Krimikolumne

Lenz Koppelstätter: „Der Tote am Gletscher“ Mord im Ferienparadies

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Ist Südtirol nicht viel zu schön für Mord und Totschlag? Wie schön es ist, zeigt Lenz Koppelstätter bis an die Grenze der beflissenen Kulissenschieberei. Aber er verschafft der Polizei dann eben doch viel Arbeit zwischen Bergpanorama und Kachelofen. Daraus könnte eine Serie werden.

Lenz Koppelstätter hat seinen ersten Krimi vorgelegt. Foto: Gene Clover
Lenz Koppelstätter hat seinen ersten Krimi vorgelegt. Foto: Gene Clover

Stuttgart - Südtirol, du Perle der Alpen, Sehnsuchtsort der Wirtschaftswunderdeutschen der 1950er und 1960er Jahre! Wie schön sind Deine Berge, wie köstlich Deine Weine und wie schmackhaft Deine Speisen! Welch ein Idyll entfaltet sich dem Besucher, wenn er über den Brenner kommt. Wer möchte da an Intrigen und Kabale, gar an Mord und Totschlag denken.

In Lenz Koppelstätters Erstling „Der Tote am Gletscher“ ist es allerdings nichts mit dem Frieden im Ferienparadies. Vor der Kulisse eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen entfaltet Koppelstätter einen klassischen und straff geschriebenen Whodunit. Es beginnt mit einem Toten auf einem Gletscher am Ende des Schnalstals und endet mit einer mehr als 20 Jahre zurückliegenden Verschwörung, die mit einem ordentlichen Schuss tödlicher Liebe und Leidenschaft gewürzt ist.

Koppelstätter erfindet den Krimi nicht neu, sein Debüt ist konventionell, aber durchaus im positiven Sinne. Die üblichen Zutaten sind ein ungleiches Ermittlerduo und jede Menge Lokalkolorit mit gastronomischem Einschlag. Der Südtiroler Commissario Grauner wird einfach nicht warm mit seinem aus Süditalien stammenden Assistenten Saltapepe, der aus reinem Trotz in leichten Lederschuhen durch den Schnee stapft, die Sommerreifen an seinem Alfa Romeo lässt und einen Cappuccino nach dem Mittagessen als Todsünde begreift.

Beide sind durch ihre Vergangenheit traumatisiert, was Grauner widerfahren ist, bleibt allerdings im Dunkeln. Der bärbeißige Ermittler möchte ohnehin am liebsten seine Kuh Margarete melken – übrigens unter dem lauten Abspielen von Mahler-Symphonien – und mit seiner geliebten Ehefrau Alba vor dem Kachelofen sitzen. Trotzdem verkeilt er sich in die Fälle, bis ihm der Rücken höllisch schmerzt, verlässt sich auf seine Spürnase und redet am liebsten mit den Leuten – klassische Detektivarbeit eben.

Eine Krimi für den knisternden Kamin in der Berghütte

Die Handlung garniert Koppelstätter mit Beschreibungen von Land und Leuten, die den Roman leider einige Male auf Reiseführerniveau sinken lassen. Und die Schilderungen der Örtlichkeiten – Schneepisten, Bozner Lauben oder urige Bauernstuben – haben gelegentlich die Qualität von schablonenhaften Kulissenschiebereien. Aber so ist das ja meistens bei den auf eine bestimmte Region zugeschnittenen Krimis.

Wen das nicht stört, der bekommt mit „Der Tote am Gletscher“ solide Krimikost, die auf jeden Fall für den knisternden Kamin in der Berghütte oder den Liegestuhl auf den Sonnenterrassen von Dorf Tirol taugt – ohne dramatische Brüche, aber mit liebenswert-kauzigen Charakteren. Das Potenzial für eine Reihe, so ist es laut Verlagsankündigung gedacht, haben Commissario Grauner und Ispettore Saltapepe auf jeden Fall.

Lenz Koppelstätter: „Der Tote am Gletscher – Ein Fall für Commissario Grauner“. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015. 320 Seiten. 9,99 Euro. Auch als E-Book, 9,99 Euro.