ExklusivLeni Breymaier zum Kitastreik „Das Ergebnis wird zu schlecht verkauft“

Der Tarifkonflikt um die Kitas ist nicht zu Ende – im Herbst könnte es zu neuen Streiks kommen, wenn die Beschäftigten den Schlichterspruch in der Verdi-Mitgliederbefragung ablehnen. Die Verdi-Landeschefin Leni Breymaier verweist auf dessen Pluspunkte.

Nach dem Kita-Streik hat nun die Mitgliederbefragung begonnen. Verdi erhofft sich    ein klares Signal,  wie die Gewerkschaft mit der Schlichterempfehlung umgehen soll. Foto: dpa
Nach dem Kita-Streik hat nun die Mitgliederbefragung begonnen. Verdi erhofft sich ein klares Signal, wie die Gewerkschaft mit der Schlichterempfehlung umgehen soll. Foto: dpa

Stuttgart. - Nach dem Schlichterspruch zum Sozial- und Erziehungsdienst hat die Gewerkschaft Verdi in dieser Woche ihre Mitgliederbefragung gestartet. Die Landesvorsitzende Leni Breymaier äußert Verständnis für Enttäuschungen.

Frau Breymaier, die Schlichtung droht am Widerstand der Verdi-Basis zu scheitern. Hat die Gewerkschaftsführung die betrieblichen Vertreter falsch eingeschätzt?
Ob die Schlichtung scheitert, werden wir noch sehen. Die entscheidende Frage ist, ob die Mitglieder von einem weiteren Streik ein besseres Ergebnis erwarten – darüber diskutieren wir jetzt mit unseren Mitgliedern. Dann sehen wir weiter.
Bringt die Schlichterempfehlung die Aufwertung, die Ihnen vorschwebte?
Ich mache seit vielen Jahren Erfahrungen mit Gleichstellungspolitik: Die Zahlen verändern sich nur marginal. Die Entgeltdifferenz zwischen Frauen und Männern beträgt bei vergleichbaren Tätigkeiten 22 Prozent. Das skandalisieren wir mit der Kampagne „Aufwertung jetzt“. Diese Kampagne ist überaus erfolgreich. Es gibt kaum einen Menschen in der Republik, der unsere Forderungen für unberechtigt hält. Die Gesellschaft ist eigentlich bei uns. Ich wünsche mir, dass sich alle Beteiligten ihren heiligen Zorn bewahren und die Kraft haben weiterzumachen. Wir brauchen diese Dynamik für die Wertschätzung von Dienstleistungsarbeit und von Frauenberufen, das ist eine Superbewegung. Wir erledigen das Anliegen aber offenbar nicht in einem Jahr – dafür brauchen wir mehr Zeit.
Ihr Vorsitzender Bsirske hat eine ruhige, nüchterne Abwägung empfohlen – weil man mit neuen Streiks nicht mehr herausholt?
Während der Ferien zu streiken, ist ja wenig sinnvoll. Die große Frage ist also: Kann sich das Schlichtungsergebnis noch verbessern lassen, wenn wir im Herbst weiterstreiken? Diejenigen, die anders als ich in der Schlichtung dabei waren, sehen das eher nicht so. Da gibt es bei uns ganz unterschiedliche Herangehensweisen.
Wie bewerten Sie den Schlichterspruch?
Ich werde mich hüten, eine Empfehlung auszusprechen, was die Mitglieder zu tun haben. Dass da Enttäuschungen sind, kann ich verstehen. Aber man muss es genau anschauen. Von einigen wird das Ergebnis zu schlecht verkauft, zum Teil auch aus Unkenntnis, was der Realität nicht gerecht wird.
Weil die Erwartungen zu hoch getrieben wurden?
Wir haben sicherlich nicht das erreicht, was wir erreichen wollten. Eine Schlichtung ist keine Jubelveranstaltung für Gewerkschaften, hat aber eine Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Insofern haben wir jetzt vier Wochen Zeit, diese Debatte zu führen – auch vor dem Hintergrund, dass sich mancher Stadtkämmerer über jeden Streiktag freut, weil er Gehälter spart und wir keinen ökonomischen Schaden bei den Arbeitgebern anrichten, was den Kita-Streik komplett von anderen unterscheidet.