werden, so die 31-Jährige. Das heißt: Nur das, was für sehr gut befunden wurde, landet letztendlich auch im Heft und damit automatisch in einem Netzwerker-Pool. "Und genau deshalb stehe ich voll hinter dem Ganzen, dem Gedanken, der Idee." Auch weil ihre Stadt Stuttgart damit in ein gutes Licht gerückt wird. Denn die Stadt habe Potenzial und Lena nerven die vielen "Bruddler". "Wer hier leben will, soll auch hinter seiner Stadt stehen, fertig, aus." 

 




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