Krimikolumne

Lenz Koppelstätter: „Die Stille der Lärchen“ Tödliche Schatten aus der Vergangenheit

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Commissario Grauners zweiter Fall „Die Stille der Lärchen“ führt ins Südtiroler Ultental, wo die Menschen lieber morden als reden sowie Sippenhaft und Gewehrduelle bis heute anerkannte Rechtsmittel sind.

Lenz Koppelstätter hat seinen zweiten Krimi vorgelegt, der wieder in seiner Heimat Südtirol spielt. Foto: Gene Clover
Lenz Koppelstätter hat seinen zweiten Krimi vorgelegt, der wieder in seiner Heimat Südtirol spielt. Foto: Gene Clover

Stuttgart - Schön und tot lehnt sie da an den Lärchen von St. Gertraud im Ultental, die erst 17 Jahre alte Marie, erschossen von einem Unbekannten. Der Fall geht Commissario Johann Grauner und seinem neapolitanischen Assistenten Claudio Saltapepe ordentlich an die Nieren. Zwar gibt es einen geständigen Mörder, einen zugereisten Architekten – wohlgemerkt aus dem nahen Meran, doch das gilt im Ultental als andere Welt. Aber Grauner mag dem Geständigen nicht so recht glauben.

Auch die schweigsamen und stolzen Dörfler von St. Gertraud sind misstrauisch, sie haben den Sohn des Architekten in Verdacht und sind kurz davor, Lynchjustiz zu üben. Doch Grauner spürt, dass in dem kleinen Dorf etwas anderes unter der Oberfläche brodelt. Gemeinsam mit Saltapepe stochert er nach und stößt auf einen uralten Mordfall, der bereits mehr als hundert Jahre zurückliegt und bei dem ein deutscher Schriftsteller von Weltrang womöglich Zeuge gewesen ist.

In seinem zweiten Krimi mit dem Ermittlerduo Grauner und Saltapepe schöpft Koppelstätter aus den Mythen, Legenden und Geschichten, wie es sie zuhauf in Südtirol gibt. Die Bäumen wiegen sich geheimnisvoll im kalten Wind, die Talbewohner grummeln in der Dorfkneipe vor sich hin und die Geschichte wirft ihren langen Schatten über die Sippen im Ultental. Das hat bisweilen klischeehafte Züge, aber das passt zu dem Landstrich, der selbst häufig an der Grenze zur Kitschigkeit wirkt.

Wie bereits in seinem Auftaktkrimi dreht Lenz Koppelstätter wieder dezent am großen Rad der Geschichte. Während es in „Der Tote am Gletscher“ die Archäologie war, wird dieses Mal die Weltliteratur um eine dramatische Episode erweitert. Was beim ersten Mal noch ein bisschen aufgesetzt und anmaßend wirkte, hat das Zeug zu einem Running Gag in den künftigen Fällen von Grauner und Saltapepe.

Auch in seinem zweiten Krimi erfindet Koppelstätter das Genre nicht neu, aber er liefert Südtirolfans einen soliden Krimi, der sich von der teilweise beflissenen Kulissenschieberei seines ersten Romans deutlich absetzt. Wer einen Trip in die Alpen plant, kann „Die Stille der Lärchen“ in die Reisetasche packen.

Lenz Koppelstätter: Die Stille der Lärchen. Ein Fall für Commissario Grauner. Kiwi Verlag Köln 2016. Taschenbuch, 320 Seiten, 9,99 Euro. Auch als E-Book, 9,99 Euro.