Lenk-Skulptur verlässt Stuttgart Kretschmann am Haken: Umzug an den Bodensee

In unbequemer Lage: Regierungschef in Beton Foto: Fotoagentur Stuttgart/Andreas Rosar
In unbequemer Lage: Regierungschef in Beton Foto: Fotoagentur Stuttgart/Andreas Rosar

Die Skulptur um die Wirren von Stuttgart 21 hat die Gemüter bewegt, ihr Standort am Ende die Stadträte in Wallung gebracht. Ob sie je in die Landeshauptstadt zurückkehrt?

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Stuttgart. - Am Ende ging der Umzug ganz geschäftsmäßig vonstatten, mit Schwerlastkran, Tieflader, breiten Zurrgurten und schützenden Decken. Der Bildhauer Peter Lenk (74) hat seine „Chronik einer grotesken Entgleisung“, die Plastik zum Bahnprojekt Stuttgart 21, am Wochenende vor dem Stadtpalais in Stuttgart abbauen und an den Bodensee fahren lassen. Die tonnenschwere Plastik, die den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) mit einer Schlange ringend zeigt, soll am Dienstag in Bodman in einer Freilichtausstellung montiert werden. Dort sind etliche der Werke von Lenk vereint.

Eine Rückkehr nach Stuttgart haben weder der Künstler noch der Gemeinderat prinzipiell ausgeschlossen, allerdings könnte das einige Jahre dauern, denn Lenk zeigt sich in der Wahl des Aufstellungsorts wählerisch. Am liebsten hätte er den Platz direkt vor dem Haupteingang des Stadtmuseums an der Bundesstraße 14, den die Skulptur seit dem 27. Oktober zur Probe einnahm, dauerhaft okkupiert. Das haben Stadtverwaltung und Gemeinderat verhindert.

Provokation gehört zum Geschäft

Provokation gehört zu Lenks Geschäft. Vor dem Verwaltungsausschuss des Bürgergremiums war er in öffentlicher Sitzung am 16. Juli selbst bewusst entgleist. „Man darf Stadträten nicht die Kunst überlassen“, hatte Lenk, neben OB Frank Nopper (CDU) auf der Bürgermeisterbank sitzend, den Bürgervertretern jedwede Entscheidungskompetenz abgesprochen und nachgelegt: „Juristisch gibt es keine Grundlage, dass es weg muss.“ Dem Direktor des Stadtmuseums, Torben Giese, der den Platz für das wiederkehrende Festival „Stuttgart am Meer“ beansprucht, versuchte er „Eifersucht“ oder aber das Einknicken unter irgendeinem „Druck“ zu unterstellen. Auf dem ihm alternativ angebotenen Stockholmer Platz in der Nähe der Stadtbibliothek im S-21-Europaviertel sei „tote Hose“, so Lenk. Ein Umzug dorthin wäre „Verrat“. Selbst wohlmeinenden Räten wurde es da zu bunt.

Nun ist Kretschmann also weg, und die Stadt will gemeinsam mit dem Land und der Bahn einen „vollständigen Scan“ (Kulturbürgermeister Fabian Mayer) unternehmen. Ob sich ein Platz auftut, der vor Lenks Augen Gnade findet?




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