Leo-Center Leonberg Millionenschwerer Umbau für Karstadt-Nachmieter läuft auf Hochtouren

Der Center-Manager Serge Micarelli auf der Großbaustelle von Ex-Karstadt: Die gesamte Technik wird neu gemacht. Foto: Geronimo Schmidt

Im Dezember will der Handelskonzern Müller im Obergeschoss des Leo-Centers eröffnen. Ein Textilhandelsunternehmen zieht voraussichtlich ins Erdgeschoss ein.

Die Kundschaft im Leo-Center sieht seit mehr als einem Jahr eine große Fläche bunt gestalteter Wände. Seit das ehemalige Warenhaus Karstadt nach einigen Rettungsversuchen Ende August 2024 endgültig seine Rolltore in Leonberg zugezogen hat, liegt die insgesamt 9000 Quadratmeter große, auf vier Etagen verteilte Verkaufsfläche, brach. Die Verantwortlichen des Hamburger Konzerns ECE, der das Leo-Center betreibt, sind seither nicht untätig gewesen.

 

Im Hintergrund halten sie immer nach neuen potenziellen Mietern Ausschau, sobald Flächen frei werden. Schnell wurde ihnen bei Karstadt klar, dass sie diese Mammutfläche künftig aufteilen und mehrere Optionen ins Auge fassen müssten. Im August des vergangenen Jahres verkündete Serge Micarelli, der Manager der Leonberger Einkaufsmall: Ein langfristiger Mietvertrag über etwa 2600 Quadratmeter im Obergeschoss mit dem Handelskonzern Müller mit Sitz in Ulm ist in trockenen Tüchern. Die Eröffnung der neuen Filiale im Leo-Center ist im vierten Quartal 2026 geplant.

Hinter den Wänden wird kräftig gearbeitet

Was die Center-Kundschaft nicht sieht: Seit Mitte Januar dieses Jahres wird hinter den bunten Wänden kräftig gearbeitet. „Die gesamte Elektrik, die Lüftung, der Brandschutz und die Sprinkleranlage werden erneuert. Das war alles veraltet und entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen“, sagt Serge Micarelli bei einem Besuch auf der Baustelle. Der ECE-Konzert investiere in die Grundsanierung einen zweistelligen Millionenbetrag.

Relikt aus der Karstadt-Zeit: Die Rolltreppe wurde bereits demontiert. Foto: Geronimo Schmidt

Der Weg auf die Baustelle führt über die dunklen Gänge im Erdgeschoss, wo früher die Karstadt-Verwaltung untergebracht war. Vorbei an riesigen Containern, die bis zum Rand mit Bauschutt beladen sind. Über das Treppenhaus geht es hoch ins Erdgeschoss, wo früher Damenmode, Süßigkeiten, Socken und Strümpfe, Dessous oder Schmuck verkauft wurden. Von alldem ist nichts mehr zu sehen.

Der Raum ist dunkel und weitläufig, das spärliche Licht schafft eine diffuse Atmosphäre. Hier erinnert man sich dennoch an die Geschichte von Karstadt. An den Aufschwung Anfang der 1970er Jahre, als das Warenhaus ein neues Einkaufserlebnis in der Stadt schuf. An Innovation und Konsum. Man erinnert sich aber auch an die unermüdlichen Arbeitskämpfe der Beschäftigten bei Karstadt und deren Angst bei mehrfach drohenden Insolvenzen des Unternehmens, den Arbeitsplatz zu verlieren. Und das Ambiente erinnert an den emotionalen, mitunter tränenreichen Ausverkauf bei Karstadt in den letzten Tagen im August 2024, bevor endgültig das Licht ausging.

Die Rolltreppe wird in Einzelteile zerlegt

Jetzt sind die Räume leer, die Deckenelemente teilweise demontiert. Kabel hängen herunter, zertrümmertes Glas liegt am Boden. Wenige Schritte weiter wird gerade die Rolltreppe Stück für Stück abgebaut und in Einzelstücke zerlegt. „Das ist gar nicht so einfach, weil sie von oben nach unten geschoben werden muss“, sagt der Center-Manager. Weil die einstige Karstadt-Fläche nun etagenweise vermietet wird, müssen die Etagen abgeschlossen sein. Wer in die Räume hier im Erdgeschoss einziehen wird, darf Serge Micarelli noch nicht verkünden. „Wir arbeiten noch am Vertrag.“ Nur so viel darf er verraten: Es werde ein Textilhandelsunternehmen sein.

Die Arbeiten eine Etage höher, wo der Handelskonzern Müller einziehen wird, sind in vollem Gange. Eine dicke Staubwolke breitet sich hier aus. Feinste Partikel gelangen in die Lunge und lösen Husten aus. Hier geht nichts ohne Atemmaske. Der Boden wird gerade herausgerissen, nur noch der Estrich wird übrig bleiben. Die Decken sind bereits entfernt. Serge Micarelli ist guter Dinge, dass bald die aufbauenden Arbeiten beginnen können. „Wir machen den Umbau soweit fertig, dass der Mieter dann seine Inneneinrichtung nach den eigenen Vorstellungen gestalten kann“, erklärt der Center-Manager.

Einst war die Karstadt-Immobilie, nicht nur was die Technik betrifft, autonom. Doch im Jahr 2011 verkaufte die Highstreet Holding, ein Immobilien-Zusammenschluss, das Gebäude an den ECE-Konzern, der langfristige Mietverträge mit Karstadt verhandelte. Es war einer von zahlreichen Versuchen des angeschlagenen Warenhauses, wieder auf die Beine zu kommen.

Von Karstadt-Seite aus hatte man sich noch optimistisch gegeben, den Verkauf entspannt gesehen – als einen Schritt, mit ECE gemeinsam den Standort weiter zu entwickeln und die Attraktivität für die Kunden zu steigern. Die weitere Geschichte ist bekannt: Nach mehreren erfolgreichen Rettungsaktionen musste das Warenhaus im August 2024 endgültig schließen.

Die einstige autonome Technik von Karstadt, die längst nicht mehr auf dem neuesten Stand war, wird jetzt, so weit es möglich ist, mit dem bestehenden ECE-Gebäude zusammengeführt und kombiniert. Damit alles rechtzeitig zur geplanten Eröffnung des Müller-Handelskonzerns im vierten Quartal dieses Jahren fertig wird, wird momentan auch an den Wochenenden gearbeitet.

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